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16 Sep

Fiorucci – Gone to Heaven

Vom Aufstieg und Fall des wildesten, heißesten und schärfsten Young Fashion Labels der 70er und 80er Jahre.

Es begann 1962 damit, dass Elio Fiorucci (1935 – 2015), der Sohn eines Mailänder Schuhhändlers, Überschuhe aus Gummi in knallbunten Farben entwarf, diese im Geschäft seines Vaters verkaufte und sie zusätzlich noch in einem lokalen Magazin bewarb. Das Projekt entwickelte sich zu einer Sensation. Drei Jahre später brachte Elio „Swinging London“ und die „Carnaby Street Fashion“ nach Mailand, kombinierte sie mit dem „Italian Taste“, eröffnete 1967 seinen ersten Shop und schon war die Marke Fiorucci geboren.

Der Aufstieg war unaufhaltbar, denn schon 1970 entstand die erste eigene Produktionsstätte und das berühmte Logo mit den beiden Engeln wurde von Italo Lupi kreiert. Ein Flagship Store in der Via Torino wurde eröffnet, der neben Bekleidung von Fiorucci, auch Bücher, Musik und Möbel, oder sogar Vespas verkaufte. Ein im Shop integriertes Restaurant bot der fashionablen jungen Mailänder Szene eine Plattform um zu sehen und gesehen zu werden. Alles lief wunderbar, Elio brachte den Modehungrigen Thongs und Monokinis aus Brasilien, Glasperlen aus Mexiko, bedruckte Reissack-Taschen aus Indien und nicht zu vergessen den “Afghan Coat“ – ein „Must“ der 70er Jahre und in Wirklichkeit auch heute noch ikonisch. Nicht zu vergessen die wunderbaren Leoparden-Prints. All diese Anstrengungen wurden mit der Eröffnung seines Londoner Shops in der Kings Road gekrönt, wo sonst.

Ein Jahr später wurde Fiorucci in New York City gelauncht. In der 59th Street zwischen Lexington und Park Avenue angesiedelt, wurde das Geschäft von der Szene liebevoll „our daytime Studio 54“ genannt. Es bot gratis Espresso an und bekannte DJ`s legten die Musik auf. Zur Eröffnung ließ Elio seine Mailänder Freunde in einem Jumbo-Jet einfliegen. Die anschließende Party fand im Studio 54 statt und die New Yorker Szene hing tagsüber im Fiorucci Store rum. Dabei waren Andy Warhol, der noch ganz junge Marc Jacobs, Cher, die noch sehr junge Madonna (ihr Bruder arbeitete nämlich dort), Calvin Klein, Jackie O. und auch der spanische König. Elio bot Keith Haring an, einen Teil der Innenwände zu gestalten. Klaus Nomi performte im Shop zu einer Ausstellung von Graffiti Artist Kenny Scharf. Kurz gesagt, das gesamte internationale Super-Jet-Set und die angesagtesten Künstler standen dort auf der Matte.

1982 erfand Fiorucci die Stretch Jeans – er integrierte Lycra in den Denim und entwickelte auch Jeans aus Vinyl – diese hautengen Hosen ergaben den „Spray on – Look“. Fiorucci produzierte die Junior Gaultier Line von besagtem Designer und besann sich durch einen Deal mit Vivienne Westwood wieder auf die ursprünglichen Wurzeln.

Wirklich bemerkenswert waren die Werbekampagnen, die heute noch zu den umstrittensten der Branche zählen. Die Sujets zeigten meist die knackigen Hinterteile wunderschöner Mädchen – manchmal hatten sie auch noch kleine fluffige pinkfarbene Handschellen an. Auch mit nacktem Busen wurde nicht gegeizt. Auf jeden Fall provozierten die Kampagnen maßlos. Dadurch gepuscht, setzte sich die Expansion nach L.A. fort, wo man einen Store am Rodeo Drive eröffnete, und weitere in Sidney, Tokyo und Hongkong. Am Höhepunkt des Erfolgs zählte der Mailänder Store mehr als 10.000 Besucher pro Tag.

Die Kreativität Elio Fioruccis war grenzenlos, sein Geschick in finanziellen Dingen ließ allerdings zu wünschen übrig. Die ursprüngliche Investorengruppe Montedison verkaufte ihre Anteile 1981 an Benetton, diese wurden sechs Jahre später wieder weiterverkauft. Das Geschäft in N.Y., sowie viele weitere mussten geschlossen werden – andere Shareholder waren der italienische Jeansfabrikant Carrera. 1990 übernahm die japanische Jeansfirma Edwin das Label – Elio Fiorucci erlangte wieder die kreative Kontrolle, die Zusammenarbeit war jedoch holprig. Auch alle Anstrengungen von Edwin die Marke wieder zu beleben, blieben nur mäßig erfolgreich. Ein kleines Aufflackern gab es noch in der Mitte der Neunziger Jahre mit dem Duft „Fiorucci loves you“ und mit der schon oben erwähnten Handschellen Kampagne.

Elio schloss den Mailänder Store nach knapp 40 Jahren im Jahre 2003.

Elio Fiorucci fegte durch Italien und den Rest der Welt und ich zitiere – „with a larger than life attitude“ – er tat immer das Unerwartete und nahm die heutigen Concept-Stores lange vorweg, indem er Mode, Kosmetikprodukte, Möbel, Kulinarik und Musik an einem Ort platzierte, nur um alles noch mit Live-Perfomances aufzupeppen. Sein Zugang zur Mode hatte wahrscheinlich einen starken Einfluss auf Designer wie Dolce&Gabbana und Moschino.

Fiorucci war ein großer Freund des freien Denkens, der Freiheit überhaupt. Er wehrte sich gegen Ausbeutung von Mensch und Umwelt. Bei einem seiner letzten Interviews verlangte er einen „Code of fair sharing“.

Elio Fiorucci starb am 19.Juli 2015.

– Polly Perlon

Polly Perlon
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