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5 Mai

Hotel Hautzenbichl 105

Exotische, bizarre Geschichten passieren nicht nur auf „dark desert highways“ – so weit muss man gar nicht fahren, es reicht schon in Knittelfeld, einer Stadt die nicht mal Gott gefällt, aufzuwachsen.

105. Kapitel

In diesem Jahr schmissen meine Eltern eine ziemlich geile Silvester Party. „Open House“ hieß grundsätzlich die Devise in meinem Elternhaus. Linde bereitete ein Buffet zu, dass dem eines Kempinski oder Hyatt Konkurrenz gemacht hätte. Kulinarisch von den eben vergangenen 70er Jahren inspiriert, gab es Schrimps-Cocktails in Orangen, die an den Rändern zackenartig ausgeschnitten waren oder hartgekochte Eier, die Mützchen aus halben ausgehölten Tomaten trugen die mit kleinen Mayonnaise-Klecksen verziert wurden und somit einem Fliegenpilz glichen. Das Süßigkeiten Buffet wurde von einem „Igel“ dominiert, einer Kreuzung aus einer Malakoff-Torte und einem Tiramisu.

Im Freien, beim Stiegenaufgang steckten etwa 50 Flaschen Schlumberger im Schnee in guter Gesellschaft mehrerer Kisten Bier und selbstverständlich dem Weißwein vom Tscheppe aus der Südsteiermark, der in unserem engeren, sowie weiteren Familienkreis literweise reingeschüttet wurde. Es versprach ein rauschendes Fest zu werden. Zu Gast waren etwa 30 Leute, darunter mein Mazda Onkel – den nannte ich so, weil er eine Autowerkstätte und einen florierenden Mazda-Handel betrieb, mit seiner unfassbar schönen Frau, die aussah wie die 20. Jahrhundert Version von Cleopatra. Sein Bruder, der Interporsche Onkel, der handelte mit den deutschen Konkurrenzprodukten und reparierte sie auch, ebenfalls mit Familie. Mein Speditionsonkel und meine dazu passende Tante, die nebenbei in einer Band sang und meine Cousinen im Schlepptau hatten. Natürlich Tante Olgi mit ihrem alten Sir, dem Ernesto und den beiden Töchtern. Der Bruder meines Vaters aus Kärnten mit Familie und Tante Christiane mit Kindern und dem Onkel Bernd, der auswärts niemals was aß – warum weiß ich nicht, anscheinend traute er nur Christianes Kochkünsten, die gelinde gesagt durchaus in der Oberliga spielten. Kochen konnten die alle.

Mein Vater hatte am Nachmittag bereits eine dem „Cape Canaveral“ nicht unähnliche Abschussrampe für die unzähligen Feuerwerkskörper im Garten errichtet. Schießen und Böllern war immer ein großes Thema zu Silvester. Dieses Vorhaben wurde generalstabsmäßig geplant, darauf hin begann die Erstellung diverser Konstruktionspläne. Gefolgt von der Montage. Das Projekt fand seinen Abschluss in präziser Zündung der Raketen. Wernher von Braun wäre vor Neid erblasst. Ich stehe dieser Form des Vergnügens bis heute skeptisch gegenüber.

Glücklicherweise war ich bereits 17 und konnte aus diesem Grund heftig rauchen und saufen. Meine Eltern hatten in dieser Hinsicht schon aufgegeben. Es existieren noch Polaroids von diesem Fest, darauf kann man die einzelnen Personen fast nicht erkennen, da die Luft durch die Austria Tabak massiv rauchgeschwängert war. Das waren die guten Zeiten. Die Alkoholbestände zeigten sich am nächsten Morgen eklatant reduziert, was meine Verwandten jedoch nicht davon abhielt um die Mittagszeit zum Frühschoppen und „Restl essen“ anzutanzen. Zu dieser Zeit wurde mir die Diskrepanz zwischen meinem Leben in Wiener Neustadt und dem in Hautzenbichl intensiv bewusst. Hautzenbichl erschien mir wie ein Ausflug in den Jurassic Park, ich fand es spannend und unterhaltsam, war aber froh es überlebt und die Ziellinie passiert zu haben.

Das 106. Kapitel folgt am 8. Mai 2021!

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay + Privat

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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