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5 Apr

Hotel Hautzenbichl 95

Exotische, bizarre Geschichten passieren nicht nur auf „dark desert highways“ – so weit muss man gar nicht fahren, es reicht schon in Knittelfeld, einer Stadt die nicht mal Gott gefällt, aufzuwachsen.

95. Kapitel

E Ende des Sommersemesters kam der Tankred auf die glorreiche Idee mich an einem Samstag nach der Schule mit der Piper – es könnte auch die Cessna seines Freundes Froscherl gewesen sein – er war ein ehemaliger Silver Bird Pilot (österreichische Kunstflugstaffel vor den Karo As) aus Wiener Neustadt abzuholen. Im Klartext: Er flog am Vormittag aus Zeltweg weg, schraubte sich über den mächtigen Semmering um kurz darauf am Flugfeld in Wiener Neustadt zu landen. Es ist zu erwähnen, dass die Allzeitgetreue eine lange Flug-Tradition aufzuweisen hat, was ihr die Alliierten recht krumm nahmen und sie deswegen zwischen 1943 und 1945 flächendeckend platt machten.

Nun stellte sich mir das Problem wie ich von der Schule in der Bräunlichgasse zum Flugfeld – mit einer schweren, bis zum Rand mit Dreckswäsche befüllten Reisetasche kommen würde? Ich war damals schon recht gut auto-organisiert und checkte diverse Busse und Schnellbahnen und was weiß ich noch alles ab – gelinde gesagt, es handelte sich um eine Weltreise, die länger dauerte als der Flug von Wiener Neustadt nach Zeltweg. Das letzte Stück musste ich mich und meine Reisetasche, die mittlerweile bereits vierzehn Bruttoregistertonnen wog, in glühender Hitze entlang der Kaserne, oder was immer dieses nie enden wollende Gebäude zu meiner Rechten darstellen sollte, entlangschleppen. Vor mir flimmerte der Asphalt.

Auf das Gelände zu kommen erwies sich ebenfalls als ziemlich tricky. Es handelte sich um militärisches Gebiet und ein rot-weiß gestreifter Balken, bewacht von einem Typen in unkleidsames oliv gehüllt und mit einer frühen Varianter einer Steyr AUG bewaffnet, verwehrten mir den Zutritt. Nun erklärte ich dem Landesverteidiger in noch höflichem Ton, dass mein Vater mich am Hangar – oder dem daneben liegenden „Tschecherl“ erwarte, um mich mit der einmotorigen Maschine in die Steiermark zu fliegen. Der Landesverteidiger fühlte sich gelinde gesagt verarscht und ignorierte mich.

Gleichzeitig fuchtelte er mit seinem Sturmgewehr herum. War ich ausschließlich von Psychopathen umgeben? Nach mehrmaligen Versuchen, ihm die Situation verständlich zu machen, teilte ich ihm mit, dass ich nun das militärische Gebiet betreten würde und er mich nur durch Waffengewalt davon abhalten könne. Wirklich – wie dämlich war der? Was an meinen Ausführungen war undeutlich und nicht zu verstehen?

Ich hatte es satt mir in der Affenhitze die Beine in den Bauch zu stehen und mich mit diesem Troglodyt abzuquälen, der offenbar der deutschen Sprache nicht mächtig war. Beherzt fischte ich nach meiner Reisetasche und setzte mich in Bewegung. Er pflanzte sich mit seiner Austro-Kalaschnikow vor mir auf. Das bewegte mich dazu eine Textzeile aus Wolfgang Ambros Song „Tagwache“ zu zitieren: „Jojo in Zivü, do war er net vü, owa beim Militär do is er wer.“

Man muss dem Landesverteidiger zugute halten, dass er mich nicht auf der Stelle standrechtlich erschoss, wobei ich den Eindruck hatte, dass er kurz davor stand. Glücklicherweise sah ich meinen Vater zu meiner Rettung aus der Ferne herbeieilen. Offensichtlich hatte er dem Typen, der zuvor Wache schob, Bescheid gesagt, dass ich antanzen würde, dieser hatte es jedoch verabsäumt dem Troglodyt diese Information weiterzuleiten. Schon damals bereitete mir der Zustand unseres Bundesheeres arge Bedenken…

Tankred, wie immer auf das Beste gelaunt, wenn mit der Option gesegnet einige Stunden in der Luft zu verbringen, wischte den Vorfall, über den ich mich gerne noch Stunden aufgeregt hätte, als wäre er unbedeutend vom Tisch. Vor Vorfreude ob des bevorstehenden Fluges, förmlich vor Entzücken zappelnd, vollführte er die vorgeschriebenen Sicherheitschecks, während ich noch überlegte bei welchem General ich mich wohl über den Troglodyt beschweren könnte. General Ernst Bernadiner fungierte damals als Armeekommandant, überm Semmering hatte ich mein Beschwerdeschreiben bereits ausformuliert. Turbulenzen über Kindberg ließen es mich jedoch schnell wieder vergessen. Es ist zu erwähnen, dass ich die Rückreise nach Wiener Neustadt wie üblich auf Schienen zurück legte.

Das 96. Kapitel folgt am 8. April 2021!

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay + Privat

Elvira Trevira
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Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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