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22 Feb

Polyamid (PA)

Polyamid ist ein thermoplastischer Kunststoff aus linearen Polymeren mit Amidbindungen auf petro-chemischer Basis. Man könnte es läppisch auch als Erdölabfallprodukt bezeichnen.

Dieser Kunststoff prägt jedoch seit etwas mehr als 80 Jahren unser tägliches Leben. Die Firma Dupont stellte bereits 1935 Nylon auf Grundlage von Polyamid 6.6 her und somit die erste rein synthetische Faser. Transparente, elastische, weiche Damenstrümpfe ließen sich daraus produzieren und der Rest ist Geschichte. Danke dafür ihr schlauen Chemiker!

Aber schon 1938 schossen deutsche Chemie-Pioniere im wahrsten Sinne des Wortes mit der Erfindung von Perlon nach und es wurde vor allem für Fallschirme, Flugzeugreifen und allerlei anderen Kriegskram verwendet, als der nach WWII nicht mehr so gefragt war, begannen auch die Deutschen daraus Damenstrümpfe zu produzieren.

Wir kennen Polyamid unter vielen Bezeichnungen, wie eben Nylon, Perlon, Antron, Tactel oder Kevlar. Chemisch gesehen unterscheiden sie sich in ihrer Struktur nicht allzu sehr. Kevlar wurde übrigens von der polnischen Chemikerin Stephanie Kwolek 1965 bei Dupont entwickelt und sollte Stahlräder an Rennautos ersetzen. Aber bald entdeckte man, dass Kevlar sich als so undurchdringbar erwies, dass man daraus kugelsichere Westen erzeugen konnte – die Kevlar Weste ist uns allen ein Begriff aus einschlägigen Filmen.

„Synthetische Chemiefasern entstehen auf Basis von Erdölprodukten (Polyamid, Polyester, Elastan, Polyacryl). Regenerierte Chemiefasern (2. Generation) werden auf der Basis von Zellulose (Viskose, Modal, Acetat, Tencel) hergestellt – dies ist voneinander zu unterscheiden.“

Polyamid eignet sich hervorragend zur Herstellung von Textilien. Wobei ich hier wirklich einmal erwähnen muss, dass man Polyamide aus den 70er Jahren keineswegs mit den high-tech Polyamiden des 21. Jahrhunderts vergleichen kann. Immer noch rümpfen die Menschen die Nasen, ob des Materials – ein Versäumnis der Textilindustrie mit diesen Vorurteilen aufzuräumen. Mittlerweile sind ein großer Teil der Gewebe und Gewirke schon sehr nah an den Eigenschaften von Naturfasern dran. Was die Belastung der Umwelt betrifft, da sind auch Naturfasern keine Kinder von Traurigkeit – man lese bitte hier!

Die herausragenden Eigenschaften des Polyamids sind extreme Elastizität und dabei ebenso Formbeständigkeit – daher ist Wolle fast immer mit Polyamiden gemischt, denn sonst ist der gute Pulli irgendwann ein Minikleid und verbeult wie eine alte Karre. Zusätzlich ist PA außerordentlich reißfest, schnell trocknend und relativ wasserdicht. Außerdem ist es knitterarm, also fast bügelfrei und gegen Bakterien und Milben resistent. Farben kommen auf Polyamid besonders strahlend zur Wirkung.

Einer der größten Nachteile von „100% Polyamid“ ist, dass es absolut nicht atmungsakitv ist – darauf begründet sich auch das Rümpfen des Näschens auf Grund der lästigen Geruchsentwicklung, sollte man zum Schwitzen neigen. Abgesehen davon verfärbt es sich durch Einwirkung diverser Chemikalien (Säuren) und kann sich bei zu starker Sonneneinstrahlung verfärben.

Großflächig werden Polyamide in der Sportbekleidung eingesetzt, also bei der Tätigkeit, bei der man mit Sicherheit schwitzt. Die meisten dieser Textilien sind so ausgerüstet, dass die entstehende Feuchtigkeit nach außen transportiert wird – stinkt zwar nicht weniger, jedoch badet man nicht im eigenen Schweiß. Weitere Einsatzgebiete für Polyamide sind Damen Strümpfe und Unterwäsche, Miederwaren und Bademode. Aber auch in Blusen-, Kleider- und Futterstoffen findet sich das Material häufig wieder, sowie in Fallschirmen, Schirmen generell, spezieller wetterfester Bekleidung und Nähgarnen.

Polyamide sind gegen verdünnte Laugen, gewisse Kohlenwasserstoffe, Alkohol, Ester, Fette und Öle resistent. Abhängig von ihrem Aufbau produziert man sie opak (undurchsichtig) bis hin zu vollkommen transparenten, glasklaren Folien. Mittlerweile verdrängen sie einen wesentlichen Anteil an Stahlteilen im Kfz-Bau, begonnen bei Kraftstoffleitungen- und Tanks, sowie Gas- und Kupplungspedalen. Glasfaserverstärkte Polyamide werden im Motorraum verwendet, kommen in Verbindung mit Stahl- und/oder Aluminium bei Stossdämpfern zum Einsatz, aber auch bei etlichen Karosserieteilen.

