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24 Aug

Hotel Hautzenbichl 32

Exotische, bizarre Geschichten passieren nicht nur auf „dark desert highways“ – so weit muss man gar nicht fahren, es reicht schon in Knittelfeld, einer Stadt die nicht mal Gott gefällt, aufzuwachsen.

Für einen der folgenden Tage hatte meine Mutter Lunch im Hilton am Tharir Platz, dem größten Platz der Stadt, geplant. Auch im Hilton waren die Fensterscheiben noch dunkelblau gestrichen. Meine Mutter hatte im Roof Top Restaurant reservieren lassen. Ich bekam Pommes – die gibt’s auf der ganzen Welt und entzücken jedes Kind – alles war wunderbar. Wir beschlossen auf ein Taxi zu verzichten und ein Stück zu Fuß zu gehen. Schwerer Fehler.

Als wir uns gerade in der Mitte des Platzes befanden, konnte man plötzlich eine unterschwellige Unruhe in der Menschenmasse verspüren, die sehr schnell an Eigendynamik gewann. Es wurde gedrängt, geschoben und gerempelt. Der Tankred – alter kampferprobter Haudegen der er ist – packte meine Hand, schob die Linde vor sich her und befahl: „Hinter diese Autos, die dort drüben parken – jetzt rennen – keine Diskussionen.“

Das war der Zeitpunkt als uns die ersten Pflastersteine um die Ohren pfiffen. Ich war voll bei ihm. So kauerten wir hinter und zwischen geparkten Autos und versuchten nicht von fliegenden Steinen getroffen zu werden und in gläsernen Särgen zu landen. Minuten später traf die Polizei im vollen Kampf-Gear ein. Mit Wasserwerfern und Tränengas ausgerüstet um die rabiate Menge aufzulösen. Tränengas ist nicht leiwand.

SWAT Special Weapons & Tactics

Gefühlsmäßig hockten wir Stunden hinter diesen Autos – eines war beige, das andere ein undefinierbarer Grünton – irgendwann gab der Tankred das Zeichen zum Rückzug. Ein Taxi zu finden war natürlich illusorisch. So schlichen wir über Seitengassen zu unserem Hotel zurück. Meine Eltern kannten sich anscheinend immer noch ganz gut aus in der Stadt. Zu diesem Ereignis trug ich übrigens ein royalblaues Kleidchen mit passenden Brokatbordüren.

Als wir im Hotel „Carlton“ – so hieß der Kasten – hatte allerdings in keinster Weise mit dem „Ritz Carlton“ zu tun, eintrafen, informierte uns der Concierge über die anstehende zeitlich nicht exakt definierte Ausgangssperre. Das Volk wäre über die Erhöhung der Brotpreise ungehalten und mit weiteren massiven Ausschreitungen sei zu rechnen. Ich entschloss mich an Scharlach zu erkranken, um die Unvergesslichkeit dieser Reise zu manifestieren.

Für Scharlach war die Reiseapotheke der Linde nicht ausgerüstet. Ein Arzt musste her. Schwierig – da Ausgangssperre. Irgendwann kreuzte so ein Quacksalber auf und untersuchte mich – die Konsultation gestaltete sich jedoch mühsam, der gute Mann sprach kein Englisch. Das Arabisch meiner Eltern – grundsätzlich nicht auf besonders hohem Niveau – war schon ein wenig eingerostet. Der Scharlach wurde weiterhin mit „Aspro“ des höchst vertrauenswürdigen Bayer Konzerns aus Leverkusen bekämpft. Ich zwang meinen Vater das Buch „Das siebte Kätzchen“ vorzulesen. Im zwei Stunden Takt. Ich glaube er kann es heute noch auswendig.

Das 33. Kapitel folgt am 27. August 2020!

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay + Privat

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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