Featured Posts

The winner is: Urban Decay!
Liebe LeserInnen, gleich zu Beginn: Ihr könnt gewinnen, und zwar Lippenstifte von Urban Decay – und wie es funktioniert findet ihr am Ende des Posts raus!
View Post
Fashion Trends A/W 16/17
View Post
Vienna Fashion Week – Favorites
Die Vienna Fashion Week hat wieder begonnen, und wir stellen euch hier ein paar unserer Favoriten vor. Seid ihr diese Woche auch bei einer der Shows beim Museumsquartier dabei?
View Post
To top
4 Jun

Das Paradies der Damen

Inspiriert von der seit 17. Mai 2017 laufenden Ausstellung im Jüdischen Museum in der Dorotheergasse Wien Innere Stadt, beleuchten wir hier die kurze, jedoch glamouröse Epoche der Wiener Kaufhäuser, deren Namen wir heute immer noch kennen, ihr Glanz ist aber längst verblasst.

Das Textilbusiness ist untrennbar mit dem Judentum verbunden, das lässt sich darauf zurückführen, dass es Juden verboten war, bestimmte Berufe auszuüben und sie somit gezwungen waren, in den ihnen zugänglichen Sparten zu arbeiten. In der Textilproduktion und dem Handel mit Textilien waren und sind sie beinah unschlagbar.

Legendäre Namen, wie Gerngross, Herzmansky, Knize, Braun & Co, oder Schöps und Brühl & Söhne sind immer noch geläufig. Andere hingegen schon in Vergessenheit geraten, wie etwa Maison Zwieback, Rothberger, Goldman & Salatsch oder die Kaufhäuser der Vorstadt, die hießen Dichter oder Wodicka. Sie alle prägten ihre Zeit – bestimmten, wie sich die Wiener kleideten und beeinflussten mit den zum Verkauf angebotenen Waren den Stil der Stunde.

Vor allem aber boten sie den Frauen einen Ort, den sie ohne männliche Begleitung aufsuchen konnten. Damen war es bis zum Fin de Siècle kaum möglich, alleine das Haus zu verlassen. Kaufhäuser durften mit einer Zofe oder Gesellschafterin besucht werden. (Wahrscheinlich langweilten sich die Herren der Schöpfung dort damals genauso wie heute!)

Diese neuen Tempel des Konsums, die ersten entstanden in Paris, London aber auch in New York im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, vermittelten ein internationales Flair, kamen die angebotenen Produkte doch aus den feinsten Manufakturen der Welt. Abgesehen davon konnte jedermann diese „Emporiums“, so wurden sie im anglikanischen Sprachraum genannt, betreten, ohne gezwungen zu sein, wirklich etwas zu kaufen.

Ein weiterer Aspekt war die Architektur. Am Beispiel von Goldman & Salatsch kann man erkennen, wie intensiv sich die Besitzer dieser Firmen mit Design und Warenpräsentation beschäftigten. Sie beauftragten Adolf Loos eine Unternehmenszentrale zu bauen und verursachten somit einen der größten Architektur-Skandale der Monarchie. Auf Zuckerguss-Ornamentik verzichtend, schuf der Architekt wohl eine der zeitlosesten Fassaden der Stadt, die Architektur des „Loos-Hauses“ hält auch dem Zeitgeist des 21.Jahrhunderts noch stand.

Ebenfalls zu erwähnen: Die erste Rolltreppe Wiens befand sich im Gerngross auf der Mariahilfer Straße. Vitrinen, in denen die Waren feilgeboten wurden, lehnten sich in ihrer Konstruktion aus Glas und Stahl an die Hochhausbauten in den USA an. Die Gebrüder Zwieback, ließen um 1895 vom Architekten Friedrich Schön ein 8-stöckiges Kaufhaus an der Ecke Kärntner Straße/Weihburggasse errichten. Die Verkaufsräume erstreckten sich vom Erdgeschoss bis in den 2. Stock, außerdem waren Büros, Werkstätten, Lager und ein Maschinenraum im Souterrain eingerichtet. Im Allgemeinen versuchte man durch eigene Heizungssysteme und selbsterzeugte Energie, etwa um Fahrstühle zu betreiben, unabhängig zu bleiben.

Besonders beeindruckend im Zusammenhang mit der Etablierung der großen Kaufhäuser ist die Lebensgeschichte von Ella Zirner-Zwieback. Bei ihr fand Fred Adlmüller (Wiener Couturier) seine erste Anstellung und arbeitete sich bald vom Schaufenster-Dekorateur zum Leiter der Herrenabteilung hoch.

Ella war die Tochter von Samuel Zwieback, der mit seinen beiden Brüdern die Firma gründete, erst mit einem Haus auf der Mariahilfer Straße, in weiterer Folge eröffneten sie den Kaufhaustempel an der Kärntner Straße. Ella sprach fließend Französisch, Englisch und Italienisch, was immer hilft im Textil-Biz, studierte am Konservatorium Klavier und übernahm nach dem Tode des Vaters den Betrieb im ersten Bezirk.

Ella führte die Firma umsatzorientiert und setzte auf ein Geschäftsmodell, bei dem sie vom Entwurf, über die Fertigung bis hin zu Marketing und Vertrieb die volle Kontrolle behielt, all das fand direkt in den Räumlichkeiten des Hauses statt. Auf ihren ausgedehnten Reisen, suchte sie stets nach Innovationen für das Maison Zwieback. Unter anderem importierte sie ein Kassensystem aus den USA und beschäftigte sich intensiv mit Fotografie, die sie zu Werbe- und Marketing Zwecken für ihr Haus einsetzte.

In diesem Bereich arbeitete sie mit Dora Kallmus, die sich Madame d`Ora nannte, wie Ella einen Hang zu allem Französischen hatte und eine Fotostudio führte, zusammen. 1926 entstanden beeindruckende Fotografien von Zirner-Zwieback, die das neue Frauenbild dieser Zeit nachhaltig dokumentieren. Weder Zirner noch d`Ora waren Avant-Garde Feministinnen, die die etablierten Normen der Weiblichkeit unterminieren wollten, sie nützten Mode und Fotografie um Frauen als aktive Teilnehmer am modernen Leben zu präsentieren. Sie zeigten Frauen, dass man sich zu Modeströmungen bekennen kann, ohne dabei seine Individualität zu verlieren. Ich finde, dieser Gedanke sollte auch heute noch gelten!

Eternal nothingness is fine if you happen to be dressed for it. (Woody Allen)

Elvira Trevira

Wir bedanken uns herzlichst beim Jüdischen Museum/Frau Verena Schrom für die zur Verfügung gestellten Fotos.

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

No Comments

Leave a reply

Instagram