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28 Nov

The Roaring Twenties

Wenn ich 20er Jahre höre, muss ich immer an Pitigrillis Buch „Kokain“ denken, in dem die mit Äther geschwängerte Luft in den Pariser Salons beschrieben wird, wo auf Diwans drapierte Absinth-Junkies, abstürzende Schmetterlinge beobachten. Wenn man die goldenen Zwanziger zeitlich eingrenzen will, dauerten sie etwa von 1925/26 bis zum „schwarzen Donnerstag“, dem 24. Oktober 1929 an, dem wohl bis heute folgenschwersten Börsecrash der Geschichte. In dieser kurzen Phase gab es in Deutschland einen leichten, jedoch sehr instabilen Wirtschaftsaufschwung, eine kurzlebige Scheinblütezeit. „The places to be“ waren die Metropolen Berlin und Paris, New York und Buenos Aires. Eine Zeit der Befreiung brach an, der Bruch von Konventionen und Tabus.

Sichtbar wurde diese Entwicklung vor allem in der Damenmode. Das Korsett wurde durch einen Hüftgürtel ersetzt, die einengenden Schnürungen vielen weg. Die Rocksäume rutschten deutlich nach oben, man sah plötzlich Damenbeine – shocking, ich weiß! Die Taille fiel ganz weg, oder begab sich auf Hüftniveau. Die Schnitte waren sehr einfach, Vorder- und Rückenteile der Kleider beinah ident, entweder mit tiefen Ausschnitten auf beiden Seiten, oder dem damals sehr beliebten Bubikragen, der den Damen ein schulmädchenhaftes Aussehen verlieh. Auch die Hose hielt Einzug in die Damengarderobe. Viele Männer waren nicht mehr aus dem Krieg zurückgekommen, die Frauen dadurch gezwungen zu arbeiten, oft in Fabriken, da tat man sich ein bisschen schwer an der Stahlpresse im „Cul de Paris“. Marlene Dietrich propagierte den Herrenanzug sehr stark, sie soll ihn angeblich auch immer nachts in der Bar des Hotel Adlon getragen haben. Zu diesen neuen Kleidern gehörte selbstverständlich auch eine neue Frisur – erstmals trugen die Damen das Haar kurz und in platte glänzende Wellen gelegt, eben onduliert. Bubikopf hieß der scharfe Hairstyle. Accessoires gewannen enorm an Bedeutung: lange, über die Ellenbogen reichende Handschuhe, Federboas, Stirnbänder mit Perlen und Strass besetzt, Fächer aus edlen Materialien wie Elfenbein und Perlmutt (man hatte es noch nicht so mit dem Artenschutz), überlange Perlenketten und natürlich der Zigarettenspitz. Frauen war es unter Zähneknirschen erstmals erlaubt auch in der Öffentlichkeit zu rauchen, davor war das super-verpönt. Abends trug man Kleider in schillernden Farben aus edlen Stoffen, wie beispielsweise Seidenorganza und Moire, die dicht mit Pailletten und Perlen besetzt waren, dazu Seidenstrümpfe mit Naht, aber auch Netzstrümpfe gab es bereits, beide wurden natürlich mit aufreizenden Strumpfbändern hochgehalten. Da diese Roben oft geschlitzt waren, oder die Säume aus Fransen bestanden und die Damen eine Leidenschaft für „den“ Tanz dieser Ära, den Charleston entwickelten, wurde verhältnismäßig viel Bein gezeigt. Man hielt sich in den „Salons“ auf, wo die Werke von Remarque, Kafka und Mann diskutiert wurden. Am meisten jedoch waren die Menschen vom Kino fasziniert, es war für alle einigermaßen leistbar und man konnte kurz in eine andere Welt eintauchen. In Berlin wurde der Ufa-Palast errichtet, anfänglich natürlich noch mit Stummfilmen bespielt, ein 70 Mann Symphonieorchester sorgte für musikalische Untermalung, die BerlinerInnen strömten in Massen hin.

International gesehen hatte Gabrielle „Coco“ Chanel wohl den intensivsten Einfluss auf die Mode der 20er Jahre. Ihre Modelle aus dieser Zeit haben heute noch Bestand – ihr verdanken wir neben dem „kleinen Schwarzen“ auch Kleidung aus Jersey und Strick, vor allem aber, und das ist wahrscheinlich ihr größter Verdienst, Bewegungsfreiheit. Sie glaubte an die Stärke der Frauen und gab ihnen Selbstbewusstsein, sie befreite die Frauen durch die Kleidung. Hier eines ihrer spitzzüngigen Zitate:

Weibliche Nacktheit muss man den Männern mit dem Teelöffel geben, nicht mit der Schöpfkelle.

Der Modestil der 20er zog sich über den gesamten Globus, von den Jazzclubs in Harlem (die Prohibition und mit ihr das lästige Alkoholverbot hatte gerade eingesetzt) bis hin in die Tanzpaläste von Buenos Aires, wo Gigolos mit Pomade im Haar die Schönheiten zu den Klängen des Tangos im Arm hielten. Gigolos waren junge Typen, die vom jeweiligen Etablissement engagiert wurden um mit den gelangweilten, meist gut betuchten, oft schon älteren Damen zu „tanzen“, man nannte sie auch Eintänzer. Einer dieser Eintänzer in Buenos Aires soll angeblich Aristotelis Onassis gewesen sein.

Sehr gut dargestellt ist die Mode dieser Zeit in dem gleichnamigen Remake (2013) des Films „The Great Gatsby“ nach einer Romanvorlage aus 1925 von F. Scott Fitzgerald. Der Film bekam einen Oscar in der Kategorie Bestes Kostümdesign, Catherine Martin zeichnete dafür verantwortlich. Ebenfalls sehr gut in Szene gesetzt ist die Mode der 20er Jahre in der Serie „Downton Abbey“, in den Folgen, die diese Epoche behandeln (2011 Emmy Awards für beste Kostüme in einer TV-Serie). Die schottische Kostümbildnerin Anna Robins war für die Kostüme im Stile der 20er Jahre verantwortlich.

Die Zeit war reif für die Befreiung von Schnürungen und Korsetts und nicht nur in der Mode – ein Danke an diese Pionierinnen, die sich damals auch mittels ihrer Kleidung gegen die gesellschaftlichen Normen und Konventionen auflehnten und deshalb sicherlich viele Diffamierungen ertragen mussten. Sie waren tapfere Kämpferinnen!

Women, who seek to be equal with men, lack ambition! Marilyn Monroe

Elvira Trevira

Elvira Trevira
Elvira Trevira

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