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23 Okt

Hotel Hautzenbichl 50

Exotische, bizarre Geschichten passieren nicht nur auf „dark desert highways“ – so weit muss man gar nicht fahren, es reicht schon in Knittelfeld, einer Stadt die nicht mal Gott gefällt, aufzuwachsen.

50. Kapitel

Erst mal checkten wir uns in einem von mindestens sechs rechteckigen hohen Plattenbau-Quadern ein, es waren alle samt Hotels, die auf einem riesigen betonierten Platz standen. Sonst war da weit und breit rein gar nix. Jeder Quader bot Platz für 900 Hotelgäste. Das Restaurant – und es gab wirklich keine andere Möglichkeit der Nahrungsaufnahme, herkömmliche Lokale waren nicht auffindbar, oder sie existierten einfach nicht – fasste etwa 90 Personen. Gegen Abend verspürten die 900 Hotelgäste ungefähr zur selben Zeit Hunger und dachten sich: „Ach jetzt gehen wir doch mal ins hauseigene Restaurant und schlemmen deftig.“ Als wir vor dem Lokal eintrafen, warteten 810 Hungrige auf Einlass. Ich rechnete mir aus, dass selbst wenn sie alle schnell essen, würden wir in ungefähr 72 Stunden unsere Vorspeisen bestellen.

Hier jedoch kommen die Dollars aus Lindes BHs ins Spiel. In gewohnt steirisch unbekümmerter Art drängte sie sich an den restlichen Wartenden vorbei – they were not amused, was sie in gewohnt steirischer Manier vollkommen ignorierte – und drückte dem Maître d’hôtel ein paar George Washingtons in die Hand. Minuten später saßen wir an einem Tisch beim Fenster mit Aussicht auf die Betonwüste.

Ich war erleichtert, denn der Tankred neigt dazu eine äußerst grumpy Disposition zu entwickeln, wenn er nicht regelmäßig gefüttert wird. Nächste Hürde: Bestellung aufgeben. Wir bekamen eine Speisekarte, in die auf Grund massiver Unterzuckerung zitternden Händchen gedrückt, die an Umfang der „Heiligen Schrift“ (1. und 2. Testament) glich. Tolle, umfangreiche Auswahl, dachte ich mir. Leider gab es nur zwei Gerichte aus diesem epochalem Werk – alles andere auf der Karte diente als Lesestoff und zum Entertainment. Ich entschied mich für Pommes – wie immer – die gabs leider auch nicht, ich musste mit Salzkartoffeln vorlieb nehmen. Tankred bekam einen gräulich-grünlichen Fleischbrocken (einem Sauerbraten aus Nordrhein-Westfalen nicht unähnlich) serviert mit einer undefinierbaren Beilage, er war nicht begeistert und seine Laune besserte sich um keinen Deut. Mutter nahm die ihr kredenzte „Koschpl = steirisch für in Trögen aufbewahrtes Schweinefutter“ kommentarlos hin. Wobei sie eine fantastische Köchin ist. Der Tankred war und ist übrigens zaundürr, obwohl er frisst wie ein Drescher.

Die "Heilige Schrift" als Speisekarte

Man kann vermerken, der erste Abend in Dresden hat nicht unseren Erwartungen entsprochen. Bevor wir die Stätte kulinarischer Superlative verließen, steckte die Linde dem Volks- Maître d’hôtel noch mal ein paar der grünlichen Scheine, die in den USA im Umlauf sind zu und bläute ihm mit dem nur ihr eigenen steirischen Nachdruck (da könnte durchaus eine subtile Morddrohung inklusive Folterung dabei gewesen sein) ein, uns für das Frühstück am kommenden Morgen um 8.30h einen Tisch zu reservieren. Ich war mir allerdings nicht sicher, ob ihm das Konzept einer Reservierung geläufig war. Nach der spontanen, jedoch intensiven Unterhaltung mit Linde konnte er das einwandfrei erfassen. Ab dann klappte alles wie am Schnürchen. So funktioniert Kapitalismus.

Am nächsten Tag stand ein Besuch im „Grünen Gewölbe“ an. Alter – dieser August der Starke hatte offenbar ein Faible für fette Diamanten, Tizians, Raffaels, Da Vincis, Canalettos und was weiß ich noch alles. Fasziniert hatte mich jedoch ein Gemälde „Das Schokoladenmädchen. Und hier bemühen wir wieder mal Wikipedia: Das Wiener Schokoladenmädchen (La Belle Chocolatière de Vienne), eine Pastellmalerei auf Pergament (82,5 × 52,5 cm) von Jean- Ètienne Liotard, entstand zwischen 1743 und 1745, vielleicht Dezember 1744. Der Künstler hielt sich in dieser Zeit auf Wunsch der Kaiserin Maria Theresia in Wien auf. Hier malte er sein berühmtestes Pastellbild, das Porträt eines Stubenmädchens. Ich frage mich nur, warum dieses Bild nicht im Kunsthistorischen Museum Wien hängt?

Weiter ins Wasserschloss Moritzburg. Damals relativ verfallen und unattraktiv – wir nahmen einen kleinen Lunch neben den Volks-Mülltonnen ein. Eine eher abstoßende Erfahrung. Und dann folgte die Einladung bei Hans Georg, ein entfernter Verwandter meiner Mutter, der eigentlich aus Rostock stammte und Gymnasialdirektor war. Er reiste mit Frau und Sohn, die beide sehr lieb waren von dort nach Dresden um uns zu treffen. Zu diesem Zweck übernahm er die Wohnung eines anderen Dresdener Gymnasialdirektor, der sich zum gleichen Zeitpunkt wurscht wo aufhielt. Also nix Hotel oder so.

Mit dem Sohn, an dessen Namen ich mich leider nicht mehr erinnern kann, verstand ich mich auf Anhieb fantastisch. Wir spielten im Badezimmer miteinander, die Wohnung bestand aus einem Wohnzimmer, Schlafzimmer, Bad und Küche. Offenbar in Minimundus geplant und konstruiert. Vom Waschbecken lief ein Schlauch in die Badewanne, die anscheinend einen Abfluss, jedoch keinen Zufluss besaß. Von seiner Mama bekamen wir eine Limonade, die mich zwang alle 15 Minuten die Toilette aufzusuchen. Ansonsten wurden Eieraufstrich Brote gereicht. Die schmeckten mir.

DDR Wohnungen wurden in Minimundus entworfen

Das Highlight war der Wodka. Den tuschte sich Tankred unverschämt und literweise rein. Die ganze Reise – vor allem der kulinarische Aspekt hatten ihn in eine verzweifelte Depression gestürzt – und wie kuriert man die – ja richtig! Mit Alkohol. Er spricht heute noch davon, dass es der beste Wodka seines Lebens war. Spät nachts brachte uns Hans-Georg volltrunken in seinem Wartburg ins Hotel zurück. War aber eh wurscht, außer uns waren weit und breit keine anderen Verkehrsteilnehmer zu entdecken. Obwohl die Stadt in den frühen 60er Jahren schon so um die 500.000 Einwohner zählte. Viele Jahre später, als Hans Georg schon verstorben war, schrieb seine liebe Frau an die Linde und erzählte in einem dieser Briefe, dass Hans Georg ein begeistertes Stasi-Mitglied war. Weder sein Sohn noch seine Witwe konnten diese Begeisterung teilen.

Das 51. Kapitel folgt am 26. Oktober 2020!

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay + Privat

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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