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Liebe LeserInnen, gleich zu Beginn: Ihr könnt gewinnen, und zwar Lippenstifte von Urban Decay – und wie es funktioniert findet ihr am Ende des Posts raus!
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Vienna Fashion Week – Favorites
Die Vienna Fashion Week hat wieder begonnen, und wir stellen euch hier ein paar unserer Favoriten vor. Seid ihr diese Woche auch bei einer der Shows beim Museumsquartier dabei?
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26 Okt

MQVFW – Eine Kritik

Das Logo ist schön. Wirklich bewundernswert auch die Anstrengungen, die unternommen werden, um Wien in eine Modemetropole zu verwandeln. Schwierig.

In dieser schönen Stadt existiert keine Modeszene, in Berlin übrigens auch nicht. Im Gegenteil, einige verzweifelte Selbstverwirklicher können sich saisonal nicht entscheiden, ob sie sich der Avantgarde zuwenden wollen, oder doch eher in eine kommerzielle Richtung tendieren – „weil verkaufen woll mas schon auch“ – Fazit sind inhomogene Kollektionen.

Es ist bei der Wiener Mode Woche auch nie ganz klar, welche Saison eigentlich bearbeitet wird – wir sehen Herbst/Winter 2016 – aber warum soll uns das noch interessieren – das ist die laufende Saison. Ok – man kann ja was im Pop-Up Store verklopfen. Fairerweise muss man zugeben, dass es heuer schon wesentlich mehr Kollektionen gab, die man Spring/Summer 2017 zuordnen konnte.

Nüchtern betrachtet, haben wir es mit einer PR-Veranstaltung zu tun, die außerhalb des ersten und siebten Bezirkes eigentlich niemand wahrnimmt. Vor dem Museumsquartier wird ein Zelt errichtet das auch schon bessere Zeiten gesehen hat. Einige wichtige Herren in dunklen Anzügen, dunklen Bärten und ebensolchen Mienen, ausgestattet mit Headsets (we got a situation) hängen gelangweilt am Eingang herum, sie sind wohl engagiert um die Tickets zu checken. Im Mini-Outdoor-Bereich werden aus einem Wohnwagen heraus Köstlichkeiten auch veganer Natur verkauft. (Weil das is jetzt total modern). An einigen mäßig sauberen Stehpulten kann man diese verzehren, nicht ohne ständig von Personen, die ins Zelt drängen, angerempelt zu werden. Drinnen wird Martini Spumante zum Verkauf angeboten, nicht unbedingt der edelste aller Schaumweine, dafür mit 100%iger „Schädelweh-Garantie“. Ich verstehe, dass man sich die Sponsoren nicht immer aussuchen kann.

Das Foyer des Zeltes gibt einem das Gefühl in eine weiße Vinyl-Gebärmutter eingedrungen zu sein – ein wenig beklemmend, aber zum Trost stolpert man ständig über irgendwelche Kabel, die sich aus ihren Kanälen gelöst haben. Der eine oder andere Mercedes Benz ist zwanglos im Raum verteilt. Mercedes stellt wahrscheinlich die beste Kollektion der ganzen Fashion Week. Abgesehen davon, dass die Veranstaltung weitgehend unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit stattfindet, hat sie doch durchaus einen charmanten studentischen Touch.

Die nächste Show beginnt, alle Mode-Experten (und es sind ausschließlich solche vor Ort, denn jeder der Kleidung trägt, ist natürlich auch ein Experte für Mode – wo kämen wir denn da hin) dringen tiefer ins Zelt ein. Dorthin wo „da Ketwok“ ist, höre ich eine Dame hinter mir ihre unwissende Begleitung aufklären. Geladene Gäste, oder solche die sich ein VIP Ticket geleistet haben, sitzen in der Front Row – „das kennen wir alle selbstverständlich aus Milan, Paris oder N.Y“. Die anderen sitzen dahinter auf den großen Stufen, aber auch von dort sieht man wirklich wunderbar. Jetzt ergibt sich eine perfekte Gelegenheit das Verhalten der Besucher zu beobachten. Nein lieber doch nicht, denn bei so viel Arroganz und Affektiertheit, hysterischem Gefuchtel gemischt mit Aufmerksamkeit heischendem, hyänesquem Gelächter ist fremdschämen unvermeidlich.

Die Shows sind gut – die Stimmung auch – die Menschen freuen sich – viele der Models sind wirklich schön, aber wiederum der studentische Touch. Die Mädchen stecken schlecht in ihren Schuhen, die Absätze knicken nach innen oder außen, die Riemchen halten nicht, bei sehr kurzen Teilen, kann man selbst aus der dritten Reihe bei manchen der Mädchen blaue Flecken am Oberschenkel oder sonst wo erkennen – sowas gehört abgedeckt! Es läuft ein 1,75 cm Model neben einem 1,85 cm großem – vielleicht sollte man das auch mal überdenken. Vom Fitting möchte ich teilweise gar nicht reden. Man sollte immer davon ausgehen, dass Profis im Publikum sitzen, denen so etwas auffällt. Aber das ist bei der Wiener Modewoche wahrscheinlich eher seltener der Fall.

Streetstyle heißt der Trend. Er erinnert mich immer ein wenig an die Rechtschreibreform, ständig vorkommende Fehler wurden plötzlich für richtig erklärt – mit Streetstyle ist es ähnlich, weil es alle „bequem“ haben wollen und zu faul sind die uturale Geborgenheit ihrer Jogginghose zu verlassen, wurde dies zum Stil erhoben. „Aber das is voll Fäshion und echt trändy!“, lautet die allgemeine Devise. Mir fällt keine Modeströmung der letzten Jahrzehnte ein, die zu einer breiteren Uniformierung und Gleichschaltung geführt hätte. Es nimmt schon beinah maoistische Ausmaße an. Eine Stylistin bemerkte zu Nellys Outfit: „Woah – du bist ja voll bunt angezogen – das ist ja voll arg“ – äh??? – Nelly meinte darauf nur trocken „Schwarz kann ja wohl jeder“! Danach hätte ich gerne einen Wodka getrunken, anderswo.

Alles in allem ist die Wiener Mode Woche eine lustige Veranstaltung, man darf sie, genauso so wie die Mode, einfach nicht zu ernst nehmen.

 

Trendy is the last stage before tacky – Karl Lagerfeld
Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen.
Elvira Trevira

Elvira Trevira
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