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11 Jun

Motel Tout Vienne 51

Wien muss man sich verdienen, diese Stadt schenkt dir nichts. Der Weg ins Paradies führt durch sämtliche Bezirke. Das Gras ist in Wien auch nicht grüner, aber irgendwann hast du dir die Stadt geholt – so please take me home to Paradise City!

51. Kapitel

Anschließend wurden wir gezwungen unsere Schuhe auszuziehen, Brillen abzunehmen und uns aller eckigen und kantigen Gegenstände zu entledigen. Es wurde von den Flugbegleitern in großen Säcken eingesammelt. So saßen Belbosco und ich in der Reihe 12 (die Reihe 13 gab es damals in Flugzeugen nicht – wohl aus Gründen des Aberglaubens) und zwar in einer Art Eiformhocke, diese Verkrümmung wurde vom Flugpersonal angeordnet – und warteten auf unser gemeinsames Ableben. Interessant zu beobachten waren die stets arroganten Business Typen in ihren italienischen Designer Anzügen und genagelten Schuhen, die plötzlich zu gottesfürchtig betenden Frömmlingen mutierten. Ich hatte schon immer höchstes Vertrauen in die österreichische Luftfahrt, mein Vater, der Aeronnaut hatte dieses in mir manifestiert, daher rechnete ich insgeheim nicht mit einem möglicherweise bevorstehenden Spontan-Tod. Nach Tankreds Meinung ließ sich sowieso jeder Flugzeugabsturz auf menschliches Versagen zurückführen, technische Gebrechen kommen in seiner Welt bis heute kaum vor – tiefer, unerschütterlicher Glaube in die Technik sind sein Credo.

Wir befanden uns im Landeanflug auf die Lagunenstadt und die Spannung stieg – bleiben oder nicht bleiben (auf dieser Welt) war hier die Frage. Der Pilot legte eine sanfte, astreine Landung hin und wir durften weiter leben. Ausgezeichnet. Ich freute mich. Nichtsdestotrotz wurden die gelben Plastikrutschen ausgefahren und wir hatten das fragwürdige Vergnügen uns an einer morgendlichen Rutschpartie zu erfreuen. Am Flugfeld gelandet stand ich in Nylonstrümpfen, meine Beine in chemischen Schaum gebettet, herum. Es fühlte sich feucht an. Hervorragend. Busse holten uns ab und schipperten uns in einen gesonderten Teil des Flughafens. Dort erwarteten uns italienische Psychologen – die ausschließlich in ihrer Muttersprache parlierten, deren weder Belbosco noch ich auch nur im Ansatz mächtig waren (bis auf die Bestellung von Pasta) – um sich unserer kleinen verstörten Seelen, die durch diese traumatische Erfahrung außer Rand und Band geraten sein mussten, anzunehmen.

Ich interessierte mich allerdings mehr für mein fehlendes Schuhwerk – ich stand immer noch in Nylonstrümpfen herum, ohne Handtasche und auch ohne Gepäck. Belbosco hatte einen Kaffeeautomaten entdeckt und meinte wir sollten uns einen Espresso gönnen. Die Maschine spie ein etwa Fingerhut großes weißes Plastik Becherlein aus, das sie etwa fünf Millimeter hoch mit einer pechschwarzen breiigen Substanz befüllte. „Mmmmh“ – Ristretto“, hauchte Belbosco, während ich mich beinah übergab und beschloss mein erster würde auch mein letzter Ristretto sein. Anschließend wimmelten wir die italienischen Psychotherapeuten ab und Belbosco verlangte mit Nachdruck nach den Schuhen, durch eine Socke lugte bereits sein großer Zeh, sie hatte offensichtlich dem Tarmac am Flugfeld nichts mehr entgegenzusetzen gehabt, sowohl wie auch dem restlichen Gepäck, was umgehend angeliefert wurde.

Das 52. Kapitel folgt am 14. Juni 2022!

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay + Privat

Elvira Trevira
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Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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