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18 Jan

Marlene, Marlene

Ihre Filme sind wahrscheinlich schon lange in Vergessenheit geraten. Sie selbst hielt sich auch nicht gerade für die allergrößte Schauspielerin und Sängerin. Sie war aber die erste, die sich immer wieder neu erfand und inszenierte. Leidenschaftlich kontrollierte sie ihren Look vor und hinter der Kamera, was sie wohl zu einer der größten Stilikonen aller Zeiten machte.

1901 in Berlin geboren, genoss sie eine fundierte schulische Ausbildung, die sowohl Englisch-, Französisch-, sowie auch Geigen- und Klavierunterricht umfasste. Nach abgebrochenem Studium an der Weimarer Musikhochschule, tingelte sie durch verschiedene Varietès, kam zum Theater und spielte in 16 deutschen Filmproduktionen, etliche davon noch Stummfilme, mit. 1930 gelang ihr der Durchbruch als Lola Lola im Film „Der Blaue Engel“, vom österreichisch-amerikanischen Regisseur Josef von Sternberg. Ihre superlangen Beine und die rauchige Stimme wurden zu ihrem Markenzeichen, ihr Kostüm, die Strapse und der Zylinder mit sonst fast gar nichts, lösten einen Skandal aus. Der Song „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ wurde ein Welthit. Es gab auch eine englische Version des gesamten Machwerks, was ihr den Weg nach Hollywood ebnete.

Sie wurde sogleich von Paramount unter Vertrag genommen, wo sie auch Travis Banton kennenlernte, neben Orry Kelly, Irene Lentz Gibbon und der unvergessenen Edith Head, einigen der bedeutendsten Kostümbildnerinnen dieser Zeit. Er zeichnete auch für den Smoking verantwortlich, den sie in dem Film “Marokko“ trug als sie in einer Szene eine Frau küsste und damit knapp der Zensur und dem nächsten Skandal entrann. Hosen waren von da an ihre ständigen Begleiter, sie machte sie salonfähig und sie unterstützten Marlene bei ihrem Spiel mit der Androgynität. Auch heute noch bezeichnet man gerade, weiter geschnittene Hosen mit hoher Taille als „Marlene Hosen“.

Banton entwarf mit ihr gemeinsam schmale Kleider, die ihre langen Beine hervorhoben. Meist einfach vom Schnitt, entstand der Effekt durch die edlen Materialien, wie beispielsweise Satin oder Perlen-Stickereien sowie Pelz-Applikationen. Im Film „Angel“ aus 1937 trägt sie ein solches perlenbesticktes Seiden-Chiffonkleid mit Zobel. Damals 8000 USD – heute wahrscheinlich unbezahlbar. Travis Baton kreierte und kultivierte gemeinsam mit Marlene Dietrich deren unverwechselbaren Stil. Edith Head, Travis Bantons Protegè bei Paramount äußerte sich zur Symbiose Dietrich – Baton wie hier original zitiert:

“That was a story. Don’t forget Banton and Dietrich together built up almost a legend of an exotic, super high fashion look, which on another person would have looked ridiculous. She could get away with it. It was almost a signature, the feathers, the veils, the furs, the glitter, the glamour.”

Im Jahr 1939 nahm sie die amerikanische Staatsbürgerschaft an und Goebbels schäumte vor Wut, da sie es öffentlich ablehnte nach Deutschland zurückzukehren und sich bei horrenden Gagen für die Nazifilmpropaganda einspannen zu lassen. Dafür unterstützte sie lieber die amerikanischen GI`s an der deutschen Front durch ihre Auftritte, was ihr die von Präsident Trueman verliehene Freiheitsmedaille bescherte.

Ab den 1950er Jahren widmete sie sich fast nur mehr ihren „One Woman Shows“. Bei ihren Auftritten in Las Vegas, dem Olympia in Paris oder in London begeisterte sie ihr Publikum mit ihrem einzigartigen Sprechgesang. Dabei zeigte sich die Dietrich in den Roben des Kostümbildners Jean Louis, die enormes Aufsehen erregten. Ein in Italien extra für sie produzierter Stoff, den man „Souffle“ nannte und der in Marlenes Hautton gefärbt war, wurde auf ein Mieder appliziert, bei der Anprobe hunderte von Perlen, Pailletten und Straß-Steinchen angesteckt und in weiterer Folge festgenäht. Man hatte den Eindruck die Dietrich sei nackt, jedoch mit leuchtenden, blitzenden Sternen übersäht. Sie erklärte diese opulenten Schneiderkunstwerke so: „Ich kann nicht singen. Also muss das, was ich trage, eine Sensation sein“. Darüber trug sie häufig den legendären Schwanenmantel, der eine runde Schleppe und Trompetenärmel aufwies und aus lauter weißen Schwanenfedern bestand. Angeblich mussten dafür mehr als 3000 Vögelchen ihr Leben lassen. (Das kommentiere ich jetzt nicht).

Ende der 50er Jahre spielte sie noch ein letztes Mal unter Billy Wilders Regie in „Zeugin der Anklage“, danach noch in zwei Filmen, einer davon war „Schöner Gigolo, armer Gigolo“ (1979) mit David Bowie gemeinsam und gleichzeitig auch Marlenes letzter Film – anschließend zog sie sich völlig aus dem Business zurück und lebte bis zu ihrem Tod 1992, ausschließlich übers Telefon mit der Außenwelt kommunizierend, in ihrer Pariser Wohnung. In der Oscar-nominierten Dokumentation über ihr Leben von Maximilian Schell, erklärte sie ihre Unwilligkeit sich fortan abbilden zu lassen folgendermaßen: “I have been photographed to death…“

Glamour is what I sell – it is my stock in trade. (Marlene Dietrich)

Elvira Trevira

Elvira Trevira
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