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13 Feb

Hotel Hautzenbichl 78

Exotische, bizarre Geschichten passieren nicht nur auf „dark desert highways“ – so weit muss man gar nicht fahren, es reicht schon in Knittelfeld, einer Stadt die nicht mal Gott gefällt, aufzuwachsen.

78. Kapitel

Meine Mutter hatte eine Annonce in der Wiener Neustädter Kasperlpost oder sonst wo aufgegeben. Daraufhin meldete sich eine lustige Zahnarzt Witwe, die ein Zimmer zu vermieten hatte. Das Etablissement befand sich in Neudörfl einer berüchtigten Heurigen Metropole vier Kilometer in Richtung Osten von Wiener Neustadt entfernt. Ein Bus der Wiener Neustädter Stadtwerke sollte mich täglich hin und zurück transportieren. Gefühlt fuhr er etwa drei Mal täglich diese Strecke.

So zog ich also vor den Semesterferien mit Sack und Pack aus dem Internat aus – ehrlich gesagt weinte ich der Institution keine Träne nach – und checkte mich für das neue Semester bei der lustigen Witwe ein. In der ersten Woche war die lustige Witwe, sie zählte damals schon 66 Lenze, noch in der Wohnung und „passte“ auf mich auf. Es ist zu erwähnen, dass ich mich ausgezeichnet mit ihr verstand. Sie soff gerne (Whiskey und Wein), rauchte rote Marlboro, sodass die Tür nicht zu ging und scheute keineswegs männliche Aufmerksamkeit. Ein Weib nach meinem Geschmack.

In Woche zwei teilte sie mir mit, dass sie doch die eine oder andere Nacht bei ihrem „Verehrer“ verbringen würde. Mir war das recht. Im Grunde gestaltete sich der Deal so: Sie hielt sich zu 98% bei ihren „Verehrern“ auf, die restlichen 2% verbrachte sie damit den Kühlschrank mit Speis und Trank zu befüllen und ab und an mal ein wenig zu wischen und zu saugen (aber nur ein wenig). Mittwochs um 18h, wenn meine Mutter anrief, lauerten wir beide vor dem Festnetz Anschluss, gaben artig Auskunft und gingen dann wieder unserer Wege. Ein optimales Arrangement, das bis zum Ende meiner Schulzeit hielt.

Die Sache mit dem Bus hingegen nervte mich maßlos. Morgens kam er zwar unpünktlich, aber er kam. Irgendwo in der Nähe des Bahnhofs stieg ich aus und zappelte das letzte Stück zur Schule. Nach dem Unterricht checkte ich mich mit Goldie im Cafè Witetschka ein (ich konnte ja tun und lassen was ich wollte, waren sämtliche Aufseher doch von der Bildfläche verschwunden) und ging danach anschließend über den Hauptplatz zur Bushaltestelle in die Ungar Gasse, um dort ewig auf den Bus zu warten und mir den Arsch abzufrieren.

Eine Lösung tat sich auf: Autostoppen. Jahre zuvor drohte mir die Linde – ich hörte es förmlich in meinem inneren Ohr: „Wenn ich dich jemals beim Stoppen erwische, dann wirst du mich kennen lernen, ich werd dich windelweich hauen.“ Gut – ein gewisses Risiko – dachte ich mir, aber sie wird’s nie erfahren. … und so war es auch. Bis gerade eben jetzt, sollte sie diese Zeilen jemals lesen. Zu diesem Zeitpunkt gewöhnte ich mir ab, Aktenzeichen XY anzusehen – ich wollte mich nicht mit zerstückelten Mädchenleichen, die im Pappelhain neben dem Straßenrand verstreut herumlagen – auseinander setzen. Die lustige Witwe hatte übrigens Farbfernsehen, was ich sehr begrüßte.

Das 79. Kapitel folgt am 16. Februar 2021!

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay + Privat

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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