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2 Apr

Hotel Hautzenbichl 94

Exotische, bizarre Geschichten passieren nicht nur auf „dark desert highways“ – so weit muss man gar nicht fahren, es reicht schon in Knittelfeld, einer Stadt die nicht mal Gott gefällt, aufzuwachsen.

94. Kapitel

Eines Abends beim Heurigen in Katzelsdorf beschlossen wir am folgenden Tag einen Ausflug an den Neufelder See zu unternehmen. Es war ein heißer Juni, ich hatte gerade feuchtfröhlich meinen 17. Geburtstag gefeiert. Ich machte mich also am nächsten Morgen mit ein paar Jungs in deren Autos auf zum See. Ich genoss es immer, das einzige Mädchen unter vielen Jungs zu sein. Wir verbrachten einen fantastischen Tag in der Sonne, bis mir am frühen Nachmittag einfiel, dass meine Eltern mich besuchen wollten. So gegen 16h. (Kurz zuvor hatte ich offiziell Unterrichtsschluss und sollte mich zu Hause befinden). Mich traf beinah der Schlag. Alter – wenn die schnallen, dass ich nicht in der Schule war und auch nicht daheim anzutreffen bin – Gnade mir Gott…

Kurz zuvor hatte sich ein Freund einer der Jungs zu uns gesellt. Er war mit seiner fetten Yamaha V-Max direkt an den Strand gefahren. Sie war brandneu und faszinierte mich maßlos. Der Typ war auch nicht so schlecht. Ein Blick auf meine Swatch zeigte 14.45h und mir war klar, es herrschte Handlungsbedarf, wollte ich nicht riskieren von Linde vernichtet zu werden.

Also bezirzte ich V-Max-Boy (ich erinnere mich nicht mehr an seinen Namen, alle Jungs hießen damals Michael, Christian, Martin oder Georg – man merkte den Einfluss der katholischen Kirche bei der Namensgebung noch sehr deutlich) mich nach Hause zu bringen. Ich war 17 Jahre und hatte blondes Haar. V-Max-Boy war schnell überredet.

 

Die Entfernung zwischen Neudörfl und dem Neufelder See beträgt ungefähr 15km+, abhängig davon an welchem Ufer man sich befindet. Wir hatten leider nur einen Helm, die Helmpflicht gab es seit 1979, also schon fünf Jahre lang. Gentleman, der er war, bot mir V-Max-Boy natürlich seinen Helm an, den ich ohne mit der Wimper zu zucken akzeptierte. Zu erwähnen ist auch, dass ich ein in UK erworbenes „Micro-Mini-Kleid“ (Corsage mit Volant-Röckchen in weiß mit pinken Polka Dots) trug. Sicherheitstechnisch betrachtet, die optimale Motorrad Bekleidung.

Ich stieg auf und wir rollten zur Straße. V-Max-Boy mit Lederjacke ohne Helm, ich mit Helm im hauchdünnen Brit-Fetzerl und Kitten-Heels. Ich äußerte meine Bedenken bezüglich des fehlenden Helms und der immer noch mit dem Golf 1 ausgerüsteten Kiewerei. Diese zerschmetterte V-Max-Boy im Keim mit den schon bekannten Worten: „Des is wuarscht, wia san eh schnella!“ Ja so warns, die Jungs in den 80ern. „Living on the edge“ hieß das Motto – etliche habens nicht überlebt.

Speedlimits existierten in der Welt von V-Max-Boy nicht zwingend und er gab Vollgas. Ich genoss jede Minute, klammerte mich an ihn und konnte beobachten wie sich meine Beine während der Fahrt zusehends bräunten. Ein positiver Nebeneffekt. Ich war beinah verführt den Helm abzunehmen, um auch im Gesicht etwas Farbe zu bekommen.

 

Mit 17 ist der Grim Reaper noch ein großer Unbekannter, der seine Sense nur im Seniorenheim schwingt. Man glaubt noch an seine eigene Unsterblichkeit, was gut ist, denn sonst würde man gar nix erleben und ein Dasein in absoluter Monotonie verbringen. Die beklagte bereits „Ideal“ im gleichnamigen NDW Song 1982.

Eingeritten in Neudörfl gab ich Anweisungen wie man zu meinem Haus gelangte, die von V-Max-Boy präzise ausgeführt wurden. Ich atmete auf, der bahia-beige Audi meiner Eltern war nirgends zu erblicken. Jetzt galt es meinen Retter so schnell wie möglich los zu werden, denn ich wollte auf keinen Fall riskieren, dass mich Linde oder Tankred von einem Motorrad absteigend erwischen. Ich bedankte mich mit einem Abschiedskuss, meiner Telefonnummer und tschüss… Meine Eltern trafen 15 Minuten später ein und waren um nichts weiser.

Das 95. Kapitel folgt am 5. April 2021!

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay + Privat

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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