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30 Mrz

Hotel Hautzenbichl 93

Exotische, bizarre Geschichten passieren nicht nur auf „dark desert highways“ – so weit muss man gar nicht fahren, es reicht schon in Knittelfeld, einer Stadt die nicht mal Gott gefällt, aufzuwachsen.

93. Kapitel

Wie jedes Jahr veranstaltete die Modeschule eine Modeschau im Stadttheater Wiener Neustadt – ein barocker Bau, prominent in der Fußgängerzone gelegen. Etliche Vorbereitungen mussten getroffen werden um unsere Ergüsse aus dem vergangenen Schuljahr zu präsentieren. In diesem Jahr hatten wir Ballkleider genäht, die sollten das krönende Abschluss-Defilee bilden. Zuvor mussten wir jedoch noch ins Studio des Haus- und Hoffotografen der Schule um für das Wiener Neustädter Stadtblatt – ein Derivat der Neustädter Kasperlpost – abgebildet zu werden. Die Fotos gestalteten sich jedes Mal schauerlich und der Druck war die reine Katastrophe.

In diesem Jahr organisierte Goldie zu diesem Anlass, sie war der Aerobic Welle hoffnungslos verfallen, einen Tanz-Hops-Auftritt in unseren in „Serie“ (also industriell) gefertigten Sportklamotten. Wir sprechen hier von Jogginghosen und Shorts in neonpink, Tops in knallorange und den allseits beliebten Netzleiberln in giftgrün. Ein spektakuläres Debakel für die Retina.

Stundenlang übte Goldie die Choreographie mit noch fünf anderen, darunter auch ich. Womit sie nicht gerechnet hatte war mein Unvermögen, die Musik in Bewegung umzusetzen und mein kolossales Versagen, mir die Schrittfolgen zu merken. Sie war nicht glücklich mit mir. Es existiert noch ein Foto – ich wurde von ihr in die hinterste Reihe verbannt – darauf erkennt man, dass sich alle Mithopsenden in einer Art Kniebeuge befinden, allein ich vollführe einen „hampelmann-artigen“ Luftsprung. Trotz dessen ernteten wir großen Applaus für unseren Auftritt, wohl mehr aus Mitleid als aus Bewunderung.

Danach wurden die Abendkleider präsentiert. Man muss hier gerechterweise von Roben sprechen. Meter über Meter Stoff fraßen diese teilweise barocken Auswüchse. Kilometer von Nähseide flossen in die Verarbeitung. An Maschen, Rüschen, Volants, Raffungen (immer unvorteilhaft), Stickereien und Applikationen wurde nicht gegeizt und so entstanden provinzielle Meisterwerke der Schneiderkunst.

Ich hatte ein hautenges schwarzes Satinkleid (ohne Elasthan, das gab es noch nicht flächendeckend) mit Corsage entworfen, der Ausschnitt lief bis zum Nabel und musste daher mit drei kleinen Quer-Spangen fixiert werden. Ab den Knien wurde es sehr weit und glockig. Darunter befanden sich zartrosa Tüllkreise, die alles bauschig abstehen ließen. Vom Knie rankte sich eine zartrosa Masche von astronomischen Ausmaßen zur Hüfte und unter die Knie – so schräg irgendwie.

Kaum bewegte ich mich, rissen sich die Tüllkreise los und ich war damit beschäftigt sie wieder einzusammeln und mit Sicherheitsnadeln zu befestigen. Am Militärakademie Ball des folgenden Winters sollte mein damals lieber – leider mittlerweile viel zu jung verstorbener Freund Christian – mit dieser Tätigkeit beschäftigt sein. Die Modeschau endete mit einem fulminanten Defilee aller Schülerinnen unter tobendem Applaus der Eltern, die uns mit Stolz geschwellter Brust zujubelten.

Das 94. Kapitel folgt am 2. April 2021!

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay + Privat

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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