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21 Mrz

Die Stadt der Superlative

Dhaka, die Hauptstadt von Bangladesch ist eine Stadt der Superlative. Die Superlative des Elends, der Ausbeutung, der Umweltverschmutzung und Korruption.

Schätzungsweise leben in Dhaka 17 Millionen Menschen, genaue Zahlen kann man nicht nennen, da es meinen Recherchen nach keine Meldepflicht gibt und Geburten erst seit einigen Jahren gemeldet werden müssen. Die Schulpflicht im Land beträgt fünf Jahre und ist kostenfrei, jedoch gibt es zu wenige Schulplätze, was zur Folge hat, dass 42,3% aller über 15-jährigen Analphabeten sind.

Auf Grund von Überschwemmungen und weitverbreiteter Armut in den ländlichen Gebieten kommt es seit Jahren zum Phänomen der Klimaflüchtlinge, jährlich verlassen 400.000 Menschen ihre Heimatregionen und drängen nach Dhaka und seinen Vororten. Hazaribag, ist ein neben den Gerbereien liegender Slum und gehört zu den am schlimmsten verschmutzten Orten der Welt.

Der Grund dafür sind die dort ansässigen, über 200 Gerbereien. Bangladesch ist einer der führenden Leder- und Textilproduzenten auf diesem Planeten, 80% der Produktion gehen in den Export. Leder zu gerben ist ein dreckiger Prozess. Die Rinder- und Ziegenhäute werden, um sie gegen Verrottung zu schützen, eingesalzen in den Gerbereien angeliefert, trotzdem werden die Arbeiter von Millionen Parasiten begrüßt, wenn sie die Ballen öffnen. Danach werden die Häute gekalkt, mit Chemikalien bearbeitet und gewaschen. Dieser Vorgang muss drei Mal wiederholt werden, es sind in etwa 300 verschiedene Chemikalien im Spiel. Dabei handelt es sich unter anderem um Ammonium, Ethylen, Benzol, Kalium, Chrom, Quecksilber und Kaliumpermanganat…

Abgesehen vom unerträglichen Gestank (Entlüftungen sind entweder nicht vorhanden oder defekt), der in den Fabriken herrscht, haben sich dort auch die Arbeitsbedingungen seit Jahren nicht geändert, Maschinen werden ebenfalls nicht erneuert. In den Gerbereien arbeiten Tagelöhner (meist Analphabeten), die weder einen Arbeitsvertrag haben, noch Zugang zu medizinischer Betreuung vor Ort, auch Schutzkleidung ist nicht vorhanden. Sprich: Die Männer und Frauen, die in diesen Fabriken für einen Monatslohn von ungefähr 40-45 Euro schuften, stehen in Schlapfen knietief in der chemischer Brühe, sind nicht ausgebildet mit den oben erwähnten Chemikalien zu hantieren und bürsten, schaben und waschen 12 Stunden pro Tag die zu bearbeitenden Häute. Einige tragen zumindest Kopftücher, um den durch das Kalkwasser hervorgerufenen Haarausfall zu vermeiden. Die Tagelöhner haben weder Anspruch auf Urlaub, Krankenstand oder andere Sozialleistungen. Wer einen halben Tag fehlt, dem wird ein ganzer Tag vom Lohn abgezogen. Überstunden bleiben unbezahlt, Gehaltserhöhungen sind definitiv nicht vorgesehen.

In Hazaribag gibt es weder Strom noch Gas, das Wasser ist nicht trinkbar und muss bezahlt werden. Im Übrigen haben von den 17 Millionen Einwohnern Dhakas, 30% keinen Zugang zu Trinkwasser, das sind ungefähr 5,1 Millionen Menschen.

In diesem Stadtteil Dhakas werden die Menschen meist nicht über 50 Jahre alt. Sie sterben letztendlich an der „Lederkrankheit“, die sich durch Entzündungen im Körper, Gelenksschmerzen, Hautkrankheiten, Verätzungen der Atemwege, Gastritis und Problemen mit dem Herzen äußert. In Hazaribag kommen deutlich mehr Kinder mit Fehlbildungen zur Welt, als im Rest des Landes. Kinder sehen mit drei Jahren teilweise noch aus wie Babies, können nicht gehen und nicht sprechen.

Die Ursache dafür liegt in der massiven Umweltverschmutzung des Gebietes. Alle giftigen Abwässer aus den Gerbereien, fließen ungeklärt in den Buriganga, dem Fluss, der die Lebensader Dhakas darstellt. Die Gerbereien verbrauchen Unmengen an Wasser und täglich gelangen 22.000 m3 giftiger Schlamm ungeklärt in den Fluss, dieser chemische Dreck dringt ins Ökosystem ein und gelangt über Tiere und Pflanzen zurück in den menschlichen Organismus. Der Buriganga zählt zu den schmutzigsten Gewässern der Welt und hat an manchen Seitenarmen einen O2 Gehalt von 0,46% – ein Fisch braucht zumindest einen Sauerstoffgehalt von 9,0% um überleben zu können, auch der Anteil an Chrom ist sensationell hoch.

Eine Absiedlung Hazaribags in ein 50 Kilometer entferntes Gebiet ist offiziell angedacht, aber diesbezügliche Bemühungen werden immer wieder verzögert. Dieses Unterfangen würde für die Gerbereien zu hohen Profiteinbußen führen, was deren Besitzer verhindern wollen. Da allerdings neun der größten Gerbereibesitzer in der Regierung sitzen, wird es wahrscheinlich noch ein bisschen dauern dieses Projekt zu realisieren.

Als Vorlage zu diesem Post diente die Arte-Doc „Gifitges Leder“.

Let there be work, bread, water and salt for all.   (Nelson Mandela)

Elvira Trevira

Elvira Trevira
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Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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