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Vienna Fashion Week – Favorites
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3 Feb

The Gallery – Fashion Exodus

Fashion Week - Modemesse – klingt doch gut, oder? Branchen-Externe stellen sich das glamourös und extravagant vor. Es tut mir leid, hier muss ich enttäuschen. Knochenjob wäre ein passendes Substantiv: Frustration und Erschöpfung holt jene, die daran teilnehmen ab einem gewissen Zeitpunkt mit Sicherheit ein.

Man muss allerdings zwischen „Fashion Weeks“ und „Modemessen“ unterscheiden. Bei ersteren handelt es sich um PR Veranstaltungen, deren Ziel es ist, soviel medialen Output wie möglich zu erreichen, bei letzteren sprechen wir von Ordermessen, bei denen Einkäufer sich informieren und/ oder ordern.

Nun hatte ich das Vergnügen nach Düsseldorf reisen zu dürfen, um auf der Gallery – am Areal Böhler an der Hansaallee – gemeinsam mit der Exportmanagerin der griechischen Marke „Camelot“, den Messestand aufzubauen und in weiterer Folge zu betreuen. Zur gleichen Zeit fand in Düsseldorf eine weitere Modemesse, die „Supreme“ statt.

Und hier kommen wir gleich zu einem hausgemachten Problem der europäischen Modeindustrie. Die Messelandschaft hat sich verändert und nicht zum Vorteil für Aussteller und Einkäufer. Vor etlichen Jahren war es noch so, dass es vier oder fünf große europäische Messen gab, ich spreche hier von CPD, Igedo – beide in Düsseldorf, man bespielte bis zu 14 Hallen, Interjeans & Herrenmodewoche Köln, der Sehm in Paris oder der Premier Vision in Mailand, an denen sämtliche internationale Aussteller und Besucher teilnahmen. Zur Zeit laufen über die Einkaufssaison hinweg, an verschiedensten Orten unzählige Mini-Messen, die innerhalb der jeweiligen Stadt, in der sie stattfinden, zusätzlich noch diverse Ausstellungsorte anbieten. Das hat zur Folge, dass weder Aussteller noch Einkäufer wissen, welche Veranstaltung sie besuchen sollen.

THE GALLERY

Eine weitere Ursache für die Krise in der Modebranche ist selbstverständlich das Wetter. Seit Jahrzehnten wird Frühjahrsware Anfang Jänner und Herbstware im Juli ausgeliefert. Dies führt beispielsweise dazu, dass der Konsument zu Augustbeginn dicke Rollkragen-Grobstrick-Pullover im Schaufenster sieht, leider aber keine Badehose mehr finden kann. Man überholt sich selbst, die Ware hängt monatelang im Geschäft – wird auch nicht besser davon – bis endlich mal das Wetter einsetzt, bei dem man sich eine Daunenjacke kauft. Die Klimaveränderung wird völlig außer Acht gelassen – siehe den vergangenen Herbst, der uns bis Ende Oktober hinein noch warme Tage bescherte.

Die Bombe platzte am Samstag auf der Messe – „How the Mighty have Fallen“ – könnte man zitieren. Am Freitag, 25. 2. 2019 ereilte uns die Meldung über den Insolvenzantrag der Firma Gerry Weber. Noch im Juni 2014 wurden die Aktien von Gerry Weber für knapp 40 Euro gehandelt. Der Erfolg schien grenzenlos: 778 Filialen, 852 Mio. Euro Umsatz und ein Platz im prestigeträchtigen MDax. Kritisch wurde die Situation etwa zwei Jahre davor mit der Übernahme der insolventen Modekette Wissmach mit 200 Filialen, die man sich unter den Nagel reißen wollte. Zunächst konnte man der Krise am Modemarkt mit immer neuen Verkaufsflächen eins auswischen. Am Ende aber wuchsen die Kosten für Flächen und Personal zu schnell und zu stark.

Mode ist ein knallhartes Geschäft. Die Konkurrenz ist grenzenlos. An jeder Ecke gibt es einen „Fetzentandler“, hinzu kommt, dass Diskonter wie Hofer und Liedl ebenfalls „Mode“, sprich Textilien anbieten. Was das Internet den Einzelhändlern wegnimmt, möchte ich gar nicht wissen. Aber nicht nur die mittelständischen und kleinen Betriebe sind von der Krise betroffen. Steilmann, einst Europas größter Konfektionär in der DOB – Pleite. Renè Lezard – Pleite. Tom Tailor und Esprit reicht das Wasser bis zum Hals. H&M versucht mit neuen Labels wie Cos und & other stories, in eine gehobene Schiene zu gelangen, um Billiganbietern wie Kik, Takko und Primark die Stirn bieten zu können.

Der Verdrängungswettbewerb eskaliert auch auf Grund der Tatsache, dass speziell die jüngere Kundenschicht immer weniger Geld für Kleidung ausgibt, es lieber in Elektronik und Reisen investiert. Die Ausgaben pro Haushalt für Kleidung sinken kontinuierlich seit 2005. Der Handel kämpft somit gegen mehr Konkurrenz (Internet + Diskonter),  die Gesamteinnahmen reduzieren sich (weniger Interesse an Kleidung) und die Margen sinken ebenfalls. Es wird interessant sein, zu beobachten, wer von den Riesen als nächstes fällt. Ich hab da schon so einige Ahnungen.

FASHION EXODUS

Alain Caparros, CEO von C&A Europe, verglich in einem Interview die Situation der Modeindustrie mit der globalen sozialen Entwicklung unserer Gesellschaft. Er konstatierte, dass es in der Zukunft nur zwei Gewinner im Business geben kann: High Upscale Brands, wie beispielsweise Louis Vuitton und Billigstanbieter wie Primark – dazwischen wird sich nicht mehr viel abspielen. Die Folge wird sein, dass wir uns künftig von bekannten Namen verabschieden werden müssen.

Diese Entwicklung führt natürlich zu einer weiteren Ausdehnung der Produktion in den Billiglohnländern, wie Bangladesch und Myanmar und Fernostasien im Generellen. Die Menschen, die dort unter schwierigsten Bedingungen im Akkord an den Maschinen schuften müssen, werden die Opfer des Preisdumpings sein. Die große Blase Nachhaltigkeit, ein wunderbarer PR-Schachzug übrigens, wird mit einem „leisen Blob“ zerplatzen. Wundern tut`s mich ehrlich gesagt nicht!

„You cannot escape the responsibility of tomorrow by evading it today.“    (Abraham Lincoln, 16. Präsident der Vereinigten Staaten 1809 – 1865)

Elvira Trevira

Elvira Trevira
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Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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