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8 Mai

Hotel Hautzenbichl 106

Exotische, bizarre Geschichten passieren nicht nur auf „dark desert highways“ – so weit muss man gar nicht fahren, es reicht schon in Knittelfeld, einer Stadt die nicht mal Gott gefällt, aufzuwachsen.

106. Kapitel

Die Linde hielt noch eine Überraschung für mich bereit. Eine Reise nach Ägypten in den Semesterferien. Ich war beeindruckt, obwohl ich natürlich auch ein wenig Bedenken hatte. Mutter und ich 24/7 über eine Woche auf engem Raum wie etwa einem Hotelzimmer aufeinander losgelassen, das konnte spannend werden. Zuvor galt es jedoch noch diverse Schularbeiten und Werkstücke abzuarbeiten. Aber wie man weiß, vergeht die Zeit zwischen den Weihnachts- und den Semesterferien immer im Fluge.

Dann war es soweit. Nach einer durchzechten Nacht im P3, ab nach Schwechat und rein in den Flieger. Meine Mutter hatte natürlich eine geführte Gruppenreise gebucht, das macht sie immer. Sie hält nichts von unorganisiertem Herumhampeln wo wertvolle Zeit vergeudet werden könnte oder Erkundungen auf eigene Faust. Wir landeten in Cairo, diesmal schafften wir es ohne Leibesvisitationen durch den Zoll. Ein Sammel-Shuttle wartete bereits auf uns und die Mitreisenden. Ich hasse Mitreisende, die ich mir nicht selbst aussuche und die ich nicht kenne.

Im Handumdrehen befreundete sie uns mit einer Wiener Familie, selbstverständlich aus dem 8. Bezirk, also dort wo das Wiener Bildungsbürgertum zu Hause ist. Die Mutter, an die ich kaum mehr Erinnerungen hege, hatte Linde durch ihre überwältigende Präsenz sofort in die Unsichtbarkeit verbannt. Dann gab es noch Vater, ein drahtiger Typ mit Halbglatze, zynischer Schmäh troff ihm förmlich von den Lippen, seine angeborene Arroganz grenzte ans Unerträgliche. Die atemberaubende Krönung dieses Genpools bildete Pickelprinz. Von mittlerer Gestalt, teigiger körperlicher Disposition und von massiver Akne gepeinigt bildete er das Aushängeschild dieser Vorzeigefamilie.

Wohlerzogenheit würde ich als seine hervorstechendste Eigenschaft bezeichnen. Er besuchte die 8. Klasse einer katholischen Schule, ich glaube es handelte sich um das Piaristengymnasium, war also gleich alt wie ich. Anschließend an die Matura war ein Wirtschafts- oder Jurastudium geplant, womit einer glänzenden Zukunft nichts mehr im Wege stand. Abgesehen davon, dass ich ihn maßlos unattraktiv fand entpuppte er sich auch als totaler Langweiler. Mutter hingegen zeigte sich begeistert von Pickelprinzchen, was sie mit den Worten: „Was für ein höflicher, wohlerzogener junger Mann“, unterstrich. Bei den Typen wären wir beide uns wohl nie in die Quere gekommen, außer eventuell beim Tankred. Wobei Wohlerzogenheit auch nicht gerade zu seinen hervorstechendsten Eigenschaften gehört.

Das 107. Kapitel folgt am 11. Mai 2021!

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay + Privat

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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