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11 Sep

Hotel Hautzenbichl 135

Exotische, bizarre Geschichten passieren nicht nur auf „dark desert highways“ – so weit muss man gar nicht fahren, es reicht schon in Knittelfeld, einer Stadt die nicht mal Gott gefällt, aufzuwachsen.

135. Kapitel

So nahte der Tag der Prüfung mit riesen Schritten. Einen Tag davor fing ich ernsthaft dafür zu lernen an. Am nächsten Vormittag fand die theoretische Prüfung statt. Dazu legte man uns kopierte Zettel vor, auf denen kleine Männchen ohne Fahrzeug (Fußgänger), kleine Männchen auf Zweirädern (Fahrrad- oder Motorradfahrer) und kleine Autos ohne Männchen (Autofahrer) in lustigen Konstellationen abgebildet waren. Alle abgebildeten Verkehrsteilnehmer waren ausschließlich männlich. Gegendert wurde damals noch nicht. Das könnte aber auch am mäßigen künstlerischen Talent des Zeichners gelegen haben. Wir mussten feststellen, wer Vorrang hatte und vor allem warum.

Was ich vernachlässigbar fand. In meinem mentalen Filmstudios spielte sich dazu folgendes ab: Ich befinde mich auf einer ungeregelten Kreuzung, habe Vorrang, den ich mir nehme, bleibe dann aber stehen, um dem anderen involvierten Verkehrsteilnehmern zu erklären, warum ich Vorrang hatte. Was für ein Schwachsinn.

Glücklicherweise konnte ich alle Beispiele, speziell die Vorrang- und Kreuzungsaufgaben, bravourös lösen. Danach, zur Mittagszeit ging es zur Fahrprüfung. Ich bestieg einen der schnittigen Opel Kadetts, der Ehemann von Miss Edelweißgasse nimmt neben mir Platz. Dahinter zwängt sich der Prüfer auf die Rückbank, gefolgt von einem zweiten Fahrschüler. Was war ich nervös… und los gings. Raus aus dem Hof der Fahrschule, rechts abbiegen – blinken und schauen nicht vergessen – in die Marktgasse Richtung Bahnstraße. Ganz Knittelfeld saß zu diesem Zeitpunkt am Mittagstisch. Die Stadt war förmlich menschenleer. Eine frühe Form des Lock-Down. Ungeregelte Kreuzung – links abbiegen – geschafft. Bahnstraße entlang.

Ein Gefühl der Sicherheit und des Wagemuts überkommt mich. Ich spüre jedoch, dass ich nicht so Gas geben kann, wie ich mir das vorstelle. Der Miss Edelweiß-Ehemann hatte sich via Bremspedal bemerkbar gemacht. Weiter die Bahnstraße entlang zu einer abgeschwächten Art eines Kreisverkehrs, der eigentlich mehr einer Kreuzung glich. Den tangierte ich nur, deshalb ergab sich kein weiterer Handlungs- oder Bremsbedarf. Nun befand ich mich auf der Leobner Straße, die kerzengerade verläuft und über die Murbrücke führt.

Kein Auto weit und breit in Sicht. Beherzt überquere ich die Murbrücke, die mir ein wenig eng erscheint. Etwa 100 Meter dahinter befand sich der Gasthof Kaiserfeld, Tante Rosi herrschte dort. Ein Zaun, der einen rechten Winkel zu einem Feldweg bildete begrenzte deren Parkplatz. Der Prüfer wies mich an, knapp parallel am Zaun entlang zu fahren, etwa vier bis fünf Meter weit. Anschließend sollte ich um die Ecke rückwärts schieben und wiederum parallel zum Zaun am Feldweg das Fahrzeug zum Stehen bringen. Das war machbar.

Erledigt. „Sehr flott unterwegs die junge Dame, aber trotzdem bestanden“, verlautbarte der Prüfer. Ich tauschte Platz mit dem anderen Fahrschüler und es überkam mich ein derartiger Erschöpfungszustand, gepaart mit dem in mir noch wütenden Rest-Adrenalin, dass ich den Rest der Zeit bis wir wieder in der Fahrschule eintrafen auf einer Serotonin Wolke gallopierend nur dämlich vor mich hin grinste. Ein weiterer Meilenstein in Richtung Freiheit war bewältigt. Denn Autofahren bedeutete Freiheit, auch wenn wir es zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich beherrschten.

Das 136. Kapitel folgt am 14. September 2021!

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay + Privat

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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