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10 Jan

Mode ist politisch

Die Damenmode während der französischen Revolution, dem Directoire und Empire

Mode ist ein Spiegel der Zeit und oft ein Symbol der Reaktionen von Menschen auf politische und wirtschaftliche Situationen und Ereignisse. Wenn man von Mode in früheren Epochen spricht, dann handelt es sich ausschließlich darum, was Aristokraten und in späterer Folge reiche Bürger trugen, denn „the unwashed masses“, wie britische Adelige ihre Untertanen bezeichneten, waren wohl eher mit dem nackten Überleben beschäftigt, als mit modischem Firlefanz. Sie war häufig eine Form von Protest, Aufstand, der Emanzipation und auch Revolution, egal ob es sich dabei um die Jugendbewegungen der 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts oder beispielsweise die Suffragetten handelte. Sehr anschaulich kann man den politischen Einfluss auf die Mode an Hand der französischen Revolution (1789) und dem darauf folgendem Directoire sowie der napoleonischen Regentschaft, dem Empire darstellen.

Die wohl frivolste Epoche aller Zeiten, das Rokoko nahm mit der französischen Revolution ein jähes Ende. Alle Mascherln und Rüschen, Paniers und ausladende Reifröcke, so wie auch die gepuderten Perücken wurden mit der Tochter Maria Theresias, besser als Marie Antoinette bekannt, auf der Guillotine hingerichtet und das Rokoko mit ihnen zu Grabe getragen.

Schon im drauffolgenden Jahr orientierten sich die Pariserinnen an der englischen Damenmode, übernahmen die breitkrempigen Hüte aus Stroh oder leichtem Filz, die mit einer Schleife unterm Kinn getragen wurden und im deutschsprachigen Raum als Schuten bezeichnet wurden. Dazu wurden lange Mäntel die „riding-coats“ in Frankreich als „Rèdingote“ bezeichnet, die recht männlich wirkten und ein doppeltes oder dreifaches Revers aufwiesen, getragen. Viele Frauen erhofften sich durch das neue Regime eine politische Besserstellung und verliehen mit Jacken und Westen, die von Schnitt und Verzierung durch Korkaden (kreisförmige Abzeichen) durchaus an militärische Uniformen erinnerten, damit Ausdruck. Wer zu dieser Zeit noch eine gepuderte Perücke aus dem Jahr davor trug, musste damit rechnen als Royalist hingerichtet zu werden. Durch Spekulationen und allerlei schräge Geschäfte etablierte sich eine Klasse von Neureichen (nouveaux riches) die diesen Reichtum selbstverständlich in ihrer übertriebenen, höchst farbenfrohen Kleidung zum Ausdruck bringen mussten, jedoch zumeist leider geschmacksbefreit waren und daher zum Gespött der restlichen Pariser wurden. Selbstverliebt beschrieben sie sich als Incroyables et les Merveilleuses (unglaublich und wunderbar). Das übrige Europa übernahm immer mehr den englischen Bekleidungsstil, wohl auch deshalb, weil es keine Pariser Modemagazine mehr gab.

Das Règime de Terror unter Maximilien de Robespierre endete 1794 („die Revolution frisst ihre Kinder“) und darauf folgte die fünfjährige beinahe demokratische Regierung des Directoire bis 1799. Hier kann man schon eine Entwicklung in Richtung Biedermeier erkennen, das zur Zeit des Wiener Kongresses (1814/15), bei dem es anscheinend nichts Besseres zu tun gab als den skandalösen Walzer zu tanzen, seinen Höhepunkt fand. Das Directoire gab den Bürgern die Macht und Familie, Heim und Tugendhaftigkeit traten in den Vordergrund. Die Mode ließ sich von der Antike inspirieren. Ab 1800 waren dünne, luftige mädchenhafte Kleidchen, deren Taille sich unter der Brust befand und die kleine Puffärmelchen zeigten der letzte Schrei, man nannte sie Chemise-Kleider. Muster und Stickereien waren sehr zart. Das Korsett wurde nach Jahrhunderten beiseite gelegt und die hauchdünnen Mousellin- oder Seidenstoffe ließen die Form des Körpers erahnen. Tiefe Dekolletès und eine kleine Schleppe am hinteren Ende des schmalen Rockteils, die man in der Hand trug, waren ein „must“. Um 1800 trug man unterhalb des Kleides noch ein fleischfarbenes Trikot (Unterkleid). An ihren mehr oder weniger zarten Füßchen zeigten die Damen Ballerinas, ganz hartnäckige Verfechterinnen der Mode à la Grecque liefen einfach barfuß. Was natürlich zur „Mousellinkrankheit“ führte – wie man sich leicht denken kann, wenn man unser west- und mitteleuropäisches Klima kennt, handelte es sich dabei um Erkältungskrankheiten. (Hatschi! Rote Schnupfennasen waren wohl auch damals nicht besonders anmutig).

