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26 Mai

Hotel Hautzenbichl 112

Exotische, bizarre Geschichten passieren nicht nur auf „dark desert highways“ – so weit muss man gar nicht fahren, es reicht schon in Knittelfeld, einer Stadt die nicht mal Gott gefällt, aufzuwachsen.

112. Kapitel

Für den späten Nachmittag hatte Linde eine Kutschfahrt geplant. Ich hasse Kutschfahrten, leider musste ich schon einige in meinem Leben über mich ergehen lassen. Warum soll man sich von einer oder maximal zwei unberechenbaren Pferdestärken in einem offenen Karren durch die Gegend ziehen lassen, wenn man auch in einem Cabrio mit 440 PS (beispielsweise Maserati GranCabrio) fahren kann – hat sich mir noch nie erschlossen. Ein Auto unterwirft sich meinem Willen – nah ja bevor es den Spurhalteassistenten oder andere Verrücktheiten gab – aber Rösser sind ja völlig emotionsgesteuert und vor allem so schreckhaft. Kurz gesagt lebensgefährlich.

Die Kutschen standen in einer Reihe aufgefädelt vor dem Hotel. Linde verhandelte den Preis, auf Grund des vorangegangenen Meetings mit „Dirty Arab“ war sie schon ausgezeichnet vorbereitet. Sie aktivierte ihr schon etwas eingerostetes Arabisch und schloss die Verhandlungen erfolgreich ab. Wir besteigen die Kutsche. Mich ekelte etwas vor den von Generationen an Kutschgästen durchgeschwitzten Sitzkissen. Sie verströmten auch ein etwas gewöhnungsbedürftiges Odeur. Ich wünschte mir eine lange Hose anstatt meiner knappen Hot Pants angezogen zu haben.

Der Kutscher, offensichtlich in großer Eile gibt Vollgas. Die Rösser beschleunigen von 0 auf 100 unter drei Sekunden. Ich kralle mich an die versifften Sitzkissen. Mein Blick schweift zur Linde, die sich ebenfalls in einer höchst unnatürlichen Stellung – wohl aus nackter Angst – auf der Sitzbank verkeilt ist. Der Irre am Kutschbock überholt die Kutsche vor uns, anzumerken ist, dass die Straße auch von Automobilen und Gefährten unbestimmter Konstruktion frequentiert war und überholt in einem halsbrecherischen Manöver die Kutsche vor uns. Jener Kutscher hingegen fühlt sich in seiner zweifelhaften Ehre beleidigt und versucht den Überhohlvorgang zu boykottieren.

Es ereignen sich Szenen wie aus „Ben Hur“ – das legendäre Rennen der Streitwägen flimmert vor meinem inneren Auge, glücklicherweise konnte ich mich in diesen Sekunden nicht mehr an den Ausgang erinnern. Ich neige mich etwas über den Rand der Kutsche um zu überprüfen ob Klingen an den Speichen befestigt sind um den Gegner damit außer Gefecht zu setzen. Ich kann nichts dergleichen erkennen. Als uns das eine oder andere Auto entgegenkommt, auf dessen Spur wir uns immer noch befinden, schwenkt mein Hirn zu Szenen aus „Bullit“ um, was mich nun auch nicht wirklich beruhigt.

Linde reicht es jetzt und sie schreit den Kutscher in einer Sprache die sie offensichtlich für Arabisch hält an, etwas den Speed zurück zu fahren. Anscheinend handelte es sich jedoch nicht um Arabisch, denn der Kutscher ignorierte sie beinhart. Irgendwann war der Spuk zu Ende. Linde und ich waren in 15 Minuten ungefähr 20 Jahre gealtert und zusätzlich in Schweiß gebadet. Nun hatte sich der Zustand und das Odeur der Sitzkissen von selbst erklärt. Sie verströmten den Geruch der blanken Angst.

Für den nächsten Abend war die Rückreise nach Cairo geplant. Wenn ich mich richtig erinnere, fuhren wir nachts im Schlafwagen mit dem Zug. An diesem Tag wurden wir von Reiseleiter noch durch den Bazar – man nennt ihn Khan el-Khalili – gepeitscht. Wiederum bei rund 30 Grad plus. Verschärft wirkten die enge Umgebung und die orientalischen Gerüche. Mein Magen empfand diese Umstände als schockierend und benahm sich dementsprechend. Meine Mutter frönte abermals ihrer Lieblingsbeschäftigung den Preisverhandlungen und so erstanden wir etlichen Unrat. Fashion-technisch zählt Ägypten nicht zu den führenden Nationen. Am Tag danach kehrten wir auf die Insel der Seligen zurück.

Das 113. Kapitel folgt am 29. Mai 2021!

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay + Privat

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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