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16 Jan

Der Reifrock

Beim Reifrock handelt es sich um einen mit Holz, Federstahl oder Fischbein bespannten Unterrock. Von Form und Epoche abhängig wird er auch Verdugado, Parnier, Krinoline oder Tournure genannt.

Im erz-katholischen Spanien, dem Sittenwächter Europas, wurde der Reifrock, dort hieß er „Verdugado“ (span. Tugendwächter), den Damen erstmals um 1470 umgeschnallt. Er bestach durch seine glockenartige Form.

Unabhängig davon entstand in Frankreich des 16. Jahrhunderts der „Vertugadin“, eine tonnenhafte Variante des Reifrocks. Queen Elisabeth I ist auf diversen Porträts damit abgebildet. Wer sich die kostspieligen Reifröcke nicht leisten konnte, stieg auf den „Weiberspeck“ um, eine ringförmige Wulst, die um die Hüfte gebunden wurde.

WEIBERSPECK

Nach kurzer Abwesenheit erlebte der Reifrock europaweit um 1715 herum eine neuerliche Renaissance. Erst kurz und kegelig, bald jedoch kuppelförmig und sehr ausladend, hatte er die Form betreffend, große Ähnlichkeit mit den damals auf den Märkten üblichen Hühnerkörben. Daher auch die Bezeichnung „Panier“ (franz. Korb).

Etwa 15 Jahre später verflachte das Panier an Vorder- und Rückseite. Übrig blieb eine quer-ovale Silhouette. Die aus Wachstuch und/oder aus Leder und Ruten gefertigten Teile rieben sehr geräuschvoll aneinander, was ihnen den Namen „Criarde – franz. Kreischerin“ einhandelte. Danach wurden sie aus Holz und Fischbeinen konstruiert, die in Tunnel eingezogen waren und mit Gelenken oder Bändern zusammengehalten wurden.

Nach 1750 verwandelten sich die Paniers in „Springröcke“. Sie reichten nur kurz über die Hüfte. Seitlich befestigte man mittels Taillenbänder die „Poche – franz. Tasche“, dabei handelte es sich um wulstartige Gebilde, die man auch als Taschen verwenden konnte.

SPRINGRÖCKE

Bereits vor der französischen Revolution verabschiedeten sich die Reifröcke, waren sie doch ein Synonym des Adels (Porträts von Marie Antoinette in protzigen Roben). Man wandte sich dem „Cul de Paris“ – dem Pariser Arsch – laissez faire gesprochen zu, aber auch er sollte die Revolution nicht überleben.

Erst nach 1830 tauchte der Reifrock als Krinoline wieder auf. Erst als steifes Rosshaargewebe, das wenig formbar und kostspielig war. Danach wieder in der altbewährten Stahlfederbauweise. In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts erreichten die Krinolinen mit einer Saumweite von bis zu acht Metern ihre ausgiebigste Form. Krinolinen waren nicht nur ausschließlich den Damen des Adels und der Oberschicht zugänglich.

Ab 1870 verlegte man sich auf die Tournure, ein Halbgestell aus den schon genannten Materialien, das den Rock nur noch im Bereich des Gesäßes aufplusterte. Nach einem kurzen Boxenstopp kam sie als die „zweite Tournure“ 1883 zurück. Die Jahre der Reifröcke waren jedoch gezählt – um 1890 herum kamen sie für immer aus der Mode. 60 Jahre später feierte die glockenförmige Silhouette mit dem „Petticoat“ eine kurze Wiederauferstehung, dieses Mal allerdings ohne Reifen.

„I’m fascinated by historical fashion, and I like to live in the past slightly. If I could walk around all day dressed in a crinoline, I would.“   (Kate Williams, brit. Historikerin, *1978)

Elvira Trevira

Fotos: Wie immer Pixabay!

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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