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13 Jan

Realismus in der Liebe Teil II

Hier setze ich meinen Post vom 30. 11. 2017 über Dr. Arnold Retzers Buch „Lob der Vernunftehe“ mit dem Untertitel „Eine Streitschrift für mehr Realismus in der Liebe“ fort, da dieses Thema etwas umfangreicher ist, haben wir es auf zwei Blogbeiträge aufgesplittet.

Quelle: pixabay.com

Dazu unter dem Kapitel „Liebesgeschichten“: Platon, der zwar nicht der bekannteste Liebesgeschichtenerzähler war, aber diese aus der psychiatrischen Systematik betrachtete: „Ursprünglich – so Platon – hatte der Mensch eine andere Gestalt als die heute üblicherweise anzutreffende. Er war eine Kugel mit vier Händen, vier Füßen, zwei Gesichtern, vier Ohren und zwei Geschlechtsteilen. Diese Kugelmenschen besaßen ungeheure Kräfte. Und sie hatten hochfliegende Pläne. Sie gingen so weit, den Göttern ihren göttlichen Rang streitig zu machen. Zeus selbst fühlte sich schließlich aufgerufen, etwas zu unternehmen. Er überlegte einige Zeit – Götter sind schließlich auch nur Menschen – und ergriff eine ihm geeignet erscheinende Maßnahme: Alle Kugeln wurden in zwei Hälften zerschnitten. Sie verloren dadurch nicht nur an Stärke und Kraft, sondern mussten auch ihre ehrgeizigen Ziele aufgeben. Nun waren sie für die Götter nicht mehr gefährlich. Es gab keine Kugelmenschen mehr, es gab nur noch Kugelhälften.

Die Götter waren zufrieden. Gleichzeitig entwickelten die nun getrennten Kugelhälften ein sehnsüchtiges Verlangen. Ein Verlangen danach, die andere – die verlorene – Hälfte zu finden und wieder den ursprünglichen Zustand herzustellen, also ganz oder heil zu werden.

Retzer schreibt: „Liebesromane enden, wo das Leben zu zweit beginnt. Dann ist die Luft raus, und nun kommt der langweilige Teil, wenn denn überhaupt noch etwas kommt.“ Das schreibt er gleich in seinem ersten Kapitel, in der Einführung, um gleich noch etwas draufzulegen mit Kapitel zwei: „Sieben Vorschläge wie man seine Ehe zum Scheitern bringt“. Dort beschäftigt er sich mit dem marxistisch gesinnten Philosophen Ernst Bloch (Prinzip Hoffnung), dem er ein Zitat aus einem Bob Dylan Lied gegenüberstellt. „Beide, Bloch und Dylan haben zwar etwas verloren, die Heimat oder das Paradies, aber der eine will es wiederherstellen, der andere ist schlicht unterwegs.

Quelle: pixabay.com

Für Bob Dylan kann es kein Ankommen, sondern nur das Unterwegssein geben, also kein Ende dieser Reise.“ Er ist auf seiner „never ending tour“ unterwegs, so wie viele erfolgreiche Ehepaare auch. Wenn wir die Bloch‘sche Vorstellung übernehmen, haben wir es mit einer unvernünftigen Erwartung zu tun, die sich aus einem Ziel ableitet, das noch nicht realisiert ist, aber erreicht werden soll. Das Scheitern wird umso wahrscheinlicher (auch in der Ehe), je unbescheidener das Ziel gewählt ist. Das Paradies ist sicher ein guter Kandidat für ein solches Ziel.

Das Buch ist wortgewaltig geschrieben. „Die Freiheit ist widersprüchlich, sie kann das Leiden an der Ungerechtigkeit und Ungleichheit vergrößern.“ Die Ehe hat ihre eingebaute Tragik in der Tatsache, dass die Verheißung der Gleichheit nicht eingelöst wird. Die Vernunft einer Ehe liegt darin, dass sie diese Tragik aushält. Wie gelingt ihr das? Indem der Anspruch auf Gerechtigkeit und gerechten Ausgleich dort, wo er sich nicht erfüllt, aufgegeben und stattdessen versucht wird, mit der unvermeidlichen Ungerechtigkeit und der Ungleichheit zu leben.

Quelle: pixabay.com

Das kann gelingen, indem auf ein etwas altmodisch erscheinendes Verfahren zurückgegriffen wird, auf die Vergebung. Die Vergebung hält Retzer für sehr wichtig. Er hat in seinem Buch sehr anschaulich beschrieben, was Vergebung nicht ist, man unterscheidet sie klar vom Verzeihen. Sein Tipp dazu, Beschuldigungen über ein Schuldenkonto mit Ansprüchen zu versehen. Mit Ansprüchen auf einen Schuldenausgleich, bei dem die Ansprüche ganz bewusst aufgegeben werden. Vergeben hat nichts mit der Person zu tun, der man vergeben möchte, sondern nur mit einem selbst, betont Retzer.

Quelle: pixabay.com

Was er damit sehr schön klarmacht ist, dass man nur so frei werden kann von der Kränkung und Verletzung durch andere, dass die Vergebung ein möglicher Weg ist, diesen den Platz und die Energie im eigenen Leben zu nehmen, sie quasi hinter sich zu lassen. „Wenn man die Liebesbeziehung vernünftigerweise auf Eis gelegt hat, sollte man aber daran denken, dass man etwas auf Eis legt, um es frisch zu halten. Man sollte daher nicht vergessen, dass es auch wieder vom Eis geholt werden kann oder muss, bevor das Verfallsdatum abläuft. Die Vernunft realisiert sich auch in der Vernunftehe. Wir können dadurch der Illusion entgehen, uns den Himmel der Möglichkeiten auf die Erde und in unser Eheleben bringen zu können. Wir können dadurch aber auch der Befürchtung vorbeugen, unser Eheleben könnte die Hölle auf Erden sein.“ Was für eine Fülle kluger Gedanken, zusammengefasst unter dem Titel „Lob der Vernunftehe“.

Quelle: pixabay.com

In seinem Buch bezieht er philosophische und wissenschaftliche Arbeiten mit ein und bringt unsere kreative intuitive Saite zum Klingen, indem er das Ganze mit wohlbekannten Schlagertexten, Liebesgeschichten aus der Literatur und spannenden Fallvignetten garniert. Man fühlt sich wohl beim Lesen, kann sich mit diesem Buch in einen großen Ohrensessel zurückziehen mit einem schönen Glas Wein und an vielen Stellen herzhaft lachen. Die Gedanken des Autors zu diesen oft so fordernden Themen wie Glück, Humor, die Interpretation von Illusionen und über das Scheitern von Paarbeziehungen sind einzigartig.

Quelle: pixabay.com

Sie regen zu Gesprächen an, geben den Blick auf neue Sichtweisen frei und sind ganz bestimmt eines nicht: Sie sind kein Mainstream und orientieren sich nicht an einer fixen Idee, wie etwas zu sein hat. Es ist spürbar, dass die Machbarkeit, die Lösungen und Ressourcen immer individuell sein müssen und auch bleiben sollen. Der Glaube, dass Veränderungen nützlich sein können, wird nicht ausgeschlossen, aber Veränderungen sind für Retzer nicht der einzig richtige Weg.

 

Sheila Shrink

Realismus in der  Liebe Teil 1: http://blog-mag.net/realismus-in-der-liebe-teil-i/

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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