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8 Sep

Hotel Hautzenbichl 134

Exotische, bizarre Geschichten passieren nicht nur auf „dark desert highways“ – so weit muss man gar nicht fahren, es reicht schon in Knittelfeld, einer Stadt die nicht mal Gott gefällt, aufzuwachsen.

134. Kapitel

Das Geld, das ich im Jahr zuvor im Konditorei/Bäckerei/Cafè Imperium bei Peter und Lotti verdient hatte, sollte nun für den in den Sommerferien zu absolvierenden Führerschein-Schnellsieder-Kurs, der für zwei Wochen anberaumt war, inklusive die 12 vorgeschriebenen Fahrstunden verwendet werden. Erstmal genoss ich eine Woche Ferien voller Entspannung, danach sollte der Kurs anfangen, zeitgleich mit dem Ferienbeginn in der Steiermark, der eine Woche nach dem in Niederösterreich erfolgte.

Montag Morgen Check-in bei der Fahrschule Gewessler vis a vis vom Pfarrkindergarten in der Marktgasse, den ich als Vorschulkind besucht hatte. In der Gruppe von etwa 15 Teenagern traf ich einige aus dem BG & BRG Knittelfeld wieder. Auch das Luder mit der türkisen Schleife im Haar, das ich bereits im Kindergarten, der Volksschule und den ersten vier Klassen Gymnasium ertragen musste. Sie hatte etwas von einer Geschlechtskrankheit an sich, die kommt auch immer wieder, wenn man nicht genau aufpasst.

Ein unfassbarer Trottel, der ursprünglich unsere Parallelklasse besuchte und den betörenden Charme eines Schlaganfallpatienten, der nicht mehr aus dem Koma erwacht verströmte, bildete ihr Pendant. Gemeinsam zelebrierten sie die Harmonie der Effekthascherei und Überheblichkeit. Meine Begeisterung, mit den beiden und ihrem ergebenen Gefolge, das stets nach ein paar Krümeln ihrer Aufmerksamkeit heischte, die kommenden beiden Wochen zu verbringen, hielt sich in Grenzen. Jegliche Unterhaltung mit ihnen verlief langsam und schmerzhaft wie rheumatische Arthritis. Speziell sein Gehirn hatte sich offenbar schon in so jungen Jahren zu einer blassen Substanz verdünnt. Dies hätte aber auch durchaus an seinem unmäßigen Alkoholkonsum liegen können. Ich beschloss, die beiden mitsamt ihrer Schar an Lakaien zu ignorieren. Das gelang mir ausgezeichnet.

Der Unterricht war mäßig spannend, wir mussten unzählige Vorfahrts-, Anhänger- und Kreuzungsregeln lernen. Natürlich gab es immer Wiederholungen, sprich der Unterricht unterschied sich nicht eklatant von dem in der Schule, allein die Materie war eine andere. Abends nach der Fahrschule, fuhr mein Vater zu Übungszwecken immer ein paar Runden auf den Taxi-Ways am Flughafen in Zeltweg im bahia-beigen Audi mit mir. Zusätzliche Fahrstunden waren in meinem Budget nämlich nicht vorgesehen.

Nachmittags fanden die regulären Fahrstunden statt. Schnittige Opel Kadetts standen als Übungsgeräte zur Verfügung. Die Fahrschule wollte uns dieses majestätisch erhebende Gefühl ein solches Fahrzeug zu lenken anscheinend nicht vorenthalten. Hab ich schon erwähnt, dass ich diese Automarke zu tiefst verachte. Allein das Hochziehen des Schalthebels um den Retourgang einzulegen, widert mich an. Ich finde, das hat was plump Sexuelles an sich. Grundsätzlich empfinde ich Fahrten mit einem Opel, wie nie enden wollenden schlechten Sex.

Die Lehrerschaft bestand aus knorrigen Steirern, deren Humor spurlos an mir abprallte, wahrscheinlich hatte ich das Nest schon zu lang verlassen um ihnen in dieser Hinsicht wirklich folgen zu können. Ich war mir sicher, es lag an mir, dass alle scheinbar vor Lachen kollabierten, während ich noch versuchte den eben vernommenen Witz zu analysieren.

 

Einer der Fahrlehrer war übrigens mit einem Nachbarskind aus der Edelweißgasse in Hautzenbichl verheiratet. Sie hatte sich ihn zwei Jahre zuvor in der Fahrschule aufgerissen. Gut gemacht – er erschien mir ohnehin der cleverste der Gilde zu sein. Meine größte Sorge war, die Prüfung nicht zu bestehen. Das wäre schlimmer gewesen, als bei der Matura durchzufallen.

Gequält durch die lähmenden Scherze der Fahrlehrer, die divenhaften Anwandlungen der türkisen Masche und ihres Pendant, einen „Rot Kreuz Kurs“, bei dem mir sämtliche Teilnehmer des Kurses für mein inneres Wohlbefinden viel zu nahe kamen, erschienen mir diese beiden Wochen wie in einem Ausbildungslager für emotionalen Terrorismus.

Das 135. Kapitel folgt am 11. September 2021!

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay + Privat

Elvira Trevira
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Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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