Im Textilbereich erleben wir Polyamid meist in Mischungen mit Naturfasern, oder eben mit speziellen Ausrüstungen. Diese Ausrüstungen werden meist bei Natur- und Chemiefasern angewendet, um den Tragekomfort der Textilien zu erhöhen, leider in allen Fällen zu Lasten der Umwelt, da diese Verfahren kaum ohne Chemikalien, die dann in den Abwässern landen (in den Hauptproduktionsländern Fernostasiens fast ausschließlich dort – bei uns hier in Mitteleuropa gibt es Gesetze dagegen), durchzuführen sind.

Tragekomfort vs. Umweltbelastung

Gebleicht wird immer, und zwar mit Wasserstoffperoxid, Natriumhypochlorit, Natriumchlorit etc. – egal welches Material, einfach um bessere Weiß- und Farb- Effekte zu erzielen. Gefärbt wird auch immer – sonst wärs ja fad. Azofarben – sollten eigentlich verboten sein – aber wer weiß schon was in Fernost alles abgeht – es gibt keine Instanz, die das kontrollieren kann. Benzidinfarbstoffe sollen auch nicht allzu gesundheitsfördernd sein – das Wort „krebserregend“ wird geflüstert.

Anti-Schmutz-Ausrüstung wird bei synthetischen Chemiefasern mittels Verwendung von Fluorverbindungen und polymeren Fluorcabonharzen durchgeführt. Sie soll die einfache Ablösung von Verunreinigungen erleichtern. Auch die Antimikrobielle Ausrüstung wird bei allen Fasern eingesetzt, um den Befall von Pilzen und Bakterien zu verhindern, speziell beim Transport quer über den Planeten.

Quelle: pixabay.com

Bei der Hydrophobierung werden Fasern wasserabweisend ausgerüstet, dazu werden allerlei Chemikalien wie Aluminium, Silikonemulsionen etc. zur Hand genommen, unter anderem auch FCKW (wo wir es jetzt doch endlich aus den Kühlschränken verbannt haben). Ich könnte jetzt noch die Deodorierung, Pflegeleicht-Ausrüstung, Hochveredelung, Anti-Filzausrüstung, Mercerisierung (damit es schön glänzt) UV-Schutz-Ausrüstung, Sanforisierung und optische Aufhellung genauer beschreiben, mit all den fantastischen Kombinationen aus dem Periodensystem.

Tatsache ist, dass die Herstellung von synthetischen Chemiefasern und all diese Ausrüstungen, die Umwelt enorm belasten, durch Wasserverbrauch und Chemikalien. In vielen Teilen der Welt, speziell in Fernostasien, wo die Textilindustrie hemmungslos wütet, werden die Menschen, die tagtäglich unter unzumutbaren Umständen und fehlender Aufklärung und Schulung, wie man mit solchen Chemikalien verfährt, geschädigt – die Umwelt sowieso.

Nicht zuletzt betrifft es natürlich auch uns Endverbraucher, die Textilien konsumieren, da auch wir all den Chemikalien ausgesetzt sind, die sich in unserer Kleidung verstecken. Aber wir schreien erst wenn der Hautausschlag juckt.

Ich muss hier leider wieder anführen, dass es kein international gültiges Textilzertifikat gibt, das eine human-ökologische Herstellung von Textilien garantiert. Warum nicht? Weil weder die großen Multis und hier spreche ich von den, die Textilwelt regierenden Monolabels, noch Regierungen in den betroffenen Staaten, noch irgendjemand hier in Europa, „wo textilproduktionstechnisch eh alles recht gut ist – und was dort in Asien passiert interessiert uns eh nicht so viel“ – sich dafür einsetzen.

Die beiden Gründe dafür sind die maßlose Profitgier und die ebenso maßlose Gleichgültigkeit der westlichen Industriestaaten, die die dreckige, lästige Textilindustrie nun endlich so weit weg verbannt haben, dass keiner das Elend und den Dreck mehr sehen muss. Zur Textilindustrie fällt mir daher immer häufiger folgendes Zitat aus „Apocolypse Now“ ein:

I love the smell of napalm in the morning. (Lt. Kilgore – Apocolypse Now)

Polly Perlon

Polly Perlon
Polly Perlon

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: polly.perlon@blog-mag.net

2 Comments
  • Stoffel

    Thank you, that is exactly what I meant.

    23. Februar 2018 at 20:33 Antworten
    • Nelly Nylon
      Nelly Nylon

      Thanks for your comment, Stoffel 🙂 We are glad you like it!

      5. März 2018 at 12:45 Antworten

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