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12 Jun

Das Paradies der Damen 2

Das Warenhaus Rothberger, es befand sich am Stefansplatz No 9 und expandierte später ins Nebengebäude Stephansplatz No 11, wurde von dem in Ungarn geborenen Jacob Rothberger, 1861 gegründet. Zuvor arbeitete er einige Jahre als Schneider in Paris, wo er auch seine Gesellenstück fertigte. Im ursprünglich kleinen Geschäft, im dritten Stock des Hauses, befand sich eine Schneiderei, jedoch hielt er immer fertige Modelle „on stock“. Die Kunden konnten ihre alten Kleidungsstücke abgeben und erhielten somit einen „discount“ auf neue Ware. Ein damals schon sehr nachhaltiger Gedanke. Er gilt heute noch als Pionier der industrialisierten Kleiderkonfektion in Österreich.

Der Titel K.u.K. Hoflieferant, eine Art Qualitätssiegel, für das umfangreiche Auflagen erforderlich waren, wie etwa die Vorlage des Kundenbuches – da mussten schon ein paar „Aristos“ dabei sein, sonst ging nix – und für das man selbstverständlich zahlen musste, wurde dem Warenhaus bereits 1867 verliehen.

Im Zuge der Expansion 1886 waren ausgedehnte Umbauarbeiten erforderlich, um Rothbergers „Kleiderpalast“ im neuen Glanz erstrahlen zu lassen. Das Haus war mit elektrischem Licht, einem hydraulischen Fahrstuhl und einer Dampf-Zentralheizung ausgestattet. 1893 wurde das Haus Stephansplatz No 11 erworben um weiter zu vergrößern. Das Süßwarengeschäft Victor Schmidt & Söhne war ebenfalls bei Rothberger eingemietet. Die haben uns mit „Ildefonso“ das Leben versüßt und wurden im Jahr 2000 an die Firma Manner verkauft.

Sämtliche Umbauarbeiten wurden klarerweise vom damaligen Gemeinderat künstlich erschwert, der zunehmende Antisemitismus begann sich speziell bei Expansionsvorhaben von jüdischen Unternehmern herauszukristallisieren.

Jacob verstarb 1899 und hinterließ sein florierendes Unternehmen den drei Söhnen. Bis zur Enteignung durch die Nazis 1938 blieb die Firma im Familienbesitz. Im WWII brannten beide Häuser nieder. Die Rothberger Erben verkauften letztendlich. Heute befindet sich an der Stelle ein Hotel, architektonisch betrachtet ein „wahrhaftes Juwel“ der Nachkriegsarchitektur.

Zuletzt widme ich mich noch einem Unternehmen aus dieser Zeit, das immer noch besteht, zwar nicht mehr in der Originalvariante, aber zumindest am gleichen Platz und dem Namen nach –  dem Kaufhaus Gerngross. Alfred Abraham Gerngross erlernte den Beruf des Kaufmanns bei dem damals schon auf der Mariahilfer Straße etablierten Warenhaus Herzmansky. 1879 gründete er gemeinsam mit Bruder Hugo ein Stoffgeschäft auf derselben. Nach einigen Konkurrenzgeplänkeln beschlossen Herzmansky und Gerngross zu kooperieren, was nur von kurzer Dauer war. In den kommenden Jahren erwarb Gerngross auf Grund andauernder Erfolge seiner Unternehmungen weitere 13 Liegenschaften, angrenzend zum Stammhaus. Schon 1883 wurde die Firma in eine Gesellschaft umgewandelt und entwickelte sich zum größten Warenhaus der Monarchie.

Das selbe Architekturbüro, das auch für den Bau des Kaufhaus Rothberger am Stephansplatz verantwortlich zeigte (Fellner & Helmer), übernahm die Planung der Außenfassade für ein neues Gerngross-Gebäude in Mariahilf. Besonders bemerkenswert dabei waren die an französische Markthallen erinnernden Galerien, die fünf Fahrstühle und vor allem die Rolltreppe – meinen Recherchen nach handelte es sich um die erste in Wien. Nach Alfreds Tod führten seine Söhne die Firma, die 1911 in eine AG umgewidmet wurde. In seinen goldenen Zeiten bot Gerngross 1600 Menschen einen Arbeitsplatz, im Jahr 1926 wurde dem Bau ein Leuchtturm als Bekrönung aufgesetzt.

Bereits zu Beginn der 30er Jahre war das Kaufhaus ein Ziel der Nazis, als am „Goldenen Sonntag“ (das war ein Einkaufssonntag im Dezember) Tränengas und Stinkbomben geworfen wurden, kam es zu einer Massenpanik mit etlichen Verletzten. 1938 musste die Familie flüchten und ließ sich im südamerikanischen Montevideo nieder. Nach dem WWII konnten wohl durch ein Restitutionsverfahren die Geschäfte wieder übernommen werden, nach Paul Gerngross Tod wurden die Aktien jedoch an den Hertie-Konzern verkauft.

Nach dem WWII, die Zeit der großen Waren- und Kaufhäuser in Österreich war für immer vorbei – in anderen Ländern Europas ist diese Tradition nämlich durchaus erhalten geblieben, man denke an Paris mit seiner „Galeries Lafayette“, oder UK mit „Selfridges“,  waren es wieder jüdische Migranten, oder solche die aus dem Exil nach Hause gekommen waren, die das Textilbusiness in diesem Land belebten. Diesmal in Form von Textilketten oder als Großhändler, welche die gerade entstehende „Boutiquen“ versorgten.

 

Ich selbst habe viele Jahre bei „Schöps“ im Einkauf für „Junge Mode und Jeans“ gearbeitet, Herr Kommerzialrat Böhm hat mich noch persönlich eingestellt. Alles was ich über das Textil-Biz weiß, habe ich von ihm gelernt. Die Firma war eine große Family zu der man in der Früh hingegangen ist – und „da Schmäh is imma grennt“. Etliche, der in der Ausstellung porträtierten Wiener, ich nenne sie immer „Textilianer“, darunter Hr. Stein, der „Moda Italiana“ nach Wien brachte, kannte ich noch persönlich. Ich ging mit einem weinenden Auge durch die Ausstellung, auch in Anbetracht dessen, dass die gesamte Branche – heute ausschließlich von Monolabels dominiert – ihren Glam und vor allem ihre, sie prägenden Charaktere verloren hat.

If you want to make God laugh, tell him about your plans. (Woody Allen)

 

Elvira Trevira

Wir bedanken uns herzlichst beim Jüdischen Museum/Frau Verena Schrom für die zur Verfügung gestellten Fotos.

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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