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16 Feb

Hotel Hautzenbichl 79

Exotische, bizarre Geschichten passieren nicht nur auf „dark desert highways“ – so weit muss man gar nicht fahren, es reicht schon in Knittelfeld, einer Stadt die nicht mal Gott gefällt, aufzuwachsen.

79. Kapitel

Ab diesem Zeitpunkt verbrachte ich die Wochenenden auch immer häufiger in Wiener Neustadt. Klar, da fanden die Parties statt und man konnte ungestört die eine oder andere Discothek aufsuchen. Meine Freiheit gestaltete sich grenzenlos. Ich war noch nicht Mal 16, lebte eigentlich allein und konnte tun und lassen was ich wollte. Die Einschränkungen am Wochenende im Hotel Hautzenbichl erschienen mir übertrieben. Was durchaus zu dem einen oder anderen Konflikt mit den Erziehungsberechtigten führte, was meist in epochalen Dramen endete. War mir aber wurscht, denn Sonntag Abend genoss ich die Freiheit wieder.

„Schul stageln“, ein niederösterreichischer Ausdruck für „Schule schwänzen“, den ich erst in Wiener Neustadt kennenlernte, legte ich in die Sommermonate, da ich doch den stressigen Werkunterricht zu bewältigen hatte. Hätte ich zu viel gestaglt wäre ich beispielsweise niemals mit dem „Wollstoffkleid mit besonderer Ärmellösung“ (das von mir entworfene Modell, gab selbst Pony ein paar Rätsel auf, es war derartig kompliziert) oder dem „Sulmtaler Dirndl“ fertig geworden.

Eines Tages, das Sommersemester neigte sich seinem Ende zu, es schüttete wie aus Schaffeln, stand ich wieder kurz vor der Bushaltestelle und hob mein Däumchen um interessierten PKW Lenkern die Gelegenheit zu ermöglichen, mich nach Neudörfl zu chauffieren. Das Schöne war, dass die Kreuzung, wo ich sie halten ließ nur etwa 40 Meter von Wohnhausanlage der lustigen Witwe entfernt lag.

Tatsächlich hält ein uralter Lada (aber nicht der coole Taiga, sondern ein limousinen-ähnliches Gefährt), der Fahrer kurbelt das Beifahrerfenster runter und mir stockt der Atem bei seinem Anblick. Riesig, enorm fett, kaum Haare und die paar verbliebenen durchaus „greasy“, kaum Zähne – kurz: optisch eher zum Fürchten. Auf die Frage wohin ich will, überlege ich – der Regen hatte mittlerweile sintflutartige Dimensionen angenommen – und antworte: zur Kreuzung in Neudörfl bitte (ich glaube es gab dort nur eine).

Ich stieg ein – und: er entpuppte sich als Plaudertasche und einer der liebenswürdigsten Autofahrer, die mich jemals mitgenommen hatten. In diesem Zusammenhang schilderte er eine Begebenheit aus der Vorwoche. Da hielt er ebenfalls für eine Autostopperin an, die ihm bei seinem Anblick entgegenschrie: Mit Ihnen fahr ich auf keinen Fall mit und ihm die Autotür ins Gesicht knallte. Ich verschwieg, dass auch mir dieser Gedanke kurzzeitig gekommen war.

Ein anderer Autofahrer hingegen – ich stoppte in die Gegenrichtung, also von Neudörfl nach Wiener Neustadt – er fuhr einen todschicken BMW hielt mir die ganze Fahrt über einen Vortrag, dass er Autostopper für Schmarotzer halte und rechnete mir vor, wie viele Tropfen Sprit seine fette Karre nun mehr verbraucht hatte, da sie nun auch meine Last ziehen musste – und lauter solchen Schwachsinn. Als ich ausgestiegen war, stellte ich ihm die Frage: „Wenn Sie Autostopperinnen so scheiße finden, warum nehmen Sie sie dann eigentlich mit?“ Ich wartete seine Antwort gar nicht mehr ab – sie interessierte mich ohnehin nicht – knallte die Tür hinter mir zu und wackelte in meinen High Heels zu meiner Verabredung.

Das 80. Kapitel folgt am 19. Februar 2021!

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay + Privat

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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