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28 Mrz

Masken statt Mode

Nachdem sie zu einem guten Teil Mitschuld an der Corona Krise hat –speziell in Italien –, übt sich die internationale Modeindustrie jetzt in Demut und entwickelt das „Mutter Theresa Syndrom“. Die 700 Milliarden $ Jahresumsatz werden es 2020 wohl nicht werden.

Man darf davon ausgehen, dass eine der Ursachen für die katastrophalen Ausmaße der Corona Krise in Italien bei der Modeindustrie zu suchen ist. Sie ist einer der wichtigsten Industriezweige und Imageträger der Republik. Jahresumsatz: 42 Milliarden Euro.

Um die Machenschaften der Modeindustrie zu verstehen, muss man in die späten 1980er- und die frühen 1990er-Jahre zurückblicken. Hier nimmt das Übel seinen Anfang. Die Fast Fashion entwickelt sich von Hongkong aus rapide. Damals haben Firmen aus Hongkong bereits einen Großteil ihrer Produktionsstätten in Rot-China, die Ware wird jedoch mit dem Ursprungszertifikat Hongkong ausgestellt und in aller Herren Länder exportiert – wie sie es machten, weiß ich nicht – aber es war so. Ich war dabei.

Die Folge war, dass europäische (ja unglaublich, aber zu dem Zeitpunkt gab es über ganz Europa verteilt noch Mode-Produktionsbetriebe) und speziell italienische Firmen schließen mussten. Dieser Prozess zog sich bis Anfang der 2000er hin – dann gaben die Letzten auf. Hauptgrund: zu hohe Lohnkosten.

PRONTO MODA

Gewiefte Chinesen kauften nun die italienischen maroden Betriebe auf, importierten abertausende chinesische Arbeitskräfte, häufig illegal. Allein im Raum Prato, nahe Florenz, schätzt man eine Dunkelziffer von 50.000–70.000 Chinesen, die ohne Papiere, ohne Gesundheitsvorsorge oder andere Absicherungen oft direkt in den Fabriken (Sweat Shops) hausen und dort 16–18 Stunden Akkordarbeit leisten. Für alle – vom Luxuslabel bis zum Diskonter.

Das Schöne daran ist: Man kann die Artikel mit dem Label „Made in Italy“ auszeichnen.

Der Fluss an neuen Arbeitern aus dem Reich der Mitte riss nicht ab und mit ihnen kam das Covid-19 Virus. Die Gier hat ihren Preis. Mittlerweile üben sich die Konzerne jedoch in Demut. Nicht ohne die dementsprechende PR.

Man macht das Übel zur Tugend. Gesichtsmasken wurden in den vergangenen Saisonen bereits von Gucci (Pullover, dessen Kragen über das Gesicht reicht), Maison Margiela, Richard Quinn und Marine Serre auf den internationalen Catwalks gezeigt.

ALTA MODA

So fügt es sich, dass nun die Bänder in ganz Italien stillstehen. Man muss sich hier Hallen vorstellen, in denen eine Nähmaschine an die andere gereiht ist, aufgelockert durch Overlock- und Zuschneidemaschinen.

Luxuslabels wie Prada haben angekündigt, nun 80.000 Schutzanzüge und 110.000 Masken zu produzieren. Gucci, YSL und Balenciaga (alle Kering Group) ziehen nach. Es geht allerdings nicht klar hervor, ob es sich hier um Spenden handelt oder ob die Produkte an die Regierung verkauft werden.

Man fragt sich, ob die Masken und Schutzanzüge gebrandet werden – das könnte im Nachhinein zu einer regelrechten Schlacht auf ebay ausarten.

H&M kam mit einer ähnlichen Ankündigung raus. Zusätzlich stellt der Konzern ab sofort seine Social Media-Reichweite Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz zur Verfügung, damit diese ihre Nachrichten weiter verbreiten können. Recht so, die haben eh einiges gut zu machen.

Louis Vuitton (LVMH Group) hat damit auf sich aufmerksam gemacht, dass sie anstatt Luxusdüfte für Dior, Givenchy und Guerlain nun Desinfektionsmittel abfüllen. Versace, Armani und Dolce&Gabbana spendeten bereits bedeutende Summen. Die Höhe der Beträge wurde allerdings nicht kolportiert.

BIO HAZARD FASHION

L‘Oréal hat einen Teil seiner Fabriken auf die Herstellung von Desinfektionsgel umgerüstet. Zudem kündigte CEO Jean-Paul Agon eine Spende in Höhe von einer Million Euro an, die sozial Benachteiligten zukommen soll. Hoffentlich übernehmen sie sich nicht, die wollten doch auch die „Notre Dame“ wieder aufbauen…

Calzedonia produziert ab 25. März ebenfalls Masken und Kittel. Dies passiert in den auf die Herstellung dieser Produkte umgestellten Fabriken im italienischen Gebiet um Avio und Gissi, sowie in allen kroatischen Fabriken.

DEMUT IN HAUTE COUTURE

Mango wird in den kommenden Tagen zwei Millionen Atemschutzmasken an verschiedene Krankenhäuser in Spanien spenden. Die Anlieferung erfolgt mit Mangos eigener Logistik und wird gemäß den Vorgaben des spanischen Gesundheitsministeriums durchgeführt. Toni Ruiz, CEO Mango, verzichtet während des aktuellen Ausnahmezustands in Spanien auf „jegliche Vergütung“. Man muss sich ob dieser großzügigen Geste kaum Sorgen um sein finanzielles Wohlergehen machen.

Die spanische Inditex Group (Zara, Bershka, Pull&Bear, Massimo Dutti etc.) hat bereits 10.000 Masken an die Regierung gespendet – 300.000 weitere Masken werden folgen. Sie werden mit firmeneigenen LKWs ausgeliefert. Außerdem will Inditex Teile der Produktion umstellen, im Moment werden die technischen Möglichkeiten dafür geprüft. Der Jahresumsatz der Inditex Group betrug 2018 rund 26,14 Milliarden Euro. Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen.

Wie diese Krise sich auf die Modeindustrie auswirken wird, ist jetzt schon absehbar. Zu den Überlebenden werden die global operierenden Konzerne gehören. Kleine und mittlere Unternehmen werden voraussichtlich von Covid-19 wirtschaftlich hinweggerafft.

„There are people who have money and people who are rich.“   (Coco Chanel, franz. Modeschöpferin, 1883-1971)

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay

Elvira Trevira
Elvira Trevira

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