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29 Mai

Porsche, wie es früher war!

Ausfahrt im 70 Jahre alten Prototypen des Typs 356 – dem ersten Porsche, den es je gab. Dabei waren der beste Chefredakteur von allen, Peter Pisecker, CR des ÖAMTC-Magazins auto touring, der diesen Gastbeitrag auf Blog-mag.net auch verfasst hat und der Herausgeber des WIENER Franz Sauer.

Eine große deutsche Automarke wird 70. Moment… Deutsche? Nein, nicht ursprünglich. Als Geburtsstunde der Sportwagenmarke Porsche gilt nämlich der 8. Juni 1948. An diesem Tag erhält der in Gmünd in Kärnten konstruierte und gebaute Prototyp „VW Sport“ mit der Fahrgestellnummer 356-001 die allgemeine Betriebserlaubnis der Kärntner Landesregierung. Die Bezirkshauptmannschaft weist ihm das Kennzeichen K 45.286 zu.

Das trägt er jetzt noch. Anlässlich des runden Jubiläums luden das Stuttgarter Porsche Museum und die Porsche Holding Salzburg eine Schar Journalisten dazu ein, mit der „Nummer 1“, dem Prototypen von 1948, die letzte so genannte Abnahmefahrt von damals nachzufahren – eine rund 250 Kilometer lange Tour von Gmünd nach Heiligenblut, zum Weissensee und von da wieder zurück nach Gmünd. Mit von der Partie: eine ganze Reihe von Porsche 356 verschiedener Jahrgänge zum Verkosten und ein paar moderne Modelle. Der Typ 356 war das erste Serienmodell von Porsche, entwickelt aus ebendiesem Prototypen, produziert von 1948 bis 1965.

PORSCHE

Warum Gmünd? Als in der Nacht von 19. auf 20. Oktober 1944 Bomben der Alliierten auf Stuttgart fielen, suchte Ferdinand Porsche eilig nach Möglichkeiten, das 1930 von ihm in der Stuttgarter Kronenstraße gegründete Konstruktionsbüro in eine sicherere Gegend zu verlegen. Eine logische Wahl wäre das Familienanwesen „Schüttgut“ in Zell am See gewesen, doch dort gab es zu wenig Platz. In Gmünd kaufte Porsche schließlich Grundstück und Gebäude der „W. Meinecke Holzgroßindustrie Berlin-Gmünd“, das Büro übersiedelte mit fast 300 Mitarbeitern nach Kärnten. Während Prof. Ferdinand Porsche ab 1947 in französischer Kriegsgefangenschaft saß, entwickelte sein Sohn Ferry Porsche den leichten, zweisitzigen Speedster auf Basis des Volkswagens, den sein Vater im Auftrag Hitlers konstruiert hatte, und begründete so die Sportwagenmarke Porsche.

Der Niederösterreicher Karl Rabe, Chefkonstrukteur bei Ferdinand Porsche und dessen Sohn Ferry, notierte in seinem Tagebuch über die „Abnahmefahrt“ am Fronleichnamstag 1948, dem 27. Mai: „Probefahrt über Spittal an der Drau, Obervellach, Winklern nach Heiligenblut. Wir sind dort um 10.30 Uhr und sehen eine Fronleichnams-Prozession mit interessanten Trachten. Wir essen im Hotel Sonnenhof. Wir geben eine Grußkarte an Prof. P. auf. Wir fahren weiter über Berg Isel, Greifenburg nach Weißensee, Hotel Enzian, und besuchen einen Bekannten von Hans Kern aus dem Internierungslager Wolfsberg. Wir fahren dann nach Gmünd zurück, wo wir um 21.00 Uhr eintreffen, die Gesamtfahrstrecke betrug 256 km.“

70 Jahre später. Ich zwänge mich auf den schmalen Beifahrersitz der „Nummer 1“, am Steuer sitzt ein Mitarbeiter des Werksmuseums, in dem der 356-Prototyp seit Jahren ausgestellt ist. Das Auto war in den fünfziger Jahren in die Schweiz verkauft worden, Porsche hat es irgendwann zurückgekauft und ließ es so, wie es ist, obwohl es nicht mehr dem Ur-Zustand von 1948 entsprach.

Um zu dokumentieren, wie der Prototyp anfangs ausgesehen hatte, entstand bei Porsche kürzlich ein nicht fahrbares „Showcar“, das aufgrund von Konstruktionsplänen und Fotos von damals detailgetreu dem Original nachgebildet ist – während das Original sich eben im Lauf seiner Geschichte verändert hat und da und dort, vor allem im Heckbereich, von früheren Besitzern modifiziert wurde.

Alles egal. Nur fahren! Der Museumsmitarbeiter erklärt mir, dass die „Nummer 1“ praktisch nie gefahren wird – die 250 Kilometer an diesem Tag sind die bei weitem längste Strecke, die das alte Auto seit Jahrzehnten zurücklegt. Und zwar wie? Wie ein Glöckerl! Der Mittelmotor, ein Elfhunderter-Boxermotor mit 34 PS, im Jahr 1948 zusammengeschraubt aus den Teilen gebrauchter VW-Käfer-Motoren, ist zwar weit davon entfernt, Porsche-mäßige Fahrleistungen zu liefern, aber auf 100 km/h und kurzzeitig noch ein bisserl höhere Geschwindigkeiten kann er den leichten Zweisitzer mit der Alu-Karosserie schon noch bringen. Der Vierzylinder rattert im Heck, das teilsynchronisierte Vierganggetriebe singt und beim Schalten kracht und krammelt es auch manchmal, die Radaufhängungen poltern, der Wind pfeift mir um die Ohren, weil mir die Windschutzscheibe nur ungefähr bis zum Brustbein reicht – aber all das zusammen ist wunderschön.

Peter Pisecker

Porsche Fan und Chefredakteur ÖAMTC auto touring

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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