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3 Mai

Hotel Hautzenbichl

Exotische, bizarre Geschichten passieren nicht nur auf „dark desert highways“ – so weit muss man gar nicht fahren, es reicht schon in Knittelfeld, einer Stadt die nicht mal Gott gefällt, aufzuwachsen.

Erstes Kapitel

Wie die meisten von uns wurde ich in eine intakte dysfunktionale Familie hinein geboren. Anfänglich war mir das noch nicht so bewusst, klar – ich war ein Baby und hatte keinerlei Durchblick, die wenigsten Babys haben den.

Allerdings interessierte ich mich schon früh für Geschichte, oder einfach nur Geschichten. Und so hörte ich meinen Großeltern, Tanten, Onkeln und was da noch so alles kreuchte und fleuchte, regelmäßig bei ihren Erzählungen, eigentlich war es Hard-Core-Gossip, zu. Wir befinden uns am Schauplatz meiner Kindheit: Hautzenbichl, Knittelfeld, Obersteiermark – ein zähes Pflaster.

Es kam mir zu Ohren, dass ein Bruder meiner Großmutter väterlicherseits, offenbar eine Dame aus der südlichen Steiermark geehelicht hatte. Anscheinend in den 1920er Jahren. So weit – so gut. Sie brachte einen kleinen Bauernhof mit in die Ehe, er seinen Charme und seine Attraktivität. Man muss erwähnen, dass die Familie meines Vaters mit überdurchschnittlich gutem Aussehen gesegnet ist.

So begab es sich, dass ihm die Gattin nachts wohl in der Scheune aufgelauert hatte – warum sie nicht im gemeinsamen Ehebett lagen, erschloss sich nicht aus Tante Peppis Erzählungen – vielleicht fand er sich zu einem Tête-à-Tête mit der Magd des benachbarten Bauernhofs ein – wer weiß es schon.

Die junge Gattin schien geistig verwirrt, oder vielleicht einfach nur rasend vor Eifersucht gewesen zu sein, schnappte sich eine Axt – die liegen in Scheunen ja wahllos herum – und richtete ein Blutbad, dem Texas Chainsaw Massacre nicht unähnlich, an. An diesem Punkt endete Tante Peppis schaurige Erzählung. In meiner Fantasie verlieh ich dem Abspann ein mittelalterliches Szenario, in dem die Mörderin am Marktplatz am Schafott kniend vom örtlichen Henker mit einem Beil enthauptet wird.

Hotel Hautzenbichl

Die Schwester des Ermordeten hingegen, also meine rothaarige Großmutter Josephine, erfreute sich derweil an ihrem It-Girl Status im tristen Knittelfeld der Zwischenkriegszeit. Man könnte sie als obersteirisches „Flapper-Girl“ bezeichnen. Emanzipiert, kettenrauchend, dem Alkohol nicht abgeneigt und Motorrad fahrend (ein weiterer ihrer Brüder besaß eine Autowerkstatt) – was zu dieser Zeit für eine junge Frau als höchst skandalös galt – verschmähte sie die gesellschaftlichen Regeln der ländlichen Kleinstadt.

Sie entpuppte sich als Meisterin des Netzwerkens, baute Verbindungen zu einflussreichen Persönlichkeiten auf, Künstler und Schriftsteller gingen in ihrem Haus ein und aus. Wie genau sie das anstellte, konnte sich niemand erklären, aber so trug es sich zu. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits mit meinem Großvater, er war Rechtsanwalt, verheiratet und hatte drei Kinder.

Und weil mein Großvater mehr Historiker als Anwalt war, sich gnadenlos zu Spirituosen hingezogen fühlte und im Laufe der Zeit einen Hang zum Keltentum entwickelt hatte, tauften sie ihren ältesten Sohn, meinen Vater, Tankred David, seine Schwester – und hier wird’s richtig crazy – Ansalde Braxedis Priska, der letztgeborene kam mit dem trivialen Namen Haymo davon.

Das zweite Kapitel folgt am 6. Mai 2020!

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay + Privat

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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