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23 Jun

Hotel Hautzenbichl 18

Exotische, bizarre Geschichten passieren nicht nur auf „dark desert highways“ – so weit muss man gar nicht fahren, es reicht schon in Knittelfeld, einer Stadt die nicht mal Gott gefällt, aufzuwachsen.

18. Kapitel

Irgendwann entschieden meine Eltern eine ausgedehnte Reise nach England und Frankreich zu unternehmen. So drei Wochen lang. Mein Großvater war leider nicht mehr in der Lage sich um mich zu kümmern, daher wurde ich aus Hautzenbichl entfernt. Nach Hönigsberg bei Mürzzuschlag zu Verwandten. Vom Regen in die Traufe. Die Schwester meiner Großmutter Vicky, lebte dort noch mit ihrem Mann, dem Fridolin. Sie hieß Sissi. Sie hatte ebenso dicke Beinchen wie die Vicky. Schon damals hoffte ich, genetisch davon verschont zu bleiben. So geschah es auch. GSD.

Ich wurde also nach Hönigsberg gekarrt. Wie auch Knittelfeld eine sterbende steirische Industriemetropole des 20. Jahrhunderts. An Tristesse meiner Heimatstadt um wirklich gar nichts nachstehend. Wir fuhren damals mit unserem fast brandneuen Mercedes 220 Diesel – heiße 60 PS bei knapp 1,5 Tonnen Gewicht verbargen sich unter der schnittigen Motorhaube – auf der alten Triester Bundesstraße in diese Ruine der einst großartigen österreichischen Stahlindustrie.

Hart wie Krupp Stahl

Die S36 Semmering Schnellstraße gab es noch nicht – sie reicht auch heute nur bis Judenburg, ab da kann man selber sehen wie man nach Kärnten oder Italien gelangt. Nach gefühlten fünf Stunden kamen wir an und ich wurde bei Tante Sissi eingecheckt. Dort gab es auch noch so einen Typen, offiziell der Neffe des Onkel Fridolin – wie ich Jahre später herausfand eines seiner unehelichen Kinder – die von Sissi aufopfernd großgezogen wurden. Deren Mütter waren dazu entweder nicht in der Lage oder einfach nur hemmungslose Schlampen.

Der Typ namens Horsti, er muss damals schon 14 oder 15 gewesen sein, war ein voller Psycho und spielen wollte er natürlich auch nicht mit mir. So langweilte ich mich in diesem Elfriede Jelinek-quen Umfeld beinah zu Tode. Aber nur zwei Tage lang, dann reichte es mir. Ich rief bei Freunden meiner Eltern an, die ebenfalls in Hönigsberg wohnten, eine Fleischerei betrieben und zwei Kids hatten. Ich war ja schon fünf und konnte bereits selbst eine Wählscheibe betätigen. Die Telefonnummer presste ich aus Tante Sissi raus.

Uschi, so alt wie ich und ihr Bruder Karli, zwei Jahre älter. Mein Ziel war es, mich für die kommenden drei Wochen dort einzuchecken um der Fadesse bei Tante Sissi zu entgehen, aber auch um mich von Psycho-Horsti zu distanzieren. Der war mir ein bissl unheimlich. Er landete später in der Klapse. Ich hatte so was schon geahnt.

"Let me entertain you"

Erstmals meldete ich mich telefonisch für einen Besuch bei Uschi an, was in einer Übernachtung endete. Tante Grete, Uschis Mutter fand es optimal, dass Uschi durch mich entertaint wurde und am nächsten Tag holte man mein Equipment aus dem Psycho Haus und ich verbrachte drei wunderbare Wochen mit Uschi. Karli interessierte sich nicht für uns. Es gab jedoch einen Typen der Reini hieß und in diesen alten Böhler&Bleckmann Siffkasernen wohnte, gutaussehend und blond, die kindliche Variante eines Bad Boys verkörpernd. Ich fand ihn ziemlich hinreißend. „The unwashed masses“ übten schon immer eine große Faszination auf mich aus – zum Leidwesen der Linde.

Nach drei Wochen kehrten meine Eltern voll entspannt von ihrem ausgedehnten Trip in Westeuropa zurück. Sogleich wurde ich von der Linde heftig gerügt, wie ich es nur wagen konnte auf eigene Faust eine neue Unterkunft zu suchen und die Uschi Familie mit meiner Anwesenheit zu belästigen. Hier schwenke ich in die gedankliche Kursiv Schrift über: „Hey, hättet ihr mich halt mitgenommen nach Frankreich und England, dann wär euch diese Peinlichkeit erspart geblieben – aber ihr wolltet mich ja los sein. Selber Schuld. Und Psycho Horst war echt unzumutbar!“ Das artikulierte ich natürlich nicht laut. Lindes Hand saß recht locker. Als Mitbringsel bekam ich „dieses Mal nur eine Kleinigkeit“. Die Ausbeute bildeten drei Haarspangerl. Blau-, orange-, und gelb-weiß-kariert – das orange hab ich immer noch – muss jetzt so 48 Jahre alt sein.

Das 19. Kapitel folgt am 26. Juni 2020!

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay + Privat!

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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