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6 Dez

Wolle – A Bloody Story

Der Winter kommt (/ist schon da) und wir haben unsere luftigen sommerlichen Kleidchen gegen kuschlige Pullover, Mützen, Schals und andere Kleidungsstücke aus Wolle eingetauscht – wie immer ohne darüber nachzudenken, was wir da eigentlich anhaben – richtig: Wär auch ein bissl viel verlangt.

Wolle ist ein nachwachsender Rohstoff – somit eigentlich recht nachhaltig – aber diesen Aspekt werden wir später noch extra behandeln, denn ganz so ist das natürlich auch nicht. Hier bei uns in Mitteleuropa wird die Wolle seit dem 4. vorchristlichen Jahrtausend verwendet. Durch eine selektive Schafzüchtung gelang es den Menschen nach und nach den Wuchs der groben schützenden Deckhaare des Schafes zu unterbinden. Nach der Schur erhielt man ein weiches isolierendes Vlies. Wolle und Milch waren die wichtigsten Produkte der Schafzucht, am Ende natürlich auch das geschlachtete Tier, das verzehrt wurde.

Im alten Rom wurden neue Formen der Wolle gezüchtet, hauptsächlich Feinwolle, wie sie auch schon bei den Griechen und in Palästina bekannt war. In Germanien galt Wolle als besonders luxuriöses Gut, da sich die Herstellung  aufwendig gestaltete und die daraus produzierten Kleidungstücke sehr teuer gehandelt wurden, nur die Aristokratie und vornehme Reiche konnten sich solche Statussymbole leisten. Gern wurden diese wolligen Kostbarkeiten auch den Göttern geopfert.

Im späten Mittelalter gewann die Wollproduktion und -verarbeitung besonders  in Großbritannien an Bedeutung – dort wurde die Wolle zum wichtigsten Handelsgut. (Der Lord Chancellor saß und sitzt bis heute im House of Lords auf einem „Woolsack“, was in sich schon den Wert der Wolle für das Königreich zu dieser Zeit widerspiegelt). Die Entwicklung neuer Spinn- und Webtechniken führten im 18. und 19. Jahrhundert zur Industriellen Revolution und somit weiter zur sehr erfolgreichen woll- und baumwollverarbeitenden Industrie des vereinten Königreiches. Die Wolle wurde selbstverständlich aus den Kolonien importiert, hauptsächlich aus Australien – schon praktisch, genug Kolonien zu besitzen, die man kontinuierlich ausbeuten konnte.

Wolle ist eine tierische Faser, die aus Gerüsteiweißen aufgebaut ist. Hierbei handelt es sich um das Keratin. Feine Fasern sind im Schnitt zwischen 4 cm und 7,5 cm lang und grobe Fasern erreichen oft eine Länge von 14 cm. Der Querschnitt der Faser ist rund und die Oberfläche ist von einer dachziegelartigen Struktur gekennzeichnet, wodurch sich die Fasern leicht ineinander verhaken, was zur „Pillingbildung = Knötchenbildung“ am fertigen Kleidungsstück führt. Die Wollfaser ist wellenförmig und die ursprünglichen Farben sind wollweiß, braun oder schwarz – sie lässt sich wunderbar färben. Durch die Fähigkeit sich zu kräuseln ist es möglich, lockere Gewirke und Gewebe herzustellen, die Luft optimal einschließen, wir sprechen auch davon wie gut uns Wolle wärmt. Auf Grund ihrer geringen Dichte eignet sich die Wolle auch hervorragend zur Herstellung sehr leichter Stoffe, die schön fallen und eine perfekte Passform gewährleisten.

Die Wolle gilt als relativ feuchtigkeitsabstoßend und nimmt Schmutz schlecht an. Auch Gerüchen (Schweiß) gegenüber verhält sie sich durch ihre natürliche Selbstreinigung relativ neutral (Gerüche werden wieder an die Luft abgegeben). Übertreiben braucht man es aber nicht, man sollte olfaktorisch doch immer Rücksicht auf seine Mitmenschen nehmen.

Zur Gewinnung der Wolle schert man die Tiere, im Falle des Soay-Schafes werden die Haare gezupft, angeblich schmerzfrei für das Schäfchen, da nur lose Haare herausgezogen werden. Heutzutage spinnt man Garne mittels high-tech Spinnmaschinen, so werden lange dünne Garne hergestellt. Daraus erzeugt man Gewirke und Gewebe oder man verknüpft sie zu Teppichen. Um gewisse Eigenschaften der Wolle zu verbessern, rüstet man sie etwa gegen Verfilzen (Hercosett Verfahren) oder Mottenbefall aus. Man kann sie auch für die Wäsche in der Maschine mit dem EXP Verfahren rüsten. Um ihre Formbeständigkeit zu erhöhen mischt man sie gern mit ein wenig Polyester oder anderen Polymerfasern.

Verschiedene Tierchen haben verschiedene Pelzchen (oder wie immer man ihr Haarkleid nennen möchte), woraus sich verschiedenen Arten von Wolle ergeben. Die Hauptvertreter der Schafwolle sind das Merinoschaf, das uns mit einer sehr hochwertigen, feinen Wolle versorgt, wo hingegen das Cheviot- oder Shetlandschaf eine eher gröbere Wolle gibt. Beim Crossbredschaf, wie der Name schon andeutet, handelt es sich um eine Kreuzung zwischen dem Grobwollschaf und dem Merinoschaf. Die Wolle der allerersten Schur eines Schafes nennt man Kurkwolle. Sterblingswolle ist die Wolle von toten Tieren, die von geschlachteten Schafen wird Schwöde-, Schwitz-, oder Gerberwolle genannt. Neue, unmittelbar vom lebenden Tier stammende Wolle bezeichnet man als Schurwolle oder Reine Schurwolle (WV). Reißwolle gilt als Recycling-Produkt und besteht aus schon einmal verarbeiteter Wolle (WO). Das internationale Wollsekretariat vergibt das Wollsiegel um Qualitätsprodukte aus reiner Schurwolle zu kennzeichnen.

Weitere Wolllieferanten, sind neben den Schäfchen noch das Quiviut, ein Moschusochse, die Angoraziege, die uns mit Mohair versorgt, außerdem das Alpaka, dessen Wolle fünf Mal wärmer hält als Schafwolle und zwar auf Grund von winzigen Lufttaschen im einzelnen Haar, welches absolut kein Lanolin enthält, daher ist Alpakawolle auch für Wollallergiker geeignet. Gerne tragen wir auch Pullover aus Angorawolle, die vom gleichnamigen Kaninchen stammt.

Jährlich werden weltweit um die 2,2 Millionen Tonnen Wolle produziert, vornehmlich in Australien, China, Neuseeland, sowie auch in Argentinien, Indien und Großbritannien. Nachdem das Schaf geschoren ist, wird die Wolle gewaschen, danach gekämmt oder kadiert und in weiterer Folge zu einem Faden versponnen, der zu 100% aus reiner Wolle besteht oder mit anderen Fasern vermischt wird. Schurwolle mit der Zusatzbezeichnung „Super 100“, „Super 120“ oder „Super 210“ informiert uns über die Feinheit der versponnen Wolle. Im Falle von „Super 120“ wiegen 120 Meter des Garns ein Gramm, je feiner das Garn ist, desto höher lautet die angegebene Zahl. Tweed beispielsweise ist ein grober Wollstoff, er stammt ursprünglich von Schafen auf den Äußeren Hebriden. Loden hingegen, wurde in fast allen Gegenden Europas getragen (England = Broadcloth) und entsteht durch Walken, einem Herstellungsprozess, bei dem Mechanik, Feuchtigkeit und Temperatur eine Rolle spielen.

Schafe werden gezüchtet um Wolle zu geben – das war immer und ist auch jetzt noch so. In Frage zu stellen ist allerdings der Umgang mit den Tieren. Wir sprechen von „Wollindustrie“ und die Erträge müssen stimmen. Merinoschafe entwickelten züchtungsbedingt eine außergewöhnlich faltige Haut um die Felldichte zu erhöhen, aus diesem Grunde sterben sehr viele von ihnen an Hitzschlag oder an der Fliegenmadenkrankheit, bei der die Erreger die Tiere förmlich von innen auffressen. Um das zu verhindern erfanden schlaue, aber auch grausame Typen das „Mulesing“, hier werden den Lämmern im Bereich der Schenkel und des Schwanzerls große Fleischfetzen (natürlich ohne Betäubung) herausgeschnitten, so soll glattes Narbengewebe entstehen, an dem keine Haare mehr wachsen und dadurch haben die Erreger keinen Nährboden mehr. In den Ländern wie Australien und Neuseeland ist dieser Vorgang üblich, man weigert sich auch aus Kostengründen Alternativen in Betracht zu ziehen. Abgesehen davon sind die Herden so riesig, dass die Schafe an Futtermangel oder die Jungtiere an unzureichendem Schutz seitens des Muttertieres sterben, da diese nicht mehr ihr natürliches Sozialverhalten entwickeln können. Die Schur überleben viele Tiere nicht, sie werden verletzt, nicht ausreichend versorgt und verenden qualvoll. Auch Tieren gegenüber sollte man Respekt zeigen, vor allem so einem treuen Nutztier wie unserem Schäfchen, daher achtet man beim Kauf von Wollartikel unbedingt auf das GOTS Zertifikat, nur so ist gewährleistet, dass die Schäfchen artgerecht gehalten werden.

Eine Gesellschaft von Schafen muss mit der Zeit eine Regierung von Wölfen hervorbringen. -Bertrand de Jouvenel

Polly Perlon

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Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: polly.perlon@blog-mag.net

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