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7 Jan

La Bella Nussy

Wer hat die wasserfeste Wimperntusche erfunden? Man ist überrascht, wenn man herausfindet es war in den späten 20er Jahren und ihr Name war Helene Winterstein-Kambersky aus Wien, ihres Zeichens Konzertsängerin. Ihre Firma La Bella Nussy hat den Sitz immer noch in der Hegelgasse 6, im ersten Wiener Gemeindebezirk.

Bei meinem Besuch der Ausstellung über Helena Rubinstein im Jüdischen Museum der Stadt Wien, stieß ich auf eine kleine Tafel mit der Überschrift La Bella Nussy und lernte, dass es sich hierbei offensichtlich um die Erfinderin der wasserfesten Wimperntusche handelte. Die übrigens den absoluten Segen für den weiblichen Teil der Bevölkerung darstellt, ohne sie würden wir bei Hitze, nach Weinkrämpfen und ähnlichen Katastrophen, aussehen wie verzweifelte Waschbären.

Quelle: www.flaticon.com

Ich dachte, das ist ja eine interessante Geschichte, recherchierte im allwissenden Netz und bat anschließend Frau Katharina Kambersky um einen Gesprächstermin. Ich wurde auf das Herzlichste im inneren Sanktum (dort wo alles geschah) der Hegelgasse empfangen und lauschte gespannt der Erzählung über das erstaunliche Leben einer unglaublichen Frau.

Helene Vierthaler kam am 13. März 1900 in Wien zur Welt und wuchs in Hietzing mit ihren drei Geschwistern auf. Als kleines Mädchen gab man ihr den Kosenamen Nussi, damals noch mit „i“ geschrieben, den sollte sie später zu ihrem Firmennamen machen, allerdings mit einem schicken „y“ am Ende. Helenes, also Nussis Urur-Großvater, Michael Vierthaler, ein Komponist, studierte bei Mozarts Vater, sowie bei Haydn Musik, auch förderte er Franz Schubert. Übrigens gilt er als der Begründer des österreichischen Volksschulwesens. Nussys Vater war Arzt, die Mutter ebenfalls musisch sehr begabt. Helene startete ihre Gesangskarriere in den frühen 20er Jahren, erhielt vielfache internationale Auszeichnungen, heiratete ihren ersten Mann, war fortan Helene Winterstein und alles schien fantastisch zu laufen.

Quelle: interbeauty.de

Das junge Paar zog in eine neue Wohnung, Winterstein war Kameramann und Drehbuchautor, als solcher sollte er später in Hollywood Karriere machen. Das neue Heim wurde renoviert und frischgestrichen, damals aber leider mit bleihältigen Lacken und dieser Umstand sollte das Leben von Helene für immer verändern. Die Bleivergiftung war eine schleichende Krankheit und obwohl sie sich häufig schwach und elend fühlte, arbeitete sie dennoch unermüdlich an ihrer Gesangskarriere.

Quelle: www.labellanussy.com

Zu dieser Zeit wurden am Theater die Wimpern noch, ja unglaublich – mit Schuhpaste geschminkt. Dieser Umstand hatte zur Folge, dass im grellen Scheinwerferlicht das Make Up, aber vor allem die gefärbten Wimpern zu zerrinnen begannen, wir sind wieder beim Waschbär-Look und den fand Nussy gar nicht attraktiv.

Helene, in der Zwischenzeit von Herrn Winterstein geschieden, lebte zu diesem Zeitpunkt mit ihrem zweiten Mann und ihrer Mutter bereits in der Hegelgasse 6 im ersten Bezirk. Dort begann sie in ihrer Küche an einer wasserfesten Mascara zu experimentieren und ebenda entstand auch ihre radikale Erfindung, die die Welt der Mascaras für immer verändern sollte. Nach etwa 2000 Versuchen fand der Durchbruch statt, das Patent wurde angemeldet, zuvor aber ließ die schlaue Helene noch den Namen La Bella Nussy schützen.

Diese ursprüngliche Wimperntusche unterschied sich in der Anwendung etwas von den Produkten mit Bürstchen, wie wir sie heute kennen. Es handelt sich um eine Tube, die mit der Wimperncreme befüllt ist. Die Wimperncreme besteht aus aromafreiem Kohlenwasserstoff, Wasser, Bienenwachs, Leinöl, Nelke, sowie Rizinusöl und kommt völlig ohne Harze aus, die die Wimpern spröde machen und sie brechen lassen. Diese Mixtur wird bis heute per Hand gerührt, in Österreich hergestellt, ist von cremiger Konsistenz und verleiht den Wimpern den charakteristischen „La Bella Nussy“ schimmernden Seidenglanz.

Zur mit der Wimperncreme befüllten Tube, bekam man ein der Länge nach gerolltes Papierstäbchen, durch die Überlappungen der gewickelten Papierlagen entstand eine Rillenform, die ein exaktes Auftragen der Mascara ermöglichte. Später wurde dieses Papierröllchen durch ein gerilltes Kunststoffstäbchen ersetzt. La Bella Nussy Mascara eignet sich auf Grund der natürlichen Ingredenzien auch hervorragend für Allergiker.

Mittlerweile war Helenes Krankheit schon so weit fortgeschritten, dass sie den größten Teil der Zeit an den Rollstuhl gefesselt war. Nach der Firmengründung verkaufte sie die Lizenz zur Produktion der wasserfesten Wimperntusche an Helena Rubinstein, die nach ihrem Motto „Quality is nice, but quantity makes the show“ voll einstieg und dadurch zu unrechter Weise für deren Erfinderin gehalten wurde.

Während WWII war dann mal Stillstand in der Mascara-Welt. Aber gleich danach, startete Helene wieder voll durch und erschloss die Märkte des ganzen heutigen EU-Bereichs, exportierte nach Übersee bis Hawaii, Australien und Israel. Auch ließ sie sich von ihrer Behinderung keineswegs in ihrem Lebensstil einschränken, reiste in amerikanischen Straßenkreuzern an die Riviera und den Rest Europas, eroberte Berggipfel und arbeitete natürlich emsig in ihrer Firma. Ihr einziger Sohn unterstützte sie in der Entwicklung neuer Produkte, ihm ist die La Bella Nussy Turbomatik, eine zusätzliche Variante der ursprünglichen Mascara zuzuschreiben, die am südeuropäischen Markt jahrelang als Marktführer des Segments galt.

La Bella Nussy – und sie war wirklich eine schöne Frau (wie man mir berichtet auch ein wenig eitel, aber das dürfen wir Damen ja sein) – Helene Winterstein starb am 6. Dezember 1966 in der Hinterbrühl bei Wien, nach einem leider viel zu kurzem, jedoch unglaublich spannendem Leben.

Die Firma La Bella Nussy besteht immer noch, auch die Headquarters befinden sich nach wie vor in der Hegelgasse 6, dort wo alles begann. Schon extrem früh, nämlich 1998 investierte man in Homepage und Online-Versand www.labellanussy.com. Aus diesem Grunde floriert das Geschäft mit der Mutter aller wasserfesten Mascaras nach wie vor weltweit.

Die Produktpalette wurde mit den Jahren natürlich erweitert, jedoch immer straff gehalten. Für seidig-schimmernden Wimpernglanz empfehlen wir von Blog-mag.net zur bevorstehenden Ballsaison natürlich die Original-Mascara, die in den Farben Schwarz, Braun und Dunkelblau erhältlich ist. Künftig wird die Farbpalette auf saisonale Töne erweitert werden, ich persönlich freue mich schon auf einen blau-grüngehaltenen Petrol-Ton. Ein absolutes „Must“ zur Pflege der Wimpern ist der La Bella Nussy Wimpernbalsam.

Besonders freut sich Katharina Kambersky über die vielen Zuschriften, die täglich aus aller Welt in ihrer Inbox landen, oder von den schon etwas betagteren Fans per Post eintrudeln. Eine der ältesten La Bella Nussy Kundinnen lernte das Produkt 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin kennen und ist ihm bis heute treu geblieben. Die Dame zählt bereits etwas mehr als 90 Lenze. Für Katharina Kambersky verkörpert die modern denkende Helene Winterstein eine Brückenbauerin ihrer Zeit, die durch ihre Erfindung Menschen, Nationalitäten und Generationen von Frauen miteinander verbunden hat.

The trouble with life is that there are so many beautiful women and so little time. (John Barrymore amerik. Schauspieler 1882 – 1942)   Elvira Trevira

Elvira Trevira
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Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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