Schon vor dem offiziellen Beginn des Empire, das begann als sich Herr Napoleon Bonaparte 1804 sein Krönchen aufsetzte, wurden die Kleider häufig hinten oder vorne geschlitzt und man konnte darunter den meist andersfärbigen Unterrock erspähen. Dieser wurde als „robe en tablier“ (Schürzenkleid) bezeichnet und endete manchmal auch in Kniehöhe – mon dieu! Als Alternative zum Tricot als Unterwäsche, gab es auch enge, fleischfarbene „pantalons“ (Tricothosen), die waren zu dieser Zeit anscheinend selbst den Franzosen zu scharf, wurden auch gleich wieder verboten und durch rüschenbesetzte Leinenhosen ersetzt, die „calecons“. Die Kleidung dieser Zeit war eine Hommage an das Römische Reich, an Form und Schnitt veränderte sich im Vergleich zum Directoire kaum etwas, jedoch wurden wesentlich edlere imperialere Stoffe, Materialien, Stickereien und Bordüren verwendet. Verarbeitet wurden Samt, Seide und schwerer Atlas, man kombinierte diese Stoffe mit prunkvollen Gold- und Silberstickereien. Die Farben strahlten kräftig und leuchtend, die Pastelle aus den vorangegangenen Jahren waren passè. Accessoires, wie Hüte aus Stroh und Filz mit Federn, Blumen und Bändchen, sowie Handschuhe, Fächer und Sonnenschirme nahmen an Bedeutung stark zu. Das It-Girl dieser Zeit war Joséphine de Beauharnais, sie war die Gattin von Bonaparte und Stilikone und Fashionista ihrer Zeit. Sie liebte den Medici-Kragen, der meist aus sehr transparenten Stoffen gefertigt war und durch Fischbein zum Stehen gebracht wurde. Auch Kaschmirschals waren beliebt, oft mit paisley-artigen Mustern. Zu den kurzen Puffärmeln wurden lange Handschuhe, die bis über die Ellenbogen reichen konnten, getragen. Als „Canezou“ bezeichnete man ein kurzes Spenzerjäckchen mit langen Ärmeln. Die Ballerinas (escarpins) zeichneten sich durch höchst aufwendige, luxuriöse Stickereien aus und waren wie die Handschuhe oftmals aus weichem Glacèleder gearbeitet. Der „Tituskopf“ war der Hairstyle der Stunde, alle Haare wurden kurz geschnitten und in flachen Locken an den Kopf geklatscht, lang hielt sich der Stil jedoch nicht, man beschränkte sich danach darauf nur die Stirn mit kleinen Löckchen zu umranken und die restlichen langen Haare wurden zu kunstvollen Knoten hochdrapiert, dafür oft mit Perlenschnüren geschmückt. Neben der schon länger bekannten Schute trugen die Damen zylindrische Kopfbedeckungen, meist ohne Krempe, aber auch Baretts, alles natürlich reich verziert mit Blumen, Federn, Schleiern oder Edelsteinen. Ganz besonders „en vogue“ waren Turbane, Schmuck in allen Varianten und üppig aufgetragen ein ganz großes Thema. Mehrreihige Perlenketten, Kameen und vor allem Diademe galten als unerlässlich. Die erste Handtasche stammt aus dieser Zeit und nannte sich „Ridicule“, war ein kleiner ballartiger Beutel und ebenfalls opulent verziert, man ließ ihn nonchalant vom Handgelenk baumeln. Das Schirmchen, einfach „state of the art“, war immer dabei um sich vor der bösen Sonne zu schützen, denn Sommersprossen oder gar eine gebräunte Haut empfand man als ordinär.

Um 1810 herum drangen schon Elemente der Biedermeier-Mode ins Empire ein, ab 1820 war der Übergang abgeschlossen. Normalerweise beschäftigen wir uns in „History of Fashion“ ausschließlich mit Damenmode, weil die einfach viel spannender ist. Zu erwähnen ist aber dennoch, das ab 1815 die Männer erstmals lange Hosen und Zylinder trugen.

Mode hat immer was zu sagen, in früheren Zeiten war es wahrscheinlicher politischer als heute – einerseits ist sie oft ein Zwang, anderseits vermittelt sie uns auch Freiheit. Wir entscheiden was wir mit ihr ausdrücken wollen.

Libertè, Fraternitè, Egalitè!

Elvira Trevira

Elvira Trevira
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Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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