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4 Mrz

Kleiderschrank des Westens

Die Kosten für Damenbekleidung sind in den letzten zehn Jahren um ungefähr 15% gefallen, von „Fast Fashion“ sprechen wir seit gut 25 Jahren. Aber nicht nur die üblichen „Verdächtigen“, im Fachjargon Monolabels genannt, ich nenne sie Textildiskonter, lassen in der Textilhölle Südostasien produzieren. Auch angesehene internationale Marken wie Boss, Esprit, Tommy Hilfinger, Calvin Klein und so weiter beauftragen die gleichen Fertigungsbetriebe wie H&M, Zara, Forever 21, Mango, Ikea, Monoprix und Konsorten.

Die Hauptlieferanten für unsere mehr oder weniger billigen Klamotten sind China, Bangladesh und Indien. In Bangladeshs Hauptstadt Dhaka leben rund 15  Millionen Menschen, erst seit 2004 müssen Geburten den Behörden gemeldet werden. Bangladesh ist der zweitgrößte Textilproduzent der Welt, 80% der Produktion fließen in den Export. In Dhaka gibt es offiziell 4000 Fabriken, wobei die Dunkelziffer auf das Doppelte geschätzt wird. In diesen Textilfabriken arbeiten 3,5 Millionen Menschen, die meisten davon sind Frauen und Mädchen. Die gesetzliche Arbeitszeit für ab 18-jährige liegt bei 60 Stunden in der Woche (bei 6 Wochentagen), das Mindestalter um in einer Textilfabrik zu arbeiten muss 14 Jahre betragen. Tatsache ist aber, wie viele Dokumentationen belegen, dass schon 12-jährige täglich bis zu 19 Stunden arbeiten (je nach Auftragslage), sie von den Fabriksaufsehern eingeschüchtert, beschimpft oft auch geschlagen werden, Lohnkürzungen sind häufig der Fall, das alles für einen Mindestlohn von 48 Euro im Monat. Sie leben zumeist in Slums, nahe den Fabriken unter katastrophalen hygienischen Zuständen und dicht aneinander gedrängt.

Aber wo beginnt der Wahnsinn? In Hongkong. Dort wird jährlich ein Umsatz von 3,5 Milliarden Dollar im Textilbusiness erwirtschaftet. Vor einigen Jahren noch hatten die Lieferanten 45 Tage Zeit um einen Auftrag fertigzustellen, heute sind es für das gleiche Auftragsvolumen nur noch sechs bis zehn Tage. Ja, die Kleiderschränke des Westens sind gefräßig. Hongkong ist die internationale Drehscheibe des Textilbusiness. Riesige Agenturen und die Style-Büros der großen Marken sitzen dort. Eine dort ansässige Agentur, sie fertigen Shirts für Ralph Lauren, Hilfinger, Lacoste, Boss und viele andere klingende Namen, gibt an, dass jede Sekunde 7 Shirts in ihren Produktionsstätten genäht werden. In Hongkong passiert alles – vom Design, über den Deal mit den Materialien und vor allem die Vergabe an die Produktionsstätten im südostasiatischen Raum. Die meisten Fabriken geben Aufträge oft an Subunternehmer weiter, da die eigenen Kapazitäten häufig schon ausgereizt sind. Tatsache ist, die Auftraggeber wissen immer, wo ihre Waren produziert werden.

Unser großer spanischer Freund aus Zaragoza verzeichnete 2015 einen Jahresumsatz von 1,36 Milliarden Euro – es geht sich dann schon aus, dass man sich mit Mr. Gates oder Mr. Slim um Platz 1 auf der Forbes Liste der reichsten Männer matched. Interessant aber, dass Zara Vorwürfe bezüglich Kinderarbeit, unzumutbaren Arbeitszeiten und grundsätzlich menschenunwürdiger Behandlung in ihren Vertrags- sowie Subunternehmen einfach wegwischt. Das pressescheue Unternehmen war zwar zu einem Interview bereit, aber lediglich an der Quelle der Informationen interessiert. Nach Bereinigung einiger der Missstände verlangte man Berichterstattung darüber. Was wollen die? Ein Fleißkärtchen dafür, dass sie Menschen ausbeuten? Ähnliche Statements kommen auch von Hilfiger, Esprit etc. Boss streitet sowieso alle Vorwürfe kategorisch ab – danke – sympathisch!

Am kritischsten ist die Situation wohl in Bangladesh, denn auch in der Hafenstadt Chittagong, von der die meisten Waren aus verschifft werden, und die als Hauptproduktionsstätte für Designerlabels gilt, liegen die Durchschnittslöhne nur bei maximal 60,– Euro im Monat. Was in Bangladesh noch hinzukommt ist, dass viele Fabrikbesitzer auch in der Regierung sitzen. Mehr muss man dazu wohl nicht sagen. Aber die großen Multis, wie Walmart und Freunde, denken bereits ohnehin darüber nach, in Richtung Myanmar (vormals Burma) weiterzuziehen, denn dort kann man dann nochmals um ein paar cent günstiger produzieren.

Es ist völlig egal, ob Markenware oder Massenware produziert wird, oft passiert das in den selben Fabriken und die Arbeiter verdienen immer gleich wenig. Die Spannen liegen bei den Designerlabels natürlich wesentlich höher, aber das ist halt so, wenn man in sauteure Werbe- und Imagekampagnen investiert. Wer günstig shoppen will, soll bitte nicht nachfragen, weil sonst gefällt einem der 95. Fetzen von Primark vielleicht gar nicht mehr – uiii – das wär dann ja voll schlimm!

Wer mehr über das Thema wissen will, dem kann ich folgende Dokumentationen empfehlen:

https://www.youtube.com/watch?v=rEubjxF4Nz0

https://www.youtube.com/watch?v=VHeX-FSsFtU

https://www.youtube.com/watch?v=Q741ze5nJn0

Manchmal überlege ich, was es wohl für eine Auswirkung auf das Leben dieser Menschen hätte, wenn all die Multis und Global Player jährlich nur einige Millionen ihres Gewinnes zur Verbesserung der sozialen und ökologischen Situation reinvestieren würden? Aber das ist wahrscheinlich sehr naiv von mir! Sicher ist, solange wir unser Konsumverhalten nicht ändern und unsere Schränke weiterhin mit Kleidungsstücken mästen, wird sich nichts ändern.

 

Wir leben auf Kosten der dritten Welt und wundern uns, wenn das Elend anklopft. (Gregor Gysi, dt. Politiker)

Elvira Trevira

Elvira Trevira
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Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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