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31 Okt

Rubinstein – „First It-Girl Ever“

Von der ganzen Welt ließ sich die nur 1,46m große Helena Rubinstein mit „Madame“ ansprechen, ihre Ehemänner mussten sie „Princess“ nennen. Von Null auf Hundert Millionen Dollar in 94 Jahren.

Helena Rubinstein (1870 – 1965) stampfte die Kosmetik- Industrie förmlich eigenhändig aus dem Boden, zuvor gab es meist herumziehende Quacksalber die Cremen und Tinkturen aus dem Köfferchen, an die, die es sich leisten konnten, verscherbelten. Helena, aus einer Krakauer jüdischen Familie stammend, entwickelte schon am Beginn ihrer Karriere einen Masterplan – davon handelt die noch bis 6. Mai 2018 laufende Ausstellung im Jüdischen Museum der Stadt Wien.

In Krakau und Zürich studierte Helena, diesen Namen borgte sie sich übrigens von einer Tante – eigentlich hieß sie Chaja, Medizin. Man nimmt an, dass sie das Elternhaus vorzeitig verließ um einer arrangierten Eheschließung zu entgehen.

Ihre nächste Station war Wien, wo sie sich bei Verwandten aufhielt (später in den Jahren 1932 – 1939 sollte sie einen Kosmetiksalon am Kohlmarkt 8 etablieren), jedoch von hier weiter nach Australien zog, dem Ursprungsland ihres Erfolges.

Hier war sie vorerst auf den Schaffarmen ihrer Onkels tätig, wo sie bereits die Cremen, die ihr die Mutter aus Europa mitgab, an die Farmerinnen, die Helenas zarten weißen Teint bewunderten, verkaufte. Die Idee war, diese Produkte vorerst zu importieren und später selbst herzustellen. Die Ödheit der Farmen ließ sie bald hinter sich um einen Job als Servierkraft in einem Teesalon in Melbourne anzutreten. Währenddessen verkaufte sie die selbstzubereitete „Creme Valaze by Dr. Lykuski, the most celebrated European skin specialist“ zu sehr hohen Preisen, da unter anderem „seltene karpatische Kräuter“ darin beinhaltet waren. Wie weit dies der Wahrheit entsprach und ob es jemals einen Dr. Lykuski gab, sei dahingestellt, jedoch zeigte Helena bereits zu dieser Zeit ihr beachtliches Marketing-Talent und den Erfolg ihrer Emsigkeit krönte sie mit der Eröffnung ihres allerersten Kosmetiksalons in Melbourne (1902). Weitere folgten in Sydney und Auckland.

Sie war ihr eigenes Testimonial und vermittelte der Damenwelt voll Überzeugung: „Es gibt keine hässlichen Frauen, nur solche, die faul sind.“

Der Gedanke, durch aufwendige Pflege mittels Einsatz von Kosmetika schön zu sein, zieht bis heute. Ihr australisches Geschäft vertraute sie zwei ihrer Schwestern an und begab sich nach Paris um sich bei dem Dermatologen Dr. Berthelot weiterzubilden.

1907heiratete sie den schon früh in die USA emigrierten, ebenfalls aus Krakau stammenden, jüdischen Journalisten Edward William Titus. Ein Jahr später, bereits schwanger, gründete sie einen Salon in London, 1912 einen in Paris. Zu Beginn des WWI wanderte die Familie nach Amerika aus, wo Helena eine weitere Filiale eröffnete. In den nächsten Jahren entwickelte Helena Rubinstein eine Kosmetiklinie, die ihren Namen trug und mit der sie ein abgerundetes Produktprogramm anbot.

Zwei Drittel der „Rubinstein Inc.“ verkaufte sie 1928 an die Lehman Brothers um 7,3 Millionen USD – nach dem Börsencrash erwarb sie ihre Firma um 1,5 Millionen Dollar wieder zurück. In den Folgejahren war Helena mit dem Ausbau ihrer Firma beschäftigt, investierte in Kunst, Schmuck, frönte ihrem Hang zu exklusiver Mode. Zu ihren Freunden zählten Picasso (der sie trotz heftigen Insistierens nie porträtierte), Matisse, Modigliani, Chagall oder Schriftsteller wie Faulkner und Hemingway. Auch zu Couturiers wie Lanvin, Chanel und Dior unterhielt sie enge Kontakte. Kunst, Mode und Kosmetik hängen eng miteinander zusammen und finden ergänzende Synergien, die Helena schlau nutzte.

In den 20er Jahren entwarf sie den „Vamp Look“ für die Stummfilm-Stars Pola Negri und Theda Bara, der hauptsächlich aus schwer schwarzumrandeten Augen bestand und der Trägerin ein exotisch-mystisches Aussehen verlieh. Etliche Errungenschaften in der Kosmetik, wie zum Beispiel das System zur Erkennung von Hauttypen, Teintfarben in unterschiedlichen Nuancen, um alle Ethnien zu bedienen, sowie Selbstbräunungscremes, gehen auf Helenas Konto. Sie ist auch dafür verantwortlich, dass wir jetzt Tag- und Nachtcremen verwenden, da sie schon unseren Großmüttern diese unabdingbare Notwendigkeit suggerierte.

Quelle: www.doctormacro.com

Der Wiener Sängerin und Erfinderin Helene Winterstein-Kambersky kaufte sie 1936 die Lizenz zur Produktion für die „wasserfeste Wimperntusche“ ab. Dieses Produkt wurde bei der New Yorker Weltausstellung 1939 mittels eines Wasserballetts lanciert. Erst die Recherchen des Jüdischen Museums für die Ausstellung brachten die Tatsache ans Licht, dass dieser Artikel von Winterstein-Kambersky entwickelt wurde, bis dato glaubte man, die „wasserfeste Wimperntusche“ sei eine Erfindung Rubinsteins gewesen. Auch hier trat wieder Helenas ausgeprägter Sinn fürs Marketing zutage wie folgendes Zitat belegt: „Quality is nice, but quantity makes the show.“

themag.helenarubinstein.com

1937ließ sie sich scheiden um nur unwesentlich später einen georgischen Prinzen zu heiraten, der schlichte 26 Jahre jünger war – auch in dieser Beziehung eine Vorreiterin ihrer Zeit – man könnte sie „first cougar ever“ nennen. Dieser Prinz wurde mittels des ersten Kosmetik-Salons für Männer dem „House of Gourielli“ beschäftigt, wo Männern kosmetische Behandlungen zu Teil wurden, mit Optionen für Lunch im Obergeschoß, sowie Zugang zum Börsenticker. Very 21st Century!

Als ihre größte Konkurrentin entpuppte sich die Kanadierin Elizabeth Arden, eine „WASP“ Prinzessin, die als knallhart antisemitisch und auch homophob galt. Ihr Imperium war in „Zuckerlrosa“ aufgezogen und Anekdoten über die Rivalität der beiden Kosmetik-Gigantinnen sind legendär. Aber auch der jüdische Charles Revson, mit seinem Nagellack Label „Revlon“ war Helena marketing-technisch gesehen, durchaus ein Dorn im Auge.

Eine der größten Fabriken der damaligen Zeit, baute sie 1953 in der Nähe New Yorks, was Helenas Stellenwert als erste Self- Made-Millionärin manifestierte. Auch auf anderen Kontinenten wurden überaus durchrationalisierte Produktionsstandorte eröffnet, unter anderem in Deutschland, Frankreich, UK und Israel sowie Japan, Kanada, Australien und Südamerika. Im Marketing beschritt Helena völlig neue Wege, so engagierte sie für ihre Slogans namhafte Schriftsteller, für die Grafik ihrer Plakate, Anzeigen und Verpackungen ließ sie berühmte Künstler und Designer antreten. Auch ein hauseigenes Magazin wurde auf den Markt gebracht. Ihre Salons glichen Tempeln der Schönheit.

Rubinstein ließ in Tel Aviv ein Museum für Moderne Kunst, den Helena-Rubinstein-Pavillon, erbauen. Ein Lehrstuhl für Chemie wurde am MIT eingerichtet und die Helena Rubinstein-Foundation, die bis heute Wissenschaftlerinnen fördert, gegründet. Grundsätzlich jedoch galt sie als äußerst sparsam, trug niemals Bargeld mit sich, ließ aber gern ihre Begleitung Restaurant-Rechnungen bezahlen. Auch kursiert die Legende, dass sie stets mit einem von zu Hause mitgebrachten braunen Papier-Jausensackerl, das Büro betrat, in dem sich harte Eier, Hendelhaxerln oder eine Krakauer befanden. Wohl ein Überbleibsel ihrer Kindheit in Polen, die hauptsächlich darin bestand, sich um ihre jüngeren Geschwister zu kümmern. Diese und deren Nachkommen arbeiteten ebenfalls fast alle im Familien-Betrieb Helena Rubinstein.

Helena „Chaja“ Rubinstein starb 94-jährig am 1. April 1965 in einem N.Y Hospital, sie wurde in ihrem Lieblingskleid von Yves Saint Laurent bestattet. Ihr Erbe umfasste 100 Niederlassungen in 14 Ländern, in denen etwa 30.000 Mitarbeiter beschäftigt waren. Ihr Privatvermögen betrug mehr als 100 Millionen US- Dollar, sowie Immobilien, Schmuck und ihre umfangreiche Kunstsammlung.

1988 kaufte der L`Oreal Konzern die Marke und nahm sie vom amerikanischen Markt. Dies mitzuerleben blieb Helena erspart, wahrscheinlich hätte sie es mit: „Das passiert eben, wenn sich keiner ums Geschäft kümmert“, kommentiert. Bis zuletzt bedauerte Helena Rubenstein, es nicht geschafft zu haben, Kosmetik zur Medizin weiterzuentwickeln.

 

Hard work keeps the wrinkles out of the mind and spirit. (Helena Rubinstein)

 

Elvira Trevira

 

 

Wir danken dem jüdischen Museum und Frau Verena Schrom für die freundliche Unterstützung und die Verfügungstellung des Fotomaterials!

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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