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20 Okt

The Duke of Detroit

Ich bin eine sehr kleine Person, aber ich liebe riesige Sports Utility Vehicles. Seit einigen Jahren schon hab ich eine on-off Affaire mit dem Cadillac Escalade. Insgeheim nenne ich ihn den „Duke of Detroit“. Detroit, US Bundesstaat Michigan, wird Motorcity, oder von Funk- und Soulkennern auch Motown genannt, was auf das gleichnamige, dort ursprünglich angesiedelte Plattenlabel zurückzuführen ist. MC5, Iggy Pop, Alice Cooper, Kiss, Eminem, die White Stripes und viele mehr haben von dieser Stadt aus ihre Karrieren gestartet.

Die Gründer der Firma Cadillac, William H. Murphy und Henry M. Leland wählten den Namen Cadillac als Hommage an den französischen Kapitän Antoine de la Mothe Cadillac (1658 – 1730), der am 24. Juli 1701 am Ufer des Lake Erie, dem Detroit River (le détroit du Lac Érié), die Ansiedlung  „Ville d’Etroit“ (‚Stadt an der Meerenge‘) gründete. Cadillac war wohl eine der schillerndsten Figuren in der neuen Welt, ein Gauner, Halunke und Betrüger im großen Stil, nahm einfach die Namen, Titel und Wappen bekannter Nobelmänner aus seiner Heimat der Gasconnè in Frankreich an und begann vom damals französischen Süden der USA aus, das weite Land aufzumischen. Er hatte seine skrupellosen Finger im Pelzhandel, baute Blei im heutigen Missouri ab, landete zweimal im Knast, davon einmal in der Bastille in Paris. Cadillac war ein verwegener Abenteurer, hatte eine Frau und zwölf Kinder, überquerte zahlreiche Male den Atlantik und war sicherlich ein Held seiner Zeit.

Vom Heldentum ist allerdings im zeitgenössischen Detroit nicht mehr viel übrig. Die Stadt, am Anfang des vergangenen Jahrhunderts, durch die gerade entstehende Autoindustrie vor Wohlstand strotzend, ist heute nur noch ein Skelett. Der Abstieg begann, nachdem die Modelle aus den Schmieden der in Motown ansässigen Big Three (Ford, Chrysler und General Motors) die absolute Vorherrschaft am amerikanischen Markt einbüßten. In den letzten 60 Jahren hat Detroit über 60 % seiner Bewohner verloren und 35 % des Stadtgebiets sind in der Zwischenzeit unbewohnt. 2009 listete Forbes Detroit auf Platz eins der gefährlichsten Städte der USA. 2013 meldete Motorcity Insolvenz an. Die Schulden der Stadt werden auf 18,5 Milliarden US-Dollar geschätzt.  Ungefähr 30 % aller Einwohner leben unter der Armutsgrenze. Dazu kommen fast 80.000 leerstehende Häuser. Für 100 Einwohner gibt es nicht einmal 27 Arbeitsplätze. Die Kriminalitätsrate ist die höchste in den USA.

Trotzdem bauen die dort Autos wie den Escalade ESV Platinum.  Er ist ein riesiges, schönes, in diesem Fall schwarzes Monster. „Black Raven“ heißt die Farbe, klingt ein wenig wie ein Charakter aus einer Vampir-TV-Serie, aber dafür kann ich mich auch immer begeistern. Die Motorhaube geht mir bis zum Schlüsselbein, um das Einzusteigen zu erleichtern, fährt beim Öffnen der Tür ein Trittbrett aus. Der Innenraum ist in Semianilin Napaleder in schwarzem Jet Black mit Esche-Holzdekorelementen, natürlich auch schwarz, gehalten. Die Sitze sind so breit wie Fauteuilles, da kann sogar ein fetter Potato – Baron aus Boise, Idaho gemütlich Platz finden. Der Sound kommt aus einer Bose Anlage und schon plärren die White Stripes glasklar aus den Lautsprechern. Ich fuhr den Escalade übrigens in der Edtion „Platinum“ – sehr zu empfehlen. Überaus faszinierend ist die Schaltung am Lenkrad, es handelt sich dabei um ein 6 Gang Elektronik-Automatik-Getriebe. Ein überdimensionaler Hebel ragt aus dem Lenkrad, man zieht ihn zu sich und bewegt ihn in die dementsprechende Richtung, unterm Tacho erkennt man an den winzigen Buchstaben (und das ist wirklich das einzig winzige an diesem Wagen) P – N – R – D, welche Position eingenommen wurde.

Die gigantische Mittelkonsole, die den Beifahrer so weit weg erscheinen lässt, wie Helsinki von Brindisi, wartet mit allerlei praktischen Ablagen und verschließbarem Stauraum in der Größenordnung des Kofferraums eines Cinquecento auf. Das find ich überaus sympathisch, da ich ständig Unmengen an Irgendwas mit mir herumschleppe. Wir haben es hier mit einem klassischen 6,2 Liter V8 Motor zu tun – der Sound könnte allerdings ein wenig rotziger sein. Das Fahrgefühl ist etwas truck-esque, man spürt es rumpeln und pumpeln, auch ist der „Duke“ nicht allzu weich gefedert. Man bekommt den Eindruck, er sei für die endlos langen, schnurgeraden, einsamen Straßen des mittleren Westens konzipiert worden.

Der Verbrauch belief sich auf 14,7 Liter als ich Monsieur Escalade durch die Wachau und deren Hinterland steuerte. Das erscheint mir fast ein wenig anorektisch, bei einem Gewicht von ungefähr 2,8 Tonnen. Um die Dimensionen besser begreifen zu können, sei die Länge von 5,18 m und Breite von 2,06 m bei einer Höhe von nicht ganz 2 Metern zu erwähnen. Die 426 PS verhelfen dem Escalade zu einer Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h. Das ist zwar nicht super-sonic, dafür hat man in diesem Wagen nicht mehr viele Feinde auf der Straße, maximal noch den einen oder anderen 40-Tonner, das ist es dann aber auch schon. In der Platinum Edition beläuft sich der Kaufpreis auf bescheidene 144.300,– Euro, da muss ich wohl noch den einen oder anderen Blogbeitrag schreiben.

Ein besonderes Feature dieser Ausstattungsvariante, sind die in die Rückseite der Kopfstützen der ersten Sitzreihe integrierten DVD Bildschirme – Kids kann man damit stundenlang bespaßen, man vergisst beinah, dass sie sich im Auto befinden. Ich betone erste Sitzreihe, da es noch zwei weitere gibt.

Ich könnte jetzt noch alle weiteren unzähligen Standards, Extras, Motorisierungen und so weiter aufzählen, die wichtigsten könnt ihr aber dem beigefügten Link entnehmen.

Detroit, die sterbende Stadt, zeigt mit dem Escalade den europäischen Automobilherstellern, wo Gott wohnt, zumindest was Dimension, Design und Attitude betrifft. Beschriebe ich den Escalade rein emotional, fiele mir der Satz: „Don`t mess with Escalade“ ein. Er ist majestätisch, nicht alltäglich im Straßenbild und strahlt eine gefährliche Coolness aus. „Bad boys“ fahren solche Autos – und wer kann zu „bad boys“ schon nein sagen, Antoine de la Mothe Cadillac würde sicher auch einen fahren.

 

The size of their toys,
separates the men from the boys!

Polly Perlon

Polly Perlon
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Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: polly.perlon@blog-mag.net

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