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23 Apr

Hotel Hautzenbichl 101

Exotische, bizarre Geschichten passieren nicht nur auf „dark desert highways“ – so weit muss man gar nicht fahren, es reicht schon in Knittelfeld, einer Stadt die nicht mal Gott gefällt, aufzuwachsen.

101. Kapitel

Auch diese Ferien nahmen ihr Ende und ich zog wieder nach Wiener Neustadt. Die vierte Klasse Modeschule lag vor uns und mit ihr wieder allerlei komplizierte Näharbeiten. Pony oder der Lehrplan verknackten uns dazu eine „Werkmappe“ anzulegen. Diese beinhaltete sämtliche Arten der Verarbeitung von Stoffen in französischer und englischer Werkstätte. Also vom Knopfloch bis zu sehr aufwendig genähten Taschen. Unter ihnen die Rahmentasche.

Sie hat allerdings in keinster Weise mit einer Fahrradtasche zu tun. Hier handelt es sich um eine Tasche, die selten aber doch auf Mäntel genäht wird und eigentlich aus drei Taschen besteht – soweit ich mich erinnern kann. Ich hab danach nie wieder eine genäht. In eine aufgesetzte Tasche wird eine Schrägtasche und davor noch eine Paspeltasche oder so genäht. Braucht kein Mensch und sieht Scheiße aus. Die Anfertigung einer Rahmentasche grenzt an „rocket science“ und verlangt den Ausführenden höchste Fingerfertigkeit ab. Nix für meine angeborene „clumsiness“.

Daneben begann man uns sachte auf die Matura, die wir im nächsten Schuljahr absolvieren sollten, vorzubereiten. Ähnlich einem Horrorschocker waberte sie wie der „Nebel des Grauens“ am imaginären Horizont herum. Man rennt gehetzt und schweißüberströmt auf sie zu, der Gewissheit nicht entrinnend, dass am Ende der Strecke durch das schier undurchdringbare Dickicht – es ist natürlich auch stockfinster – das Schicksal in Form von „bestanden“ oder „durchgefallen“ erbarmungslos über uns richten wird.

Zuvor befand der Lehrkörper jedoch uns mittels einer Exkursion weiterzubilden. Man wollte uns die österreichische Viskose Produktion im beschaulichen Lenzing OÖ näher bringen. Hier ist anzumerken, dass Lenzing mittlerweile ein Verfahren entwickelt hat Viskose extrem umweltschonend herzustellen. Dafür bekamen sie auch den europäischen Umweltpreis. Zur Zeit beschert ihnen jedoch die „Hygiene Austria“ etwas Herzeleid. Wenn man sich mit Hunden ins Bett legt, darf man sich nicht wundern, wenn man mit Flöhen aufwacht. Die Viskose Herstellung in Fernostasien gilt als nach wie vor fragwürdig und dort wird auch wenig bis gar nichts unternommen dies zu ändern.

17 Mädels bestiegen also den Bus der Firma Beinwachs – für alle Ausflüge wurden ausschließlich Busse dieses Unternehmens gebucht, obwohl die einmal vergaßen uns von einem Schitag am Stuhleck abzuholen. Wir standen damals zitternd in klirrender Kälte, bis nach 21h endlich der Bus ankroch. Zuvor musste eine unserer Professorinnen noch kilometerweit zu einem Gasthof pilgern um das Busunternehmen vom dortigen Festnetz anzurufen (Hedy Lamarrs Erfindung sollte sich erst viele Jahre später durchsetzen, daher waren Mobiltelefone noch nicht im Umlauf) und es darauf aufmerksam zu machen, dass wir noch am selben Abend heimgebracht werden wollten.

Bei der Schule angekommen war Goldies Mama so lieb und brachte mich ins Internat – die Stunde hatte schon 23h geschlagen – sonst hätte ich noch in Schischuhen mit den Schi und Stöcken beladen den Weg von der Schule – und es war ein weiter – ins Internat hatschen müssen. God bless her!

 

So ritten wir gegen Mittag in Lenzing ein und wurden direkt vor der Fabrik abgeladen. Danach folgten endlose, jedoch nicht unspannende Erklärungen zur Viskoseherstellung. Wir sahen riesige Fällbäder, hauchdünne kilometerlange Fäden die aus Düsen schossen und Chemikalien aller Art. Der Nachmittag verfloss recht hurtig. Retour in die Unterkunft.

Barbie, Goldie und ich teilten ein Zimmer. Irgendwann fand ein unerwähnenswertes Abendmahl statt und dann startete die Party in unserem Zimmer. Ich glaube wir hatten auch irgendwo Alkohol aufgestellt. Es war laut und lustig – die Ternitzer Andi hatte Musik dabei, auf diesem Gebiet war sie unschlagbar – bis die Polizei kam.

Wieder einmal hatten wir die Ruhe gestört. Ich hab mich immer gefragt, was ist mit diesem Land los, ständig regen sich die Menschen auf, dass ihre Ruhe gestört wird – was soll das? Bis zum heutigen Tag muss ich mich immer wieder mit Ruhestörungen abquälen. Ständig bin ich oder meine Umgebung zu laut für den Rest der Bevölkerung. Die sollen sich Oropax zu legen. Zu erwähnen ist, dass Fachvorstand Oldville und Pony nicht happy waren, aber wirkliche Konsequenzen gab es nicht, ich glaube insgeheim befanden sie auch, dass es übertrieben war, die Polizei zu alarmieren.

Das 102. Kapitel folgt am 26. April 2021!

Elvira Trevira

Fotos: Pixabay + Privat

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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