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25 Aug

Die Baumwolle

Vom ersten Tag unseres Lebens an, kommen wir mit Baumwolle in Berührung. Kaum sind wir geboren, werden wir mal kurz abgespült und in ein Leibchen oder einen Babybody aus 100% Baumwolle gesteckt. Sie begleitet uns auch den Rest unseres Lebens, wir schlafen in Baumwolle, wir trocknen uns nach der morgendlichen Dusche mit einem Frotteehandtuch aus Baumwolle ab und ziehen uns anschließend unsere Jeans an, die wiederum hauptsächlich aus Baumwolle bestehen.

Aber natürlich machen wir uns darüber keine Gedanken – wär auch ein bisschen viel verlangt. Trotzdem möchte ich hier die Geschichte, die Pflanze selbst und die Auswirkungen, die der Baumwollanbau in der heutigen Form auf unsere Umwelt hat, etwas näher beleuchten. Diese Pflanze deckt 44% des weltweiten Textilfaserverbrauches ab . Die Hauptanbaugebiete sind China, Indien, USA und Pakistan.

Die Baumwollpflanze (Gossypium) ist ein Malvengewächs und sie kommt in etwa 50 Arten vor. Sie ist auch kein Baum, sondern wächst zu einem bis sechs Meter hohen Strauch heran, auf dem sich innerhalb von 8 Wochen nach der Blüte Fruchtkapseln bilden. Danach platzen die Kapseln auf und ein weißes Faserbauscherl tritt hervor.

Man kann annehmen, dass die Pflanze schon 6000 vor Christus bekannt war und im zweiten vorchristlichen Jahrtausend über Indien, erst nach Ägypten (Makobaumwolle – sehr lange Fasern – höchste Qualität, hier gibt es auch Belege durch Grabfunde) und dann nach Europa kam. Also die Pharaonen trugen schon lässige Baumwollschurze, jedoch dauerte es für die Baumwolle bis ins 15. Jahrhundert um sich hier breitzumachen – erstmals als Luxusgut. Sie war genau so begehrt wie Seide.

Mit der Industriellen Revolution – den Anfang machte 1764 die Erfindung der „Spinning Jenny“, einer der ersten Spinnmaschinen und in weiterer Folge 1784, die des mechanischen Webstuhls – begann die kostengünstige Massenproduktion von Textilien, hauptsächlich im Vereinten Königreich. Die East-India Company verdankte ihren unermesslichen Reichtum auch zu einem nicht unwesentlichen Teil der Baumwolle.

Im Cotton-Belt, in den Südstaaten der USA wurde 1793 die Egreniermaschine erfunden (englisch: Cotton Gin, eine Textilmaschine, die die Baumwollfasern -engl. lint –  von den Samenkapseln und den manchmal klebrigen Samen trennt, also entkörnt). Die Baumwolle war bis ins 20. Jahrhundert eines der wichtigsten Exportgüter des amerikanischen Südens. Der Black Belt erstreckte sich von North Carolina bis Louisiana, die Sklaverei fand Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Höhepunkt (die mussten nämlich auf den Baumwollfeldern in der feuchten Affenhitze malochen) – die Musikrichtung Blues findet dort übrigens auch ihren Ursprung –  und das ganze Szenario endete im Sezessionskrieg – den dann gottseidank die Yankees aus dem Norden gewannen. Bye, bye Scarlett O`Hara!

Die Baumwolle ist ein sehr durstiges und auch für Schädlinge attraktives Pflänzchen – sie möchte ununterbrochen bewässert werden und außerdem wird sie mit Pestiziden vollgepumpt, damit sich die bösen Raupen und Wanzen nicht an ihr gütlich tun können. Für die Produktion eines T-Shirts beispielsweise benötigt man rund 2000 Liter Wasser. Ein hardcore Beispiel ist der Aralsee (heutiges Usbekistan davor UdSSR), ursprünglich der viert größte See der Erde – man entnahm seinen Zuflüssen seit den 1960er Jahren so große Wassermengen für den Baumwollanbau, dass der See einer weitreichenden Versalzung ausgesetzt war und heute beinah verschwunden ist! Bravo, gut gemacht!

 

Bemerkenswert ist auch, dass 25% aller auf dem Planeten verwendeten Pestizide im Baumwollanbau eingesetzt werden – in den USA stellt mein Lieblingskonzern Monsanto das Saatgut, die Pestizide und auch die Pharmazeutika, um die an Krebs erkrankten Baumwollfarmer wieder zu heilen. Wenn das keine Erfolgsstory ist?

Und hier sind wir noch nicht mal bei der Fertigung angekommen – um den humanökologischen Aspekt nicht außeracht zu lassen, muss man erwähnen, dass nach Schätzungen der UNICEF etwa 90 Millionen Kinder weltweit in der Baumwollindustrie arbeiten. Sehr gerne bei der Ernte, aber natürlich auch in den weiterverarbeitenden Fabriken. 14 Stunden Tage unter gesundheitlichem Risiko (85% aller weltweit im Textil-Business Beschäftigten sind Frauen – aber Zara gehört glaube ich einem Mann, er hat jetzt übrigens Bill Gates in der Forbes Liste überholt) zu einem Hungerlohn sind üblich.

Der Einsatz von Chemikalen geht nach der Ernte natürlich frisch und fröhlich weiter – es wird gebleicht (wer will schon so ein beigeweißes Leiberl), gewaschen, gefärbt, bedruckt, veredelt, mercerisiert, beschichtet, bügelfrei ausgerüstet, antibakteriell und schmutzabweisend gemacht  …. ohne Ende!

Jede industrielle Entwicklung eines Landes beginnt mit der Textilindustrie – sie ist ein Segen und ein Fluch – sie lastet auf den gebeugten Rücken der Kinder und Frauen und unsere Erde wird vergiftet.

Man sollte sich überlegen, ob man das „nächste T-Shirt“ wirklich will!

In God we trust, all others must pay cash!

Elvira Trevira

Quellen:
Bilder:
unsplash, wikipedia commons, pixabay
Text:
wikipedia, baumwolle.at, „The true cost“

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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