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11 Jan

Hotel Hautzenbichl 67

Exotische, bizarre Geschichten passieren nicht nur auf „dark desert highways“ – so weit muss man gar nicht fahren, es reicht schon in Knittelfeld, einer Stadt die nicht mal Gott gefällt, aufzuwachsen.

67. Kapitel

Irgendwann in diesem Schuljahr fand in der Wiener Stadthalle ein Konzert der legendären Rockband „Queen“ statt. Freddie Mercury erfreute sich noch bester Pumperlgesundheit und ein Besuch dieses Events wurde vom Internat aus organisiert. Ich vermute, dass die meisten mit der Bahn nach Wien fuhren. Ich sicherte mir jedoch einen Sitzplatz im silbernen Mitsubishi Galant eines mehrfachen Repetenten der HTL (deswegen war er schon im Besitz des rosa Lappens), der aus Hartberg stammte. Er war mit einer zweiten Knittelfelderin, die ebenfalls im Internat untergebracht war und ins Sportgymnasium ging, liiert. Ich hatte nur wenige Berührungspunkte mit ihr, da ihr Glam-Faktor gleich Null war und sie sich ausschließlich für Sport interessierte – den ich aus tiefster Überzeugung verabscheute – ich halte es hier eher mit Churchill. Allein ihr Hair-do ließ mich täglich erschauern.

Wir pferchten uns zu fünf in das edle Gefährt, bewaffnet mit einem Doppler Weißwein, einem Doppler Rotwein und einer Flasche Wodka. Einer der härtesten Alkoholiker der Aufbewahrungsstätte war natürlich auch dabei, er stammte vom Semmering, pflegte in der Zwischenzeit eine Beziehung mit „Rich Kid“ Tella – eine etwas komplizierte und Drama verbreitende Liaison – und konnte Unmengen Alk in sich hinein schütten. In Wien bei der Stadthalle angekommen hatten wir sämtliche Gebinde geleert. Der Chauffeur trank nicht – so clever waren wir zumindest.

Ich hatte durchaus ambitioniert bei der Vernichtung des vorhandenen Fusel mit partizipiert und befand mich in einem euphorisch aggressiven Zustand. Das äußerte sich in einem kleinen Scharmützel mit einem Punk-Mädel, bei dem es wohl um eine halbe Kippe ging, die irgendwo am Boden lag. Hier waren auch Handgreiflichkeiten involviert, die von einem Stadthallen-Security-Typen aufgelöst werden mussten.

Etwas später verspürte ich einen enormen Drang mich zu übergeben und suchte die Toiletten auf. Auch andere Besucherinnen des Konzertes hegten diesen Gedanken. Leider war ich gezwungen sie brutal wegzudrängen – was heftige Proteste erzeugte. In weiterer Folge riss ich die Klotür auf – warf mich auf die Knie und umarmte die Klobrille um heftig Neptun zu opfern. Aus Entertainment-Gründen ließ ich die Klotür offen stehen – auch andere sollten an meinem Leid teilhaben. Den zuvor konsumierten Rotwein, wie gesagt ein edler Tropfen aus der Doppelliterflasche, versprühte ich strategisch ausgeklügelt nicht nur in der Klomuschel, sondern auch im Rest der Kabine. „Oh Gott, ich kotze Blut“, dachte sich mein besoffenes Gehirn.

Die Klofrau vibrierte förmlich vor Entzücken. Während des anscheinend nie enden wollenden Kotzvorgangs schrie sie mich ununterbrochen völlig empathielos an, beschimpfte mich und drohte mit der diensthabenden Ärztin, die mir ihrer Meinung nach den Magen auspumpen sollte. Rohes Tier. Anstatt mir Toilettenpapier zu reichen, lamentierte sie endlos über das nun vollkommen versaute Klo herum – na und – dann musst du`s eben auskärchern, blöde Kuh.

 

Ich zog mich zurück in die Veranstaltungshalle, fühlte mich einigermaßen fit und kletterte auf den für mich vorgesehenen Klappsessel. Der Typ vor mir war recht groß – ich wollte die Vorgruppe sehen, wer immer das auch war, ich habe keinen Schimmer mehr. In diesen schwindelnden Höhen machte sich nun wieder eine gewisse Flauheit in meinem Magen breit und er entschloss sich den immer noch vorhandenen Alkohol abzustoßen. …in das Genick des Mannes, der vor mir stand. He was not amused. Okay konnte ich auch nicht ändern und begegnete seinem angepissten Gekäppel mit einem kurzen „Hoit die Pappn, Oaschloch“.

Hoit die Pappn!

Ein weiterer Besuch bei meiner neuen besten Freundin, der Klofrau kündigte sich an. Die Schlange der Wartenden hatte sich leicht dezimiert, die Verbliebenen waren jedoch wenig angetan, als ich mich gezwungener Maßen wieder hemmungslos vordrängen musste. Diesmal wählte ich eine andere Kabine, fast noch blütenrein sauber und auch diese wurde in der gottesfürchtig knienden Pose von mir konsequent vollgekotzt.

Klofrau war jetzt echt „has“. Mit der Ärztin im Schlepptau wollte sie mich aus der Kabine zerren – wie auch zuvor ließ ich auf Grund des Unterhaltungswert die Tür offen stehen – was ihr aber nicht gelang. Wieder auf zittrigen Beinchen stehend brüllte ich sie an – wir waren zwischenzeitlich schon „per Du“ – „Geh weg, du blöder Trampel, ich lass mir den Magen nicht auspumpen“.

Zurück in der Halle, das Konzert begann gerade, Freddie hüpfte bereits euphorisch auf der Bühne herum und sang sich die Seele aus dem Leib, klettere ich abermals auf mein Klappstühlchen. Der Typ, den ich zuvor in das Genick gekotzt hatte, warf mir böse Blicke zu. Das hat mich noch nie beeindruckt, der ist ja auch nicht bei der Linde aufgewachsen.

Die Tragödie wiederholte sich. Wieder wurde mir schlecht, wieder spie ich dem Typen ins Genick, wieder floh ich aufs Klo um mich mit meiner Erzfeindin, der Klofrau zu treffen. Danach war ich nüchtern. Spazierte zurück in die Halle, Freddie befand sich im Warm Up und lief gerade zur Hochform auf. Musikalisch ein unvergessliches Konzert. Die beiden ErzieherInnen, die auf uns hätten aufpassen sollen, checkten natürlich absolut nix.

Das 68. Kapitel folgt am 14. Jänner 2021!

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay + Privat

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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