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22 Jan

Von Eukalyptus zu Tencel

Nachhaltigkeit in der Textilindustrie muss die Zukunft sein – die Textilindustrie braucht vor allem Alternativen und Lösungen für die bekannten Probleme – weg von der Verschwendung von Wasser, verantwortungslosen Einsatz von Pestiziden und all den anderen Sünden (es sind zu viele um sie hier alle aufzulisten), eine davon die unmenschliche Behandlung derer (meist Frauen), die in dieser Industrie arbeiten. Der tödliche Kreislauf muss durchbrochen werden.

Seit einigen Jahren beobachten wir Ansätze, die Situation zu ändern. Ein solcher Ansatz trägt den Namen Eukalyptus.

Das hauptsächlich in Australien und Indonesien vorkommende Pflänzchen, auch Blaugummibaum genannt, ist immergrün, extrem schnellwüchsig – in sechs bis sieben Jahren wird ein Eukalyptusbaum an die 20 Meter hoch – es gehört zu der Familie der Myrtengewächse und wir kennen bis zu 600 verschiedene Varianten dieser Pflanze. Der wahrscheinlich größte Eukalyptusbaum wurde in Tasmanien entdeckt, mit einer Höhe von 97 Metern und einem Stamm, der einen Umfang von 20 Metern aufwies.

Nicht nur zur Gewinnung von Holz und ätherischen Ölen eignet sich Eukalyptus hervorragend, mittlerweile gilt er auch in der Textilindustrie als interessante Alternative zur Baumwolle, abgesehen davon, dass seine Blätter die Lieblingsmahlzeit der süßen Koala-Bären sind.

Der Eukalyptus bedarf keiner künstlichen Bewässerung und wächst auch von alleine wie Unkraut. Nachteilig (es gibt ja immer einen Nachteil) gestaltet sich allerdings die in die Tiefe reichende Austrocknung des Bodens beim Anbau der Eukalyptuspflanze. Dies bringt auch den Wasserhaushalt in den betreffenden Regionen aus dem Gleichgewicht. Durch die hemmungslose Verdrängung sämtlicher anderer Pflanzen durch den Eukalyptus verlassen viele Tiere ihren ursprünglichen Lebensraum und ein weiterer bedrohlicher Faktor sind vermehrt auftretende Waldbrände, die leicht entzündbaren Öle des Eukalyptus erschweren deren Bekämpfung ebenfalls enorm.

Aber kein Nachteil, wo auch ein Vorteil ist. Diesen haben sich die cleveren Oberösterreicher in Lenzing zu Nutze gemacht und zwar mit der Erfindung von Tencel. Im Gegensatz zur Baumwolle erweist sich der Eukalyptus in kontrollierter Forstwirtschaft als wesentlich nachhaltiger. Aus einer 6 m2 Anbaufläche ist es möglich, zehn T-Shirts aus Eukalyptus zu produzieren, im Vergleich dazu ergibt dieselbe Baumwoll-Anbaufläche jedoch nur ein T-Shirt, die Bewässerung bei Eukalyptus ist gleich 0 Liter Wasser, das fertige T-Shirt aus Baumwolle verbraucht jedoch 2720 Liter Wasser, vom Einsatz der Pestizide ganz zu schweigen, die fallen nämlich beim Eukalyptus auch weg. Der für Tencel verwendete Eukalyptus wird auf Anbauflächen, die nicht für die Lebensmittelherstellung geeignet sind, gezüchtet.

Und so funktionierts: Der Eukalyptusbaum wird gefällt und die Rinde entfernt, dann folgt die Zerkleinerung des Holzes, anschließend werden die Holzschnitzel zur „Holzfaserpulpe“ aufgekocht. Ein organisches Lösungsmittel, das sich Aminoxid nennt und auch in Körperpflegeprodukten beinhaltet ist (dermatologisch und toxikologisch untersucht und als unbedenklich eingestuft), dient zur Auflösung des Zellstoffes. Der Zellstoff wird danach durch ein Naßspinnverfahren aus dieser Lösung sozusagen hinausgestoßen und zu einer Faser regeneriert. Das übrig gebliebene Lösungsmittel wird beinah vollständig zurückgewonnen und der kleine verbleibende Anteil in biologischen Kläranlagen abgebaut. Die smarten Typen aus Lenzing bekamen dafür den „European Award for the Environment“ der Europäischen Union verliehen.

Die Eigenschaften des in dieser Art aufbereiteten Eukalyptus sind erstaunlich. Die Stoffe fallen sehr weich aus und sind somit auch für ganz zarte Haut geeignet, die Optik erinnert an fließende Seide und die Faser löst grundsätzlich auch keine Hautallergien aus. Ebenfalls bemerkenswert ist das hervorragende Verhalten gegenüber Feuchtigkeit.

Immer mehr und mehr Menschen bevölkern unseren Planeten, somit steigt auch der Bedarf an Kleidung. Jeder von uns kann Einfluss auf die Umwelt nehmen, in dem er bewusst entscheidet, was er kauft. Ich sehe auch ein Problem darin, dass die meisten Menschen nicht wissen, was die einzelnen Namen von Textilien bedeuten und was sich hinter ihnen verbirgt, selbst Angestellte im Textileinzelhandel nicht. Auch das ist ein großes Versäumnis an Information seitens der Textilindustrie, aber auch der Medien, die ständig hübsche Teilchen abfotografieren, jedoch niemals über die Materialien informieren. Ohne Textilien gäbe es keine Mode.

Eine neue Art von Denken ist notwendig, wenn die Menschheit weiterleben will. – Albert Einstein

 

Elvira Trevira

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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