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Vienna Fashion Week – Favorites
Die Vienna Fashion Week hat wieder begonnen, und wir stellen euch hier ein paar unserer Favoriten vor. Seid ihr diese Woche auch bei einer der Shows beim Museumsquartier dabei?
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19 Jan

Motel Tout Vienne 4

Wien muss man sich verdienen, diese Stadt schenkt dir nichts. Der Weg ins Paradies führt durch sämtliche Bezirke. Das Gras ist in Wien auch nicht grüner, aber irgendwann hast du dir die Stadt geholt – so please take me home to Paradise City.

Viertes Kapitel

Ich erkundete nun den verbleibenden Raum. Er hatte die Ausmaße des Windfangs unseres Hauses in Hautzenbichl und fiel durch eine fast zwänglerische Rechteckigkeit auf. Links in der Ecke residierte eine Matratze unbestimmten Alters. Einige Jährchen hatte sie wohl schon am Buckel, was man an diversen Stockflecken und einer unübersehbaren Mulde im unteren Drittel erkennen konnte. In der rechten Ecke lenkte ein Küchenkästchen mit dazu passender Spüle das Auge des Betrachters auf sich. Daneben befand sich ein wackeliges Regal auf dem eine elektrische Herdplatte Baujahr 1956 trohnte.

An der gegenüberliegenden Wand erkannte ich eine Schießscharten-artige, jedoch verglaste Luke. Einen Meter entfernt davon ein Fenster von ernstzunehmender Größe, das etwa in ein Meter Höhe über dem Boden prangte. Als Eyecatcher dieses in sich homogen gestylten Raumes könnte man den Spannteppichboden bezeichnen. Die Farbe Ocker beschreibt ihn am ehesten, jedoch durchaus immer wieder von helleren und dunkleren Flecken durchzogen, die im ursprünglichen Design potenziell so noch nicht vorgesehen waren. Abgesehen davon verströmte er einen herzhaft strengen Geruch, der in der Basisnote an radioaktive Kotze, in der Herznote an nukleare Pisse und in der Kopfnote an atomar verseuchte Kacke erinnerte.

Im Hintergrund hörte ich Stimmengemurmel, das lauter und lauter wurde und sein Crescendo in einem spitzen Schrei meiner Mutter fand. Anscheinend war sie gerade dabei den ungarischen Kurschatten in die Mangel zu nehmen. Immerhin zahlten meine Eltern monatlich wohlfeile 1200 Alpendollar für die Bruchbude. Dieses Substantiv wiederholte die Linde häufiger im Zusammenhang mit dieser Wohnung. Irgendwann traf mein Vater ein – offensichtlich aus Floridsdorf – nicht ohne zu erwähnen, dass er an der Ecke Gürtel/Neulerchenfelder Straße ein sehr ansprechendes Lokal namens „Felsenkeller“ entdeckt hätte. Anscheinend wurde er bereits von Hungerattacken gequält und konnte sich nur mehr auf die Nahrungsaufnahme konzentrieren.

Ich begann mittlerweile meine spärlichen Besitztümer in der Wohnung zu verteilen. In Ermangelung eines Kastens beließ ich meine Kleidung in den beiden Koffern. Die Kosmetik- und Hygieneartikel räumte ich in das wackelige Regal und gestaltete die Matratze zu einem Bett um. Einige Teller, Gläser, Töpfe und Besteck verstaute ich im Küchenkasterl. Währenddessen stritt die Linde immer noch mit dem ungarischen Kurschatten. Ich informierte den Tankred, dass ich nun fertig sei und wir Essen gehen könnten. Mit den Worten: „Linde, tua jetzt endlich weida, des bringt jetzt eh nix“, forderte er meine Mutter auf sich uns anzuschließen. Sie stamperte den ungarischen Kurschatten zur Tür hinaus und wenig später machten wir uns auf den Weg zum „Felsenkeller“.

Das fünfte Kapitel folgt am 22. Jänner 2022!

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay + Privat

Elvira Trevira
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Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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