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29 Sep

Hotel Hautzenbichl 141

Exotische, bizarre Geschichten passieren nicht nur auf „dark desert highways“ – so weit muss man gar nicht fahren, es reicht schon in Knittelfeld, einer Stadt die nicht mal Gott gefällt, aufzuwachsen.

141. Kapitel

Am folgenden Samstag machten Audi und ich uns wieder auf die Heimreise. Damals gab es die Semmering Tunnel noch nicht und man sah sich gezwungen durch Spital am Semmering zu gurken. Die Straße über den Pass, die von Niederösterreich in die Steiermark führt, war durch etliche zusätzliche Überhohlspuren geprägt. Bereits am steirischen Abschnitt angelangt, eierten wieder Unmengen von Lahmärschen vor mir herum. „Man muss das Feld von hinten aufrollen“, lautete die Devise vom Tankred. Daran hielt ich mich. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h überschritt ich um 40 km/h, das teilte mir der Postenkommandant von Spittal am Semmering mit, als er mich anhielt. Das Exekutiv-Fahrzeug hatte sich von hinten angepirscht und mich verfolgt. Das fiel mir erst auf, als sie Blaulicht und Sirene zu Hilfe nahmen um mich zu stoppen.

Scheiße Alter. Mein dürrer Körper zitterte wie Espenlaub, ich war davon überzeugt, dass der Herr Postenkommandant und sein Scherge – er hatte anscheinend auch schon den Rang eines Inspektors erlangt – meine Anrede Herr Polizist veranlasste ihn mich darauf aufmerksam zu machen – sicher meine arthritischen Knochen klappern hörten. Ich rechnete mit einer sofortigen Verhaftung, Führerscheinentzug für die nächsten 20 Jahre, eventuell mit einer standrechtlichen Hinrichtung. Geistig produzierte ich schon den Block Buster „Wie erkläre ich es den Erziehungsberechtigten“ – ein Horrorschocker Armageddon-esquen Ausmaßes. Ich entschloss mich, während ich in den Tiefen meiner Handtasche nach Führerschein und Zulassung kramte ein paar Tränen zu zerdrücken. Das half.

Postenkommandant und Inspektor warfen sich unsichere Blicke zu. „Ich bin noch nie von der Polizei angehalten worden“, schluchzte ich. „Das wundert mich eh nicht, Ihr Führerschein ist ja auch erst ein paar Wochen alt“, zischte Inspektor hämisch. Auf die Frage, wer den Tankred sei antwortete ich – „mein Papa und übrigens wurde sein Namensvetter Tancredo Neves im Jänner dieses Jahres zum brasilianischen Präsidenten gewählt“ – dieses Wissen teilte ich auch umgehend den Organen des öffentlichen Dienstes mit.

Sie konnten meiner Ablenkungstaktik nur wenig abgewinnen. Wahrscheinlich fühlten sie sich von dieser Information intellektuell überfordert. Unverdrossen wurde weiter amtsgehandelt, belehrt, präzisiert, belegt und verdeutlicht – während dessen vertrockneten meine Tränen zusehends. Nun war es an der Zeit glupschäugige Hilflosigkeit angsterfüllt zu verkörpern. Ich ließ durchblicken, dass in meinem Elternhaus ein sehr strenges Regiment herrsche und auch Prügelstrafe, Karzer sowie andere Züchtigungsmethoden ein durchaus übliches Mittel zu meiner Disziplinierung wären. Das zog.

Mit nochmaligem Hinweis dahingehend, dass ich 40 km/h über dem Speedlimit gelegen war und dabei noch eine doppelte Sperrlinie überfahren hatte entließen mich der Postenkommandant und sein Knecht der Inspektor mit einer Strafe von 20 Schilling. Ich zückte mein Portemonnaie, überreichte ihnen den Carl Ritter von Ghega – für den Erbauer der Semmering Bahn war das ja fast ein Heimspiel – bedankte mich bei meinen beiden neuen besten Freunden für die Großzügigkeit und die Milde ihrer Herzen, die sie mir selbstlos angedeihen ließen und zischte davon.

Das 142. Kapitel folgt am 2. Oktober 2021!

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay + Privat

Elvira Trevira
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Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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