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27 Mai

Hotel Hautzenbichl 9

Exotische, bizarre Geschichten passieren nicht nur auf „dark desert highways“ – so weit muss man gar nicht fahren, es reicht schon in Knittelfeld, einer Stadt die nicht mal Gott gefällt, aufzuwachsen.

Neuntes Kapitel

Aber was hatte sich in Hautzenbichl, Knittelfeld zugetragen, während meine Alten ihrem Jet-Set Leben in Germany und Egypt nachgingen? So einiges – und es war nicht überaus erfreulich. Wie schon erwähnt, betrieb mein Großvater väterlicherseits eine Rechtsanwaltskanzlei. Meine Oma, die rothaarige Josephine verstarb schon 1964 an Blinddarmdurchbruch, der Hausarzt hatte ihn nicht erkannt. Der Killer der legendären Josefine wurde nichtsdestotrotz weiterhin von unserer Familie konsultiert. Ein fataler Fehler, der mich im zarten Alter von fünf Jahren ebenfalls beinah das Leben gekostet hätte. Aber dazu in einem der folgenden Kapitel.

Die Schwester meines Vaters, Ansalde Braxedis Priska, ebenfalls rothaarig und von atemberaubendem Charme, dem kein Typ widerstehen konnte, hatte die administrativen Belange der Kanzlei übernommen. Dazu gehörte es auch, die Kirchensteuer für die Bezirke Bruck/Mur, Leoben, Knittelfeld und Judenburg zu verwalten und in weiterer Folge an den Fiskus abzuführen.

Sie ehelichte einige Jahre zuvor einen jungen Mann, nennen wir ihn Schlapp, der auch seine Mutter, ebenfalls eine Witwe oder was auch immer, mit in die Ehe brachte. Ansalde und Schlapp fanden durchaus Gefallen an einem opulenten Lebensstil, nur die Finanzierung dessen gestaltete sich nicht ganz unkompliziert. Kreativität war hier verlangt.

Ansalde Braxedis Priska

Und so kamen sie auf die glorreiche Idee, die Kirchensteuer aus den vier oben erwähnten Bezirken nicht ans Finanzamt weiter zu leiten, sondern einfach selbst zu behalten. Für jeden klar denkenden Menschen ein Delikt mit Ablaufdatum – man konnte absehen, dass dieses Straftat über kurz oder lang auffliegen würde. Die beiden anscheinend nicht.

In der Zwischenzeit machte sich Ansaldes Schwiegermutter, also Schlapps Mutter, an Ansaldes Vater – meinen Opa – ran. Erfolgreich. Der alte Trottel – gut zu seiner Verteidigung muss man sagen, dass er zu diesem Zeitpunkt schon schwer an der Flasche hing – heiratete die Schwiegermutter seiner Tochter. Diese Tat hat durchaus Medici-esque Züge.

Ansalde und Schlapp fuhren mehrere Cadillacs, Ausflüge zum Shoppen nach Graz oder Wien waren keine Seltenheit (Knittelfeld galt damals so wie heute noch nicht als Modemetropole), man lebte kosmopolitisch in großem Stil.

So besuchten die beiden auch meine Eltern, damals noch in Cairo lebend, Ansalde reiste mit 20 vollkommen neuen Ensembles (meine Mutter hatte sie durchgezählt) an – vom Hut über die Handschuhe, Tasche bis zu den Pumps. Alle aus Polyester – damals der letzte Schrei – auf Grund der Hitze konnte sie natürlich kein einziges tragen.

Und so geschah einer der größten Gesellschaftsskandale, den Knittelfeld jemals gesehen hatte. Man sprach noch gute 25 Jahre später davon. Die Finanz deckte die Steuerhinterziehung auf (eh kloar), die Kanzlei meines Großvaters wurde zwangsversteigert und Ansalde wanderte für einen nicht unbeträchtlichen Zeitraum in die Strafvollzugsanstalt für weibliche Häftlinge nach Schwarzau am Steinfeld im lauschigen Niederösterreich. Ihr Sohn, mein Cousin, den ich bis zum heutigen Tage nur einmal gesehen habe, landete im staatlichen Pflegesystem.

Das zehnte Kapitel folgt am 30. Mai 2020!

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay + Privat

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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