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12 Apr

Postapokalypse

Man kann die Modeindustrie mit einem blühenden Baum vergleichen. Die Produktionsbetriebe bilden den Stamm, die starken Äste die Vertriebskanäle, dickere Zweige stehen für die großen Modeketten und die vielen kleinen Zweiglein für die Einzelhändler. Die Endverbraucher bilden die Blüten. Ein Virus hat den Baum befallen. Er verrottet vom Stamm aufwärts und die Blüte ist vorbei.

Jährlich setzt die Modeindustrie etwa 700 Milliarden $ um. Weltweit. Somit ist sie eine der größten Industrien des Planeten (nach petro-chemischer und Autoindustrie). Auch ökologisch hat sie sich den zweiten Platz im Ranking der größten Sünder gesichert.

Im Bereich Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft und moderner Sklaverei lässt diese Industrie, die eine makellose Fassade in einer Blitzlicht-Bling-Bling-Welt präsentiert, nichts anbrennen.

Covid-19 hat ihr den „Glam“ innerhalb von nur wenigen Wochen runtergerissen. „Bling-a-licious“ ist im Moment nicht so angesagt. Die Provider dafür blasen aus dem letzten Loch.

¼ der gesamten Textilproduktion weltweit stammt aus China. Hier sind auch viele Zulieferer für die Produktionen in anderen Ländern, wie beispielsweise Vietnam, Bangladesch etc. ansässig. Seien es Weber- oder Wirkereien, Unternehmen die Knöpfe, Zippverschlüsse oder andere Zutaten herstellen. Weltweit führende Textilfirmen haben Medienberichten zufolge bei mehr als 1000 Produktionsstätten Aufträge in Höhe von rund 1,5 Mrd. US-Dollar (1,4 Mrd. Euro) ausgesetzt oder storniert.

Auf Grund der monatelangen Schließung vieler Betriebe wird es zur Verzögerung bei der Auslieferung der Herbst/Winterware 2020 kommen. Sie findet ja bizarrer-weise bereits ab Juli statt. Ein nicht unwesentlicher Anteil der Orders wird voraussichtlich auch von Seiten der Einkäufer (Zahlungsschwierigkeiten) storniert werden müssen. Dem Endverbraucher wird ein dezimiertes Angebot kaum auffallen, da nach wie vor ein Überangebot herrscht.

Dow Jones Down

US-börsennotierte Textilunternehmen mussten Montag (23.3.2020) empfindliche Einbußen hinnehmen. Laut Dow Jones stürzte die Aktie des Bekleidungsriesen GAP um 13%, die von Levi Strauss um 9,5% ab. Die Aktie von Abercrombie & Fitch verlor 5,4% ihres Wertes.

Man rechnet nach der Corona Krise mit einer Insolvenzwelle im stationären Modehandel (Textil, Schuhe + Leder). Speziell betroffen werden die ganz kleinen Einzelhändler sein, da sie kaum Gelegenheit haben werden, die bereits gelieferte und bezahlte Frühjahrsware 2020 zu präsentieren und zu verkaufen.

Normalerweise beginnt der Ausverkauf Anfang/Mitte Juni – vielleicht findet hier ein Umdenken statt und der stete Drang sich selbst zu überholen, findet ein Ende. Abgesehen davon befand sich das Umsatzvolumen im Textileinzelhandel schon im Herbst 2019 stark unter den Vorgaben des Vorjahres.

Online Handel - 30% bis – 40%

Aber auch der Mode Online Handel verzeichnet Einbussen von 30% – 40%. Im Zuge der Corona Krise verschieben sich die Prioritäten der Menschen. Grundsätzlich will Mode gezeigt werden, nicht nur auf den internationalen Catwalks (die Shows werden seit Milano und Paris ohnehin nur mehr gestreamt). Auch vom Einzelnen – das ist nur möglich, wenn man außer Haus geht. Die Inszenierung der eigenen Person fällt flach, sobald das Publikum fehlt. Für zu Hause reichen also Pyjama und Jogginghose. Da man weniger wäscht, genießen die Waschmaschinen zur Zeit auch ein wohlverdientes Päuschen.

Adidas kündigte nun an, keine Mieten mehr für ihre Stores zahlen zu wollen. C&A, Deichmann, Pimkie und H&M eiferten sofort nach. Nach einem medialen Shitstorm zog Adidas zurück und verlautbarte nur keine Miete für die Liegenschaften großer Investment Gesellschaften mehr zahlen zu wollen.

Nach Covid-19 wird die Modewelt etwas weniger bunt aussehen. Ich wage mit der Behauptung zu spielen, dass viele der mittleren und kleineren Einzelhändler – die tapfer und mutig abseits der Global Player für eine Vielfalt im Angebot gekämpft haben – diese Krise wahrscheinlich nicht überstehen werden. Dieses Segment wird verschwinden. Die Großkonzerne werden als endgültige Gewinner aussteigen.

„The winner takes it all, the loser standing small…“ (ABBA, The Winner takes it all, released 21. 7. 1980)

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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