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Fashion Trends A/W 16/17
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Vienna Fashion Week – Favorites
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20 Okt

Hotel Hautzenbichl 148

Exotische, bizarre Geschichten passieren nicht nur auf „dark desert highways“ – so weit muss man gar nicht fahren, es reicht schon in Knittelfeld, einer Stadt die nicht mal Gott gefällt, aufzuwachsen.

Die Aufgabenstellung lautete folgendermaßen: Wollstoff Jacke mit asymmetrischen Verschluss, besonderer Kragenform und Betonung der Kanten. Wir erstellten eine Modezeichnung und sodann eine Werkzeichnung. Bei letzterer handelt es sich um eine ganz exakte Skizze, in der Abstände und Nähte millimetergenau angegeben werden. Wie ein Volltrottel ließ ich mich bei der Modezeichnung wieder zu abgefahrenen Ausgefallenheiten hinreißen, aber was sollte ich machen, ich konnte nicht anders.

Tatsächlich entwarf ich eine taillenkurze Jacke (in schwarz – was sonst), der ich einen superkomplizierten Verschluss verpasste. Dem aber noch nicht genug – oben drauf knallte ich noch eine Art Vampirkargen, der gute 15 cm hochstehen sollte – ohne mir natürlich vorher zu überlegen, wie ich das bewerkstellige. Alle Kanten sollten in sonnenblumengelb verbrämt werden. Wiedermal wollte ich mich mit der mondänen Abgebrühtheit internationaler Laufstege tarnen, jedoch erschuf ich letztendlich nur eine Ausgeburt reaktionär kleinstädtischen Designs.

Schon beim Zuschnitt des Futters passierte ein fataler Fehler. Wer sich dazu entscheidet ein Schneiderlein zu werden, sollte über ein überdimensioniert ausgeprägtes Links-Rechts-Verständnis verfügen. Das fehlt mir vollkommen. Ich trage eine Uhr am Handgelenk, sie zeigt nicht nur die Zeit an, sie signalisiert mir auch: Hier ist Links. Bei asymmetrischen Werkstücken gestaltet sich dieses Thema überaus komplex. Für Personen mit meinem Defizit kaum zu bewältigen. Selbstverständlich schnitt ich das Futter falsch zu.

In der einstündigen Mittagspause hastete ich deswegen schweißgebadet, a) wegen der Hitze und b) wegen des Stresspegels zum Zubehörgeschäft, das glücklicherweise nur 15 Gehminuten von der Schule entfernt lag und erstand einen neuen Futterstoff. In gelb, er sollte zur Kantenverbrämung passen. Vollkommen geplättet erreichte ich den Werkstätten Raum in letzter Sekunde – ich hatte aus lauter Nervosität sechs Zigarettenpausen eingelegt – und schnitt den Futterstoff erneut zu – wieder falsch. Da ich davon ausging mehrere Versuche zu benötigen und von vorausschauender Natur bin, hatte ich gleich viermal soviel Futterstoff eingekauft als eigentlich nötig. Eine sehr weise Entscheidung.

All diese missglückten Versuche mussten natürlich unter Ponys Radar stattfinden. Aber auch das gelang mir irgendwie. Schändi und Miss Seebenstein – Heroinen der Schneiderkunst – legten mir „unter der Hand“ den Schnitt richtig auf und unsere Klassensprecherin, ebenfalls zu dieser Gilde zählend, zischte mir zu: „Vergiss den Übertritt nicht“. Ich weiß nicht, ob Pony diese untergriffige Aktion mitbekam, wenn ja, dann zeigte sie Erbarmen und wurde von ihr ignoriert. Das Bestreben uns alle nach diesen fünf Jahren los zu werden, war zu diesem Zeitpunkt schon durchaus ausgeprägt.

Das 149. Kapitel folgt am 23. Oktober!

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay + Privat

Elvira Trevira
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Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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