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27 Aug

Hotel Hautzenbichl 33

Exotische, bizarre Geschichten passieren nicht nur auf „dark desert highways“ – so weit muss man gar nicht fahren, es reicht schon in Knittelfeld, einer Stadt die nicht mal Gott gefällt, aufzuwachsen.

33. Kapitel

In den Ferien hatte die Linde allerlei Tätigkeiten für mich parat. Morgens schickte sie mich zum Bäcker. Aufgabenstellung: Milch und Semmeln oder Brot herbeischaffen. Ausstaffiert mit einer alten eisernen Milchkanne (selbstverständlich persönlich von meinem Großvater angefertigt) zog ich los, trottete den Hügel entlang unseres Gartens hinauf, um dann links am Haus von der „Mörzinger“ einer weiteren alten Kanaille, die Hautzenbichl durch ihre Anwesenheit erstrahlen ließ, vorbei zu zotteln.

Sie sollte sich nur einige Jahre später am Fensterkreuz erhängen. Zu erwähnen ist dabei, dass mein Kinderzimmer einen uneingeschränkten Blick auf besagtes Fenster gewährte. Ich konnte aus der ersten Reihe beobachten, wie die Bestatter sie runter schnitten und in der grauen Blechkiste wegtrugen. Glücklicherweise hatte sie sich nach Unterrichtsschluss erhängt, sonst hätte ich das morbide Schauspiel glatt verpasst.

Aber zurück zu meinen Ferialjobs und der Bäckerei, die man übrigens viel rascher erreichte, wenn man sich durch ein Loch im Zaun auf der hinteren Seite unseres Gartens zwängte und sich sozusagen Direttissima von der Maschekseite anpirschte. Die alte Frau Veidl war sehr lieb und füllte die Milch aus einem riesigen Nirosta Kessel in die Kanne. Alles mehr oder weniger nach Augenmaß. Dann ermahnte sie mich immer die volle Milchkanne nicht zu schwenken, da der Deckel undicht sei. Ich tat natürlich genau das und zu Hause angekommen, fehlte bereits ein Viertel Liter Milch. Linde was not amused.

Im Sommer verknackte mich die Linde dazu das von den Bäumen gefallene Obst auf zu klauben und in Eimer zu sammeln. Sortenrein versteht sich von selbst. Klartext: Ich musste matschige von mörderischen Wespen übersäte Äpfel, Birnen und was weiß ich was unser Obstgarten noch so im Angebot hatte vom Boden entfernen und zur weiteren Verarbeitung vorbereiten. Ganz schlimme Fälle fanden am Komposthaufen, der etwa die Größe von Texas hat, ihr Ende. Ich hasste es!

Alternativ durfte ich Ribisel in den Farben schwarz, rot oder weiß – genau, solche gibt es nämlich auch – pflücken. Wiederrum sortenrein wurde die Ernte in kleinen Kübelchen, in denen sich ursprünglich Senf befand – nichts wurde weggeschmissen, für alles wurde eine Verwendung gefunden – eingebracht. Der Reiz dieser Tätigkeit bestand darin, dass sich in den Ribiselstauden auch Brennnesseln befanden. „Stell dich net so an, das geht wieder vorbei“, lautete der Kommentar meiner Mutter. Wie gesagt, die Obersteiermark produziert einen harten Menschenschlag. Jammern ist da nicht vorgesehen. Es erübrigt sich die Milliarden an Mini-Mücken, die bei dieser Tätigkeit um meinen Kopf schwirrten zu erwähnen.

Das 34. Kapitel folgt am 30. August 2020!

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay + Privat

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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