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19 Feb

Hotel Hautzenbichl 80

Exotische, bizarre Geschichten passieren nicht nur auf „dark desert highways“ – so weit muss man gar nicht fahren, es reicht schon in Knittelfeld, einer Stadt die nicht mal Gott gefällt, aufzuwachsen.

80. Kapitel

Nach wie vor hielt ich Kontakt zu meinen ehemaligen Leidensgefährten aus dem Internat. Seit wir nicht mehr in einem Zimmer zusammengepfercht leben mussten, hatte sich meine Freundschaft mit Ingi intensiviert. Das Ende des Sommersemesters war absehbar und an einem wunderschönen warmen Junitag, beschlossen wir uns eine kleine Erholung zu gönnen, die Schule zu vergessen und einen Ausflug nach Wien zu unternehmen.

Ich wählte für diesen Trip ein gewagtes, relativ transparentes ärmelloses Kleid, das ich selbst genäht hatte. Der Schnitt glich ein wenig einem Etuikleid, doch ließ ich Saum und sämtliche Nähte unversäubert fransig. Der Look sollte viele Jahre später in Serie gehen. Ich war einfach nur faul und fand es verlieh dem Ding einen hippie-esquen Ibiza-Chic. Als Gürtel schnitt ich einen breiten Streifen aus einem Kartoffelsack zu, den ich mit Lederbändern um die Taille schlang. Es ergab eine fetzig-lässige Optik.

So bestiegen Ingi und ich den Bummelzug nach Wien – schon der Erwerb der Hin- und Rückfahrkarten beanspruchte unser gesamtes Budget für diesen Tag. Der Zug war über eine Stunde unterwegs und hielt in jedem Kuhdorf. Endlich am Südbahnhof angekommen kämpften wir uns in den ersten Bezirk durch. So nun mussten wir mal Kohle aufstellen, um den Rest des Tages zu finanzieren.

Das ging so: Wir fragten ältere Herren – sie konnten kaum den Blick von meinem transparenten Kleid abwenden (hab ich erwähnt das ich aus Ermangelung an Brüsten niemals in meinem Leben einen BH trug?), ob sie uns doch ein paar Schillinge geben könnten, da wir unsere Eltern anrufen müssten, wegen irgendeines Notfalles oder weil wir unser Portemonnaie verloren hätten oder ähnlichen Schwachsinn.

Das lief sehr gut, manche waren unglaublich spendabel und gaben sogar fünf, zehn, einer sogar 20 Schilling. Das Geschäft florierte und schon knapp zwei Stunden später hatten wir etwa 120 Schilling erbettelt. Damals war die Konkurrenz in diesem Segment noch überschaubar und wir waren blutjung und sahen süß aus. Nun begann der unterhaltsame Teil des Tages.

Wir begannen damit die Rotenturm Straße ausfindig zu machen, dort sollte sich ein Cafè namens Daniel Moser befinden, dass uns von den älteren Burschen in Wiener Neustadt wärmstens ans Herz gelegt wurde. Es war wirklich nicht schwierig zu finden und wir tranken Kaffee, aber vor allem checkten wir die Leute im und vor dem Lokal ab. Das mach ich übrigens jetzt immer noch – dieses Kuriositätenkabinett wird niemals fad – die sollten dafür einen Entertainment-Beitrag verrechnen, das würde ich als durchaus fair empfinden.

Weitere Aktivitäten beinhalteten Eis zu essen und kleine Souvenirs zu erstehen – als Andenken an diesen fantastischen Tag in der Bundeshauptstadt. Wir kauften uns Tickets um den Turm des Stephansdoms zu besteigen und folge dessen den Ausblick von oben genießen zu können. Damals existierten „Rooftop-Bars“ noch nicht. Ich hatte die 343 Stufen unterschätzt – die Katholiken lassen dich immer leiden, das macht die irgendwie scharf – die zum Turm führen. Ich war komplett geplättet als ich oben ankam. Die Aussicht jedoch erwies sich als atemberaubend. Wir checkten uns noch am Donnerbrunnen ein, um die Popper und Mods auf ihren Vespas zu beobachten und nahmen einen Drink in der Reiss Bar. Man konnte damals schon draußen sitzen, keiner fragte nach unserem Alter, das war einfach nicht üblich und so vertschecherten wir unser restliches Schmattes.

Zurück zum Südbahnhof und wieder nach Neustadt bummeln. Ingi musste um 18h wieder im Internat sein. Ich nahm mir die nächsten drei Tage ebenfalls schulfrei und verbrachte sie im Akademie Bad, es versprach ein heißer Sommer zu werden. Meine Entschuldigungen für die Schule konnte ich mir ja selbst ausstellen. Am Ende des Schuljahres hatte sich dann doch eine beträchtliche Anzahl an Fehlstunden angesammelt. Da meine Erziehungsberechtigten sich lediglich für die Noten interessierten, kamen sie gar nie auf die Idee sich den Rest des von der Republik Österreich im Doppeladler-Design gefertigten Papierfetzens genauer anzuschauen.

Das 81. Kapitel folgt am 22. Februar 2021!

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay + Privat

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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