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13 Nov

Hotel Hautzenbichl 56

Exotische, bizarre Geschichten passieren nicht nur auf „dark desert highways“ – so weit muss man gar nicht fahren, es reicht schon in Knittelfeld, einer Stadt die nicht mal Gott gefällt, aufzuwachsen.

56. Kapitel

Zurück zum Tag der Ankunft. Es herrschte reges Treiben. Neuankömmlinge versuchten sich zu orientieren. Aufgeregte Eltern schwirrten herum. Überforderte ErzieherInnen prägten das Bild. Linde machte sich generalstabsmäßig wichtig und ich hätte mich am liebsten vor Peinlichkeit verkrochen. Nachdem die Linde mir geholfen hatte das Bett aufzuziehen und noch gute Tipps für mein künftiges Leben in der Anstalt auf Lager hatte, verabschiedeten sich meine Eltern und traten den Heimweg nach Hautzenbichl an. So – Gelegenheit sich mit meinem neuen Roommate zu unterhalten. Der Gedanke mit jemanden den ich erst vor zwei Stunden kennengelernt hatte, ein Zimmer zu teilen und die Nacht zu verbringen erschien mir äußerst bizarr.

Die Zimmergenossen wurden anscheinend alphabetisch zusammen gewürfelt, was mir einen wahren Trampel aus Spital am Semmering bescherte. Sanni maß etwa 1,95 Meter, war von wuchtbrummenhafter Statur und legte die Grazie eines Rhinozeros an den Tag. Ihr mehlig-teigiger Teint stand in direkter Diskrepanz zu den gelben Eiterpickeln, die ihr dünnlippiges Antlitz zierten. Bei jeder ihrer Bewegungen verströmte sie ein undefinierbares, jedoch verstörendes Odeur. Gut – dachte ich mir – mit der muss ich auf unbestimmte Zeit jetzt mal dealen – sei es wie es sei. Ich bin jetzt lieb.

Die Gute war von sehr träger Disposition. Für alles zu faul – schlief die meiste Zeit – und konnte sich für absolut gar nichts begeistern. Abgesehen davon entpuppte sie sich als Hard-Core-Messie. Schon nach der ersten Woche hatte sie unser Zimmer in einen absoluten Saustall verwandelt. Ich war nicht mehr lieb und machte sie auf den Gestank, der anscheinend auf verrottende Essensreste zurück zu führen war, die sie irgendwo lagerte, aufmerksam. Ich ekelte mich. Essen war eine ihrer Haupttätigkeiten. In Woche drei stellte ich die Kommunikation mit ihr vollständig ein. Glücklicherweise blieb sie mir nur bis zum Ende des Semesters erhalten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie schulisch ausschließlich „nicht genügend“ eingefahren, sodass ein weiterer Besuch der „Knödelakademie“ (HBLA Wr. Neustadt) nicht mehr möglich war.

Beim Abendessen im Speisesaal – so muss es auch in Stuttgart-Stammheim ausgesehen haben – hielten uns die ErzieherInnen einen Vortrag die Regeln des Internats betreffend. Oidaaa – das waren viel. Nachtruhe, Studierstunden, Ausgangsbeschränkungen, Essenszeiten, allerlei Verhaltensmaßregeln und was weiß ich noch alles. Ich merkte mir nur, dass man erst ab 16 Jahren ins Raucherkammerl durfte. Ich war aber erst 14 – das stellte ein Problem dar.

An diesem ersten Abend lernte ich die Marion kennen, sie war bereits das zweite Jahr in der Anstalt, kannte dort schon alle Tricks und stammte aus Wiener Neustadt, offenbar aus zerrütteten, problematischen Familienverhältnissen. Hübsch und rattenscharf, zählte sie schon 16 Lenze, war eine Punk-Rock Prinzessin und galt als „Problemzögling“. Genau die richtige Person, die mich bei meinen künftigen Plänen unterstützen würde.

Dazu zählte es weiterhin zu rauchen und zu saufen, die lästige Jungfräulichkeit los zu werden und eventuell auch ein paar Drogen auszuprobieren. Dafür eignete sich die Gegend um Wiener Neustadt mit der Nähe zu Neunkirchen, Wien und Wiesen im Burgenland fantastisch. Die Aufgabenstellung beinhaltete dies alles durchzuziehen, ohne in der Schule zu versagen. Ziemlich tricky. Irgendwie musste ich das hinkriegen, da ich weder vorhatte, jemals permanent nach Hautzenbichl, Knittelfeld zurückzukehren, noch länger als nötig in die Schule zu gehen. Nach der Matura wartete nämlich das Leben der Unabhängigkeit und Selbstbestimmung, ohne die Kontrolle, die Eltern, Lehrer, Erzieher und andere Schwindlige gern ausüben, auf mich. Man merkt, ich hatte einen Plan.

Das 57. Kapitel folgt am 16. November!

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay + Privat

Elvira Trevira
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Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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