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26 Okt

Hotel Hautzenbichl 51

Exotische, bizarre Geschichten passieren nicht nur auf „dark desert highways“ – so weit muss man gar nicht fahren, es reicht schon in Knittelfeld, einer Stadt die nicht mal Gott gefällt, aufzuwachsen.

51. Kapitel

Nach dem Stunt in der DDR nahm mein Leben seinen Lauf, geprägt durch die im BG & BRG Knittelfeld praktizierenden Sadisten. Sprich Hallunko und die anderen Schergen des Systems. Mein Alltag definierte sich durch Schulunterricht und nachmittägliche Vorbereitung auf diverse Schularbeiten, Tests, Diktate, Gedächtnisübungen und was den Folterknechten sonst noch so alles einfiel. Mein Leben erschien mir maßlos öde. Abgesehen davon war es der Linde enorm wichtig, dass ich „gut in der Schule“ bin. Ein „Befriedigend“ führte schon zu einem mittleren Drama. Es gab viele Dramen und epochale Katastrophen, sprich auch „Nicht genügend“.

Ich wollte was ändern. Eine neue Frisur könnte mir doch einen Hauch mehr Lebensfreude bereiten, dachte ich. In einem von Jackys Modeheften entdeckte ich eine interessante Frisur. Ähnlich der von Leif Garrett (Teenie Schwarm, der häufig in der Bravo abgebildet war) nur kürzer und lockiger. Man muss in diesem Zusammenhang erwähnen, dass ich schnürlgerades, mitteleuropäisches Feinhaar in blond mein Eigen nennen darf. In dieser Hinsicht, war ich von Anfang an gefickt.

Die Linde vereinbarte einen Termin beim Friseur ihres Vertrauens. Nennen wir ihn Struppi. Er war von sich und seiner Friseurkunst vollkommen überzeugt. Sozusagen der Local Hero des Hairstyles in Knittelfeld. Es gab noch zwei oder drei andere Frisierstuben, die Konkurrenz war überschaubar. Er bediente definitiv das Knittelfelder Jet Set. Am Wochenende konnte man ihn in einem hautengen trikotartigen silber-metallic Einteiler (er zählte doch schon einige Lenze und ein Speckgürtel zierte die Mitte seiner untergroßen Statur) zu Discoklängen hüpfend im „Cockpit“, der einzig ernstzunehmenden Discothek der Gegend antreffen. Das Cockpit erlangte seinen über Knittelfeld hinausreichenden Ruf auf Grund von Stippvisiten diverser Formel 1 Fahrer während des 4-tägigen Rennzirkus.

VOGUE

So nahm Struppi die Challenge aus der Vogue, die ich ihm vor den Latz knallte an und machte sich über mein Cotton-Candy-Haar her. Er entschied, eine Dauerwelle würde mir Locken und den richtigen Halt bescheren. Und davor natürlich ein rasanter Schnitt. Ich hätte mich niemals auf dieses Vorhaben einlassen sollen. Struppi verpasste mir eine Perm, offenbar war sie nicht korrekt dosiert, da danach etwa 50% meines Hinterkopfes nur noch aus Haarstoppeln bestand. Der Rest meiner Haare hatte sich offensichtlich dazu entschlossen einfach abzubrechen. Die Front zierten kleine Löckchen – es muss sich wohl um die legendäre Minipli gehandelt haben – denen eines Schäfchens nicht unähnlich, mein tränenüberströmtes Antlitz. Das erste Mal in meinem Leben verspürte ich den Drang jemanden zu töten. Langsam und qualvoll. Struppi war ob meiner Reaktion schwer verstört. Meine Frisur sah nicht mal annähernd so wie sie in der Vogue abgebildet war aus.

In der Gruft angekommen, erlitt die Linde bei meinem Anblick massive Schnappatmung. Ich machte mir schon ein wenig Sorgen. Noch im vollen Zornesmodus griff sie zum Telefon, bewegte vier Mal die Wählscheibe (es gab damals nur 4-stellige Nummern) und beorderte Struppi an den Apparat. Was danach geschah war unschön und ich entwickelte fast ein wenig Mitleid mit Struppi. Aber nur fast. Danach musste sich Linde für eine der zwei anderen Frisierstuben entscheiden. Sie arbeitete allerdings intensiv daran, innerhalb des weiblichen Knittelfelder Jet Sets, Struppis Ruf für immer zu diffamieren. Das gelang nachhaltig gut.

Das 52. Kapitel folgt am 29. Oktober!

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay + Privat

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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