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20 Jun

Hotel Hautzenbichl 17

Exotische, bizarre Geschichten passieren nicht nur auf „dark desert highways“ – so weit muss man gar nicht fahren, es reicht schon in Knittelfeld, einer Stadt die nicht mal Gott gefällt, aufzuwachsen.

17. Kapitel

Ich erwachte in einem Zimmer, in dem auch eine ältere Frau untergebracht war. Aus ihrem Bett liefen Schläuche in zwei riesige durchsichtige Töpfe, die darunter verstaut waren. Darin befand sich eine grün-bräunliche, nicht zu identifizierende Masse. Ich war sehr irritiert. Außerdem durstig.

Ich läutete nach der Schwester und verlangte Wasser. Sie gab mir einen Teelöffel – die blöde Gans. Konnte sie nicht sehen, dass ich an der Schwelle des Todes auf Grund von Verdursten balancierte? So läutete ich alle fünf Minuten nach ihr – es war mitten in der Nacht – sie weigerte sich mir mehr Wasser zu geben. Ich drohte ihr, die Blumenvase der Schlauchfrau auszutrinken. Was mir ein weiteres Löffelchen Wasser bescherte.

Im Gegenzug drohte sie mir mit einer höher gestellten Krankenschwester – „Give it to me“ – war meine gedankliche Antwort, vor meinem inneren Auge immer in kursiv Schrift. Irgendwann schlief ich wieder ein – die Vorgesetzte kam nie – es gab sie wahrscheinlich gar nicht. Was es zu Hauf gab, waren geistliche Schwestern, denen des Kindergartens nicht unähnlich. Ich hatte wieder mal alle Hände voll zu tun diese Drachen in Schach zu halten.

Man wundert sich, wo sich meine Eltern in diesem Kapitel herumtreiben. In Spitälern gab es damals eine Stunde Besuchszeit am Vormittag und zwei Stunden am Nachmittag. Man wollte sich neben den Patienten nicht auch noch stundenlang mit deren lästigen Angehörigen abquälen. Da ich so schwer krank war, durfte ich mich auch nicht bei den anderen Kindern aufhalten, die in einem riesigen Saal eingesperrt waren. Vom Gang aus gab es eine Luke, durch die man reinschauen und sie beobachten konnte – wie in einem Aquarium. Stets musste ich mir das Zimmer mit alten Weibern teilen – das war so langweilig.

Meine Diagnose lautete: Bilddarmdurchbruch, Schlingenabszesse in der Bauchhöhle und weitere Eiterherde ohne Ende. Mir grauste ein wenig vor mir selbst bei der Vorstellung, was sich da so alles in meinem Bäuchlein abspielte. Fazit: Ein beinah dreimonatiger Aufenthalt im LKH Knittelfeld.

Täglich bekam ich Infusionen und Spritzen in den Arm. Zu dieser Zeit legte man jedoch noch keine Zugänge, an die man beliebig an- und abdocken konnte. Nein, man wurde jeden fucking Tag neu gepiekst. Was zur Folge hat, dass sämtliche meiner Venen vernarbt sind, wie bei einem Hard-Core-Junkie aus „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Die einzige Möglichkeit mein Blut plätschern zu lassen ist, mich in den Handrücken zu stechen. Auch die Erfindung der Einwegspritze hatte anscheinend noch nicht stattgefunden. Bei den Spritzen handelte sich um gläserne Monstrositäten mit Nadeln so dick wie Eisentraversen.

Das 18. Kapitel folgt am 23. Juni 2020!

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay + Privat!

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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