Featured Posts

The winner is: Urban Decay!
Liebe LeserInnen, gleich zu Beginn: Ihr könnt gewinnen, und zwar Lippenstifte von Urban Decay – und wie es funktioniert findet ihr am Ende des Posts raus!
View Post
Fashion Trends A/W 16/17
View Post
Vienna Fashion Week – Favorites
Die Vienna Fashion Week hat wieder begonnen, und wir stellen euch hier ein paar unserer Favoriten vor. Seid ihr diese Woche auch bei einer der Shows beim Museumsquartier dabei?
View Post
To top
15 Jan

They were the 80ies, Babe!

Die 80er Jahre gaben viel her. Wie immer man dies auch interpretieren mag. Modisch habe ich mich allerdings noch nicht ganz von ihnen erholt und will sie auch nicht mehr treffen, leider bleibt es mir nicht erspart – die Mode der 80er kriecht seit geraumer Zeit heimlich still und leise in unsere Kleiderschränke zurück.

Vorerst sollte man ermitteln, was die Mode der 80er so „einzigartig“ machte. Man setzte Materialien, Schnitte und Farben hemmungs- und wahllos ein. Eine fatale Verirrung, bei der Auswüchse kapitaler Monstrosität entstanden. Modetechnisch waren die 80er wie ein schrecklicher Autounfall – trotz des Blutbades konnte man einfach nicht wegschauen.

Und es zog sich durch. In der Damen- und der Herrenmode. Vom Make Up zur Frisur, bis hin zu den Schuhen über das ganze Outfit. Lippenstifte wurden nur in Knallpink und Orange hergestellt – dieser Eindruck drängte sich zumindest auf. Durchsichtiges Lipgloss war ebenfalls ein „must have“ – es war so klebrig, ständig blieben die Haare der Fönfrisur, deren Grundlage natürlich eine Dauerwelle (Minipli) war, daran haften. Rouge wurde ausschließlich streifenförmig aufgetragen – Lidschatten waren ebenfalls von glossiger Natur, aber durchaus farbenfroh.

``Wer sich an die 80er erinnern kann, hat sie nicht miterlebt.`` Falco

Das modische Vorbild junger Mädchen stellte Madonna dar, speziell ihr Look in dem Filmchen „Desperately Seeking Susan“ hatte es vielen angetan. Neontüllmaschen im Haar, erstmals zerfetzte Jeans, Badges und Sticker ohne Ende. War eh irgendwie leiwand. Im Gegensatz zu Strickpullovern, in welche die größten Schulterpolster aller Zeiten (jeder NFL Spieler würde heute noch vor Neid erblassen) reingeknallt wurden. Dazu die unausweichliche Clochard-Jeans. Sie kam häufig mit Hosenträgern und der Gürtel wurde so eng wie möglich geschnallt – selbstverständlich war sie karottenförmig, nur 7/8 lang und wurde mit Ballerinas getragen.

Keine Alternative waren Bundfaltenjeans (Karottenhosen konnten auch Bundfalten aufweisen) in Kombination mit einer Rüschenbluse, ebenfalls sehr kleidsam. Wer es kecker wollte, kaufte sich ein Schlauchkleid oder einen Rock aus einem seltsamen gecrinkelten Material, das dem von Badeanzügen glich und welches man zu unendlichen Weiten ausdehnen konnte. Bevorzugter Weise erstand man diese Artikel in den Neonfarben grün, pink, gelb oder orange. Gegebenenfalls bot sich ein Netzleiberl in Kontrastneonfarbe zur Kombination an. Natürlich dürfen auch die Leg-Warmers nicht unberücksichtigt bleiben. Die trug man einfach so, oder beim vermaledeiten Aerobic, zu dem man zu Hause auf einer Matte vorm Fernseher via Video 2000, was übrigens ein eher kurzlebiges System war und alsbald von VHS abgelöst wurde, herumhampelte. Anorektische California-Girls zeigten wie es ging. Beim Joggen (im Trilobal-Jogging-Anzug), ebenfalls einer Seuche die in diesem Jahrzehnt ihren Ursprung fand, lauschte man dem Sound selbstaufgenommener Musikkassetten (MC) aus dem Walkman – vorzugsweise von Sony, die hatten ihn ja auch erfunden.

In den 80ern entwickelte sich eine Jugendströmung (als Jugendkultur würde ich das nicht bezeichnen), die sich „Popper“ nannten. Ein beinah europaweit ausgedehntes Phänomen hirnloser Halbwüchsiger, die durch folgende Features auffielen: Seltsame Frisur mit Seitenscheitel, ein Teil davon hing ständig über ein Auge, was zu spastischen Zuckungen des Hauptes führte, um die Strähnen wieder an ihren Ursprungsort zu katapultieren. Die oben bereits erwähnten Bundfaltenhosen in Kombination mit einem Lacoste Pololeibchen – diese Marke galt als zwingend, dazu Quastel-Slipper vorzugsweise von Gucci, das konnten sich die meisten jedoch nicht leisten, daher musste eine „no name“ Brand herhalten und man behauptete einfach sie wären vom italienischen Luxuslabel. Man sieht, die 80er waren der Beginn der Brand-Culture. Zur Abrundung des Outfits musste noch eine V-förmig geschnittene Lederjacke von Armani her, mit immensen Schultereinlagen und knapper Taille, am besten in einer braun/schwarz Kombi.

Zur gleichen Zeit gab es aber auch Strömungen wie Gothic-Punk. Diese bewegte sich vollkommen weg von der „Modern Talking“ Idylle, eher zu den dunklen Mächten hin – Parties am Zentralfriedhof waren keine Seltenheit. Die Outfits gestalteten sich ausschließlich schwarz. Etwas Silber brachte funkeln in die Dunkelheit. Die Bock nannte man Goth Pikes und niemals mehr besaß ich derart spitzes Schuhwerk – die ultimative Freude. Damen hatten an und ab mal ein Korsett an, weite schwingende Röcke – Tüll und Samt waren hier ein großes Thema. Leder in Schwarz mit vielen Nieten gehörte selbstverständlich zum guten Ton. Das Make Up hielt man leichenblass, beinah schon weiß, dafür verbrauchte man ungefähr 5 schwarze Kajalstifte pro Monat um die Augen dramatisch genug zu umranden. Dazu ließ man sich von traurigen Bands, wie etwa den „Sisters of Mercy“, die sich später zu „The Mission“ umformierten, beschallen.

Was immer man über die 80er denken mag. Es war lustig. Na ja, es herrschte auch der kalte Krieg. Trotzdem stand Individualität recht hoch oben auf der Prioritätenliste. Auffallen war angesagt, demonstriert und besetzt wurde gerne. Gleichschaltung und Uniformierung galt es zu vermeiden. Der Zeitgeist der 80er ist der Mode dieses Jahrzehnts definitiv vorzuziehen.

„I was a little self-centered gutter punk in the early 1980s and all I wanted to do was diss everybody.“    (Anthony Kiedis, amerik. Musiker Leadsänger Red Hot Chillypeppers, *1962)

Polly Perlon

Polly Perlon
Polly Perlon

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: polly.perlon@blog-mag.net

No Comments

Leave a reply