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16 Jan

Motel Tout Vienne 3

Wien muss man sich verdienen, diese Stadt schenkt dir nichts. Der Weg ins Paradies führt durch sämtliche Bezirke. Das Gras ist in Wien auch nicht grüner, aber irgendwann hast du dir die Stadt geholt – so please take me home to Paradise City.

Drittes Kapitel

Der ungarische Kurschatten verfügte übrigens über die Schlüssel der Wohnung. Ich war mir sicher, dass er bei der Provision mitgeschnitten hatte. Mutter, Tankred und ich hasteten nun mehrere Male zwischen Auto und Innenhof hin und her – der ungarische Kurschatten choreografierte dieses Unterfangen mit aufmunternden Zurufen und Warnungen die Straßenbahngarnitur J betreffend, die im zehn Minuten Takt vorbei ratterte. Danach instruierte er den Tankred eine nahegelegene Parkgarage aufzusuchen, da er dessen Fähigkeit einen engen Parallelparkplatz zu erobern wohl insgeheim anzweifelte. Aus seiner Erfahrung heraus sei die Landbevölkerung nicht wirklich mit dieser Art von Parkmöglichkeiten vertraut und es wäre anzuraten sich Scham und Häme der anderen Verkehrsteilnehmer zu ersparen, die diese kläglichen Einparkversuche beobachten würden. Tankred fuhr in die Garage und kehrte gefühlte acht Stunden später wieder zurück. Anscheinend hatte er ein Parkhaus in Floridsdorf gewählt.

Allein gelassen mit Linde und dem ungarischen Kurschatten konnte ich es kaum mehr erwarten meine erste eigene Wohnung zu sehen. Davor musste jedoch mein Krempel vom Innenhof vor die Wohnungstür geschafft werden. Wiederum bis ins Detail vom ungarischen Kurschatten durchchoreografiert, was bedeutete, dass er die Rolle des Impresario übernahm, während die Linde und ich Kisten und Koffer schleppend nach seiner Pfeife tanzten. Im hinteren Teil des Innenhofs befand sich übrigens eine Fleischerei. Ein olfaktorisches Erlebnis der Sonderklasse, speziell in den Sommermonaten. Gut, damit musste ich nun leben. Außerdem ließ mich meine Neugier die Wohnung betreffend doch etliches ausblenden.

Der ungarische Kurschatten griff zu seinem Schlüsselbund und löste umständlich drei Schlüssel ab, die er mir mit folgender Erklärung in die Hand drückte: Der eine wäre für das Tor im Hof, der andere für die Haustür und der dritte für die Wohnungstür. Ein klitzekleiner Schlüssel, den ich zuvor gar nicht bemerkt hatte, sei für das Postkasterl. Ich nahm also den Wohnungsschlüssel, steckte ihn ins Schloss, drehte ihn um, riss die Tür auf, trat ein – und prallte gegen einen riesigen Kühlschrank. Das irritierte mich nun ein wenig. Vor meinem inneren Auge hatte ich von einem weitläufigen Foyer eventuell mit einer Freitreppe, die sich geschmeidig elegant in den oberen Stock erhebt, geträumt.

Mein Gesicht klebte immer noch am Kühlschrank und ich musste mich neu orientieren. Ich wandte mich nach rechts. Etwa 40 cm entfernt befand sich eine sehr schmale, hohe Tür. Die öffnete ich vorsichtig und – fand ein WC. Exakt darüber, an einer kurzen Stange, die aus der Decke ragte befand sich ein Duschkopf, an der Rückwand auf etwa der gleichen Höhe ein Spülkasten mit Metallkette und Emailklöppel. Der Raum maß gut drei Meter in der Höhe und einen Quadratmeter in der Fläche. Verwirrt fragte ich den ungarischen Kurschatten, was das sei, worauf er meinte dies sei mein neues Badezimmer. Ich wollte ihn schon anbrüllen, wo eigentlich das Jacuzzi und die begehbare Orgien-getestete Dusche mit seitlichen Sprühvorrichtungen hingekommen sei.

Überlegte es mir jedoch anders. Im Duschklo fehlte auch das Waschbecken. Die vergilbten Fliesen kleideten Boden und die Wände bis zur Duschstange hinauf aus. Zur Beleuchtung musste man das Vorzimmerlicht andrehen, also jenes Kämmerchens, das von der Kühlschrankmonstrosität ausgefüllt wurde. Ich zwängte mich am Kühlgerät vorbei, die Linde und der ungarische Kurschatten hatten zu diesem Zeitpunkt meine neue Behausung immer noch nicht betreten, wohl aus Platzmangel. Linde befand sich wahrscheinlich auf Grund des Schocks in einer Art komatösen Zustand der in einer paralysierenden Starre seinen Ausdruck fand.

Das vierte Kapitel folgt am 19. Jänner 2022!

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay + Privat

Elvira Trevira
Elvira Trevira